Auf der IFA-Medienkonferenz haben Springer, ARD und ZDF erklärt, einen Kompromiss beim Streit um Netzinhalte finden zu wollen. Nur bei der Tagesschau-App soll es keinen geben.von STEFFEN GRIMBERG

Bietet den Öffentlich-Rechtlichen einen Kompromiss an: Mathias Döpfner. Bild: dapd
BERLIN taz | Zu Beginn von Medienkonferenzen erzählt Springer-Chef Mathias Döpfner gern die Geschichte, wie sie anno 2007 bei Google waren und sich Spezies der Gattung aussterbende Verleger mit feiner Ironie vor einem Dinosauerier fotografien ließen.
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Woher sie kämen und was sie denn so machten, habe die Kamerafrau von ihnen wissen wollen. Sie seien aus Deutschland und machten in Zeitungen, hätten sie wahrheitsgemäß geantwortet. Worauf die Dame gesagt habe: "Ja, Presse, davon habe ich gehört, da gab es mal was."
Wenn diese Geschichte nicht stimmt ist, ist sie auch noch schlecht erfunden. Egal, Döpfner erzählte sie auch am Montag wieder einmal, bei der Eröffnung des Medienkongresses zur Berliner IFA – um gleich darauf ARD und ZDF ein Angebot zu machen, das sie nicht ablehnen können.
"Wir brauchen ein verlässliche Architektur in der digitalen Welt", die Öffentlich-Rechtlichen sollten auch im Netz "tun und lassen, was sie wollen", Apps inklusive. Ein Rückzug vom jüngsten Streit um die tagesschau-App der ARD, gegen die mehrere Verlage, darunter Springer, derzeit gerichtlich zu Felde ziehen? Jein: In dem Moment, in dem das Angebot zu textlastig wird oder in Spezialkategorien ausfächert, sollen diese Angebote kostenpflichtig werden, fordert Döpfner. Und die tagesschau-App gehört für ihn klar dazu. Die Klage allerdings "sollte man nicht zu hoch hängen".
Auch ARD und ZDF signalisieren Kompromissbereitschaft: Dem designierten ZDF-Intendanten Thomas Bellut fällt das leicht, weil die heute-App noch gar nicht da ist. Was allerdings weniger an der Kompromissbereitschaft des Zweiten, als an der Hartleibigkeit von Apple liegt, wo die App derzeit festhängt.
Für die ARD sprach derweil RBB-Intendantin Dagmar Reim das Jein: Man sei sehr für Kompromisse, "nur dauert das in einer großen Gemeinschaft wie der ARD schon mal länger". Doch bei der tagesschau-App soll es keinen Raum für Kompromisse geben: "Das ist Kern unseres Auftrags und muss kostenlos bleiben", so Reim.
Damit ist der Kompromiss eigentlich schon da: Die tagesschau-App macht einfach ein bisschen weniger Text, ein paar Spezialangebote werden zusätzlich kostenpflichtig. Und die Verleger sind zufrieden – auch wenn es ihnen vermutlich kaum nützen dürfte. Denn selbst wenn ARD ud ZDF morgen komplett aus dem Netz verschwänden – ein wirklich tragfähiges Geschäftsfmodell haben die Herren der Presse immer noch nicht.
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Leserkommentare
06.09.2011 14:04 | GEZ Zahler
Ich kenne kein Programm eines deutschen Verlegers was inhaltlich (Aktualität, Seriosität, Umfang) oder technisch (Benutzerf ...
06.09.2011 09:46 | wolf26
Die ganzen Tagesschau-Apps sind doch nur was
05.09.2011 20:07 | Tomate
Wenn jetzt der Springer-Konzern über die Verwendung meiner Rundfunkgebühren mitentscheiden darf, dann werde ich demnächst e ...