Das Wirtschaftsministerium setzt auf Worte, um Berufe für migrantische Jugendliche zu finden. Da kam eine türkisch-deutsche Veranstaltung gerade recht.von Franziska Haack

Auftakt zur „Integration durch Bildung“: Diskussionsrunde im Türkischen Haus am Dienstag. Bild: dapd
BERLIN taz | Viele wohlmeinende Appelle waren das wichtigste erste Ergebnis der deutsch-türkischen Veranstaltungsreihe „Integration durch Ausbildung“, die am Dienstag im Türkischen Haus in Berlin ihren Anfang nahm.
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Vom Ausrichter, dem Bundeswirtschaftsministerium, kam Staatssekretär Ernst Burgbacher (FDP), um Eltern, Unternehmen und migrantische Jugendliche an Nutzen und Wert der betrieblichen Ausbildung zu erinnern. Bildung sei „ein Weg gegen Arbeitslosigkeit“, erklärte Burgbacher.
Grund: Nur 16,5 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund absolvieren eine Ausbildung, bei den Deutschen hingegen sind es fast 50 Prozent. Während von den übrigen Biodeutschen die meisten Abitur machen, ist dies bei den migrantischen jungen Leuten nur zu elf Prozent der Fall. Für Schulabgänger türkisch-arabischer Herkunft sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sogar noch geringer.
Die Initiative „Integration durch Ausbildung“ will nun den anständig ausgebildeten Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Neben Burgbacher forderte auch der türkische Botschafter Avni Karslioglu mehr Engagement aller Beteiligten - auch der Unternehmen, die Ausbildung endlich als Chance sehen sollten, an qualifizierte Fachkräfte zu kommen.
Fachkräfte mit Migrationshintergrund seien in Zeiten der Globalisierung eine besondere Bereicherung, so Nihat Sorgeç vom Bildungswerk Kreuzberg. Er sieht Bilingualität und Bikulturalität als Wettbewerbsvorteile. Leider zeige sich aber bei vielen der betroffenen Jugendlichen eine „doppelte Halbsprachigkeit“: Sie seien „Rohdiamanten, die erst noch geschliffen werden müssen“, erklärte Sorgec.
Im Bildungswerk Kreuzberg gibt es daher neben anderen berufsvorbeitenden Maßnahmen Deutsch- und Türkischkurse. Die Initiative des Bundesministeriums soll nun junge Menschen gezielt für solche Programme anwerben. In Zusammenarbeit mit Schulen, türkischsprachigen Medien, Moscheen, sowie den Generalkonsulaten will man möglichst viele Jugendliche und Eltern über Ausbildungsangebot und Hilfestellungen informieren.
320 Ausbildungsberufe gibt es laut Ministeriumsvertreter Heinz Ackermann, die meisten Jugendlichen ahnten wohl gar nicht, welche Möglichkeiten es neben Kfz-Mechatroniker und Einzelhandelskauffrau gebe.
Eine staatlich festgelegte Quote für migrantische Jugendliche in Betrieben, wie oft gefordert, hält man im Bundesministerium allerdings nicht für zielführend. Stattdesssen setzt man darauf, Vorbehalte bei den Arbeitgebern abzubauen.
Wegen des demographischen Wandels bleiben seit einigen Jahren immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt. 1,6 Millionen Auszubildende gab es 2008. Zwei Jahre später waren es nur noch 1,5.
Auch für ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren – im hochqualifizierten Bereich wird es aktuell mancherorts erprobt – wollte sich das Bundesministerium nicht aussprechen. Ackermann gab zwar zu, dass andernorts gute Erfahrungen damit gemacht worden seien. Man wolle aber erst einmal abwarten, ob sich das Problem möglicher Diskriminierung nicht auch anders lösen lasse. Er verwies darauf, dass durch die Knappheit an jungen Menschen die Nachfrage von selbst steige.
Die aktuellen Zahlen sprachen für ihn: 2010 gab es 77.200 Auszubildende mit Migrationshintergrund, immerhin 4.000 mehr als 2008 – ein Anstieg.
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