Kolumne Kulturbeutel

Sportliches Gewimmel

Mit einem Wimmelbuch will der Deutsche Olympische Sportbund bei den ganz Kleinen für Olympia zu werben. Gar nicht so einfach. ​

Eine Zeichnung aus dem Band

Darf der das? Robert Harting zerreißt Kleidungsstücke für Deutschland.  Foto: Bachem

Nein, der ist doch nicht dick. Der hat einen großen Kopf. Sonst ist er topfit. Er ist ein bisschen klein, das stimmt schon, aber sonst. Das ist Trimmy, das Maskottchen des DOSB. Das ist der oberste Sportverein in Deutschland. DOSB, das ist eine Abkürzung, so wie VW oder Kita. Dachorganisation der Sports in der Bundesrepublik heißt das. Oder, nein: Deutscher Oberster Sportbund. Nein, halt, genau: Deutscher Olympiamedaillensammlerbund. Egal, DOSB eben. Schau: Das steht auch auf dem T-Shirt von Trimmy.

Wie sich der freut, wie er da so steht – mitten im Olympiastadion. Da schwenken die Leute Fahnen. Der mit der grünen Sonnenbrille ist für Irland. Ukraine, Ghana, Italien. Und da hinten, die grün-gelbe Fahne. Vatikan, bin ich mir aber nicht sicher. Und daneben die Fans aus Liechtenstein. Richtig, das ist blau und das ist orange. Irgendwas mit Holland, glaube ich.

Warum der da im Wassergraben einfach stehen geblieben ist? Das weiß ich nicht. Und das da, nein, das ist kein Basketballer. Das ist ein Kugelstoßer. Warum der das macht? Das ist eine Kernsportart, weißt du. Da waren wir immer gut. Nein, nicht Mama und ich. Wir Deutschen konnten immer schon gut Kugelstoßen. Und Diskuswerfen. Das ist was Ähnliches wie Kugelstoßen, bloß dass die Kugel flach ist und nicht geworfen, sondern geschleudert wird. Und außerdem fliegt die flache Kugel dann viel weiter.

Schau, da unten steht Robert Harting. Der ist Olympiasieger im Diskuswerfen. Siehst du, wie sich der freut? Das Trikot braucht er nicht mehr. Die Sommerspiele, die sind ja im Sommer. Dem war einfach heiß und dann hat er das zerrissen. Aber nicht nachmachen!

Ja, in einem Dorf stehen normalerweise keine Hochhäuser. Im olympischen Dorf ist das anders. Da wohnen alle Sportler aus der ganzen Welt. Schau, wie die alle lachen. Für die ist es das Größte im Leben, mal in einem olympischen Dorf wohnen zu dürfen. Da gibt es alles. Da kann man Tischtennis spielen oder was essen und schlafen natürlich. Den da hinten kennst du aber. Das ist der Usain Bolt, der so schnell laufen kann. Und da ist einer gerade beim Arzt. Nein, der ist nicht krank. Vielleicht ist es ein Russe. Aber das musst du noch nicht verstehen.

Heiko Wrusch: „Meine deutsche Olympiamannschaft“, Bachem Verlag 2015, 14,95 Euro

Ja, das kennst du natürlich. Das ist das Logo der Sparkasse. Und das sind die vier olympischen Ringe von Audi. Die Firmen zahlen dem DOSB Geld, damit er ein Haus anmieten kann, wo sich dann immer alle treffen: das Deutsche Haus. Schau, da unten sitzt Boris Becker. Das war mal ein Tennisspieler. Tennis? Wir haben doch so ein Federballspiel. So ähnlich. Als Papa und Mama jünger waren, hat jeder gewusst, was das ist – Tennis. Und der da mit dem Schlüssel für das Haus, das ist der Chef von dem DOSB. Neumann, heißt der, oder Hofmann. Oder irgendwas dazwischen. Genau. Hermann. Das ist der wichtigste Mann im deutschen Sport. Den Namen musst du dir merken. Hermann.

Die deutschen Sportler haben sogar ein eigenes Flugzeug. Und wer eine Medaille gewonnen hat, der darf mitfliegen. Und wenn das Flugzeug gelandet ist, dann steht dieser Mann da und gratuliert. Den kennst du. Das ist dein Präsident, genau, der an Weihnachten das Märchen im Fernsehen vorgelesen hat. Und? Willst du auch mal zu Olympia? Bestimmt.

 
8. 1. 2016

1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt baut er eine Zukunftswerkstatt für die taz auf und treibt wieder Sport.

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