Die Papiere der Atomlobby verraten viele Stories. Eine ist die eines Professors, an den für eine Studie 135.000 Euro fließen sollten - über das Konto der Frau.von M. Kaul & S. Heiser

Hat nur eine "Kommunikationsleistung" erbracht: Prof. Joachim Schwalbach. Bild: imago / Wolf P. Prange
BERLIN taz | Die internen Unternehmensdokumente zur Lobbykampagne der Atomkonzerne, die die taz veröffentlicht, geben Einblick in einen umfassenden Handwerkskasten der Macht.
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Die taz hat sich mit den Details der Kampagne "Energieverantwortung für Deutschland", die die Düsseldorfer Agentur Deekeling Arndt Advisors von Mai 2008 bis zur Bundestagswahl im September 2009 im Auftrag des Deutschen Atomforums durchgeführt hat, ausgiebig befasst.
Unter den zahlreichen Maßnahmen scheint eine besonders hervor: Die Geschichte des Berliner Professors Joachim Schwalbach, Ökonom an der Humboldt Universität Berlin, die zu den angesehensten Universitäten Deutschlands gehört.
Joachim Schwalbach sollte vorrechnen, warum Kernenergie nicht nur den Konzernen Milliarden bringt, sondern vor allem der Gesellschaft nütze. "Kennziffern" sollte er dazu erheben, mit denen die "Gesellschaftsrendite" der Atomkraft offensichtlich würde. Eingebunden war die geplante Studie als fester Bestandteil der Atomkampagne. Kurz vor der Bundestagswahl 2009, so die ursprüngliche Planung, sollte sie platziert werden. Doch es kam nie dazu. Denn aufgrund von Streitigkeiten wurde das Vorhaben abgebrochen.
Schwalbach, der als Wissenschaftler gern mehr Anstand und Moral in Deutschlands Chefetagen einfordert und für das "Leitblid des ehrbaren Kaufmanns" eintritt, behauptet heute, er sei damals nicht bereit gewesen, ein "Gefälligkeitsgutachten" zu schreiben. In Kreisen der Energiekonzerne sorgt diese Darstellung für Empörung.
Dort wird behauptet: Schwalbachs Zwischenergebnisse seien selbst so unbelastbar und gefällig gewesen, dass eine Fortführung des Projekts sinnlos und peinlich geworden wäre.
Tatsächlich wird der Wissenschaftler nun einige Fragen beantworten müssen: Denn Schwalbach ließ sich nicht nur auf die fragwürdige Zusammenarbeit mit der Atomlobby ein, die dann das Projekt stoppte. Die dafür verabredeten 135.000 Euro sollten außerdem auch nicht etwa an seine Universität, sondern auf das Konto seiner Ehefrau fließen.
Astrid Drabant-Schwalbach besitzt eine Kommunikationsagentur namens "GlobalKomm", ein Ein-Personen-Unternehmen mit Sitz im gemeinsamen Wohnhaus des Ehepaars. Sie sagt heute: Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es sich bei dem Auftrag nicht um Wissenschaft, sondern um eine "Kommunikationsleistung" gehandelt habe.
Diese und mehr Details über die Schwalbach-Affäre sowie die ganze Geschichte über die geheimen Dokumente der Atomlobby lesen Sie am Wochenende in der sonntaz, dem Wochenendmagazin der taz. Erhältlich an jedem gut sortierten Kiosk, im eKiosk oder per Wochenendabo.
Was die Berliner Technische Universität und die Humboldt Universität im Jahre 2006 mit der Deutschen Bank aushandelten, ging über das übliche Maß der Auftragsforschung weit hinaus. Und die Öffentlichkeit bekam davon wenig mit.
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