Iraks Krieg gegen Islamisten

Fassbomben und Exekutionen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft Bagdad den Einsatz von Fassbomben vor. Auch Aufständische verübten schreckliche Verbrechen.

Kämpfer der Extremistenorganisation ISIL in einem Vorort von Falludscha. Bild: reuters

BAGDAD afp | Im Kampf gegen islamistische Aufständische haben die irakischen Streitkräfte nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation Fassbomben eingesetzt und auch ein Krankenhaus beschossen. Die Vorwürfe erhebt Human Rights Watch (HRW) in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht und beruft sich auf Augenzeugen. Die Regierung in Bagdad wies die Vorwürfe zurück.

Die Regierungstruppen bekämpfen seit Monaten einen Aufstand in Falludscha, wo die Extremistenorganisation Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIL) die Kontrolle übernommen hat. Die HRW-Irak-Beauftragte Erin Evers warf auch der ISIL am Dienstag „schreckliche Verbrechen“ wie Anschläge mit Autobomben und Exekutionen ganzer Gruppen vor.

In dem HRW-Bericht heißt es unter Berufung auf Anwohner von Falludscha, seit Anfang Mai werfe die Luftwaffe Fassbomben auf Wohnviertel der Stadt ab. Es seien auch Videos und Fotos ausgewertet worden, auf denen mutmaßliche Spuren der Bombeneinsätze zu sehen sein sollen.

Fassbomben sind mit Sprengstoff gefüllte Ölfässer, die aus Flugzeugen geworfen werden und am Boden explodieren. Auch der syrischen Regierung wird vorgeworfen, im Bürgerkieg Fassbomben auf Städte abzuwerfen.

Die Menschenrechtsorganisation schreibt überdies, die Regierungstruppen hätten das größte Krankenhaus von Falludscha beschossen – in einem Ausmaß, das nahelege, dass es gezielt angegriffen werde. „Das wäre eine gravierende Verletzung des internationalen Kriegsrechts“, heißt es in dem HWR-Bericht.

Die irakischen Streitkräfte wiesen die Vorwürfe gegenüber Human Rights Watch zurück. Auch ein Regierungssprecher erklärte, es würden keine Fassbomben eingesetzt.

Anschläge und Kämpfe gehören im Irak noch immer zum Alltag. Seit Jahresbeginn wurden bei der Gewalt mehr als 3.300 Menschen getötet. Auch die Parlamentswahl Ende April war von Anschlägen überschattet. Stärkste Partei wurde das Bündnis des schiitischen Regierungschefs Nuri al-Maliki. Die Bildung einer neuen Regierung steht aber noch aus.

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