Kolumne von Markus Völker
Bei der Tour de France fahren sie jetzt gerade steile Berge hoch. Bei den British Open putten sie in Sandwich kleine, weiße Bälle in Löcher. Und seit gestern schießen die Zweitligakicker wieder Fußbälle in die Maschen. Das alles machen Männer. Es ist echter Sport. Tour, Golf und Liga - das sind die drei sportlichen Großereignisse, die jetzt (auch noch) laufen. Hier sind Profis unter sich. Viel Geld ist im Spiel. Die Fans reiten nicht auf der Welle des Events, sie sind schon seit Jahren und Jahrzehnten dabei, wissen, wer Ottavio Bottecchia war und wer Jack Nicklaus.
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Es ist gut, dass die Frauenfußball-WM Konkurrenz bekommen hat. Man sieht mal ein paar andere Bilder, kann sich aufs weiche Sofa des Connaisseurs fallen lassen und einer vermeintlich männlichen Domäne frönen: der Fachsimpelei über Sport. Gemeint ist ein Sport, der nicht die Massen und Eventgucker ergriffen hat. Das ist ein gutes Gefühl. Wobei: Da ist auch noch dieses Unbehagen - an der Tour der rollenden Apotheken zum Beispiel.
Es ist zwar ein unvergleichliches Spektakel, wenn die Fahrer die Pyrenäengipfel hochasten, aber will man Alberto Contador in der Spitzengruppe sehen, die Schleck-Brüder, Cadel Evans? Das ist, als ob man ein Sahnetörtchen mit Senf isst. Das schmeckt beschissen. Blöderweise sind die Golfer trotz des neuen englischen Wunderkindes Tom Lewis noch nicht in der spannenden Phase, die Bilder also noch von gähnender Langeweile. Aber was ist mit der Zweiten Liga, mit Dynamo Dresden oder Greuther Fürth? Och nee, sind ja noch 33 Spieltage, bis Aufsteiger und Absteiger feststehen. Eine halbe Ewigkeit.

MARKUS VÖLKER
ist Redakteur im WM-Team der taz.
Foto: privatWas bleibt also als Topereignis für dieses Wochenende übrig? Richtig, liebe Frauenfußballversteher - die WM. Nur noch zwei Spiele sinds. Die Halbfinals, ja im Grunde das gesamte Turnier, haben wie ein großer dramatischer Cliffhanger funktioniert; der Sport hat also auf dem Höhepunkt der Spannung kurz mal Pause gemacht, um am Schluss noch einmal den großen Auftritt hinzulegen. Beide Arten von Sportfans, Connaisseur und Eventist, wollen jetzt die finale Auflösung erleben - am Sonntag das Finale der Japanerinnen gegen die US-Frauen. Innig vereint harren sie der Frauenfußballdinge. Wer hätte gedacht, dass es jemals zur Allianz der Auskenner mit den Mitläufern kommt. So etwas schafft nur der Frauenfußball.
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Dazu bot taz.de die Kolumne Trikottausch und eine WM-Kolumne mit wechselnden Autoren.
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