Pressschlag

Fußballer und Weicheier

Es geht fies zu in der Bundesliga. Wer Fußball spielt muss damit rechnen, dass er niedergemäht wird. Wer das nicht will, wird nicht selten verhöhnt.

"Gleich tut's weh!" Das soll Hoffenheims Stürmer Vedad Ibisevic gesagt haben, kurz bevor er dem Nürnberger Verteidiger Philipp Wollscheid mit einem Schlag gegen den Hals niedergestreckt hat. Kaum lag der am Boden, machte sich Ibisevic auf den Weg Richtung Nürnberger Tor und schoss das 2:0.

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Hinterher beschwerte er sich dann über den Nürnberger, weil der es gewagt hatte, vor laufenden Kameras zu sagen, was Ibisevic ihm gesagt hatte. "Da sieht man, dass er noch jung ist", sagte Ibisevic. "Er soll nicht so einen Blödsinn reden. Ich habe nur gesagt, dass ich noch ein zweites Tor schießen werde." Für den Hoffenheimer Angreifer steht fest: Wollscheid ist eine fiese Petze.

Es geht eben fies zu in der Bundesliga. Und wer sich darüber beklagt, wird für die Fans schnell mal zum Weichei. Das musste auch Mario Gomez erfahren. Der hat 2008, als er noch beim VfB Stuttgart gekickt hat, nach dem Spiel gegen den Karlsruher SC seinen Gegenspieler in aller Öffentlichkeit als Arschloch bezeichnet.

Dabei handelte es sich um den bekennenden Fußballzerstörer Maik Franz und jeder, der das Schöne am Fußballspiel auch nur ein bisschen mag, war geneigt, dem damals frisch gekürten Fußballer des Jahres 2007 Recht zu geben.

Aber anstatt der Frage nachzugehen, ob es in Ordnung ist so zu spielen wie Franz, strengte der Kontrollausschuss des Deutschen Fußballbundes ein Verfahren gegen Mario Gomez an. 8.000 Euro und eine Entschuldigung ("Ich darf mich in Zukunft nicht mehr so provozieren lassen") kostete Gomez letztlich der Gebrauch der Verbalinjurie.

Und dass der Nationalspieler in den Kurven nicht unbedingt als ganzer Kerl gilt, sondern des öfteren als eitler Pfau ("Du hast die Haare schön!") verspottet wird, kann durchaus damit zusammenhängen, dass er sich mal über zu viel Härte im Spiel beschwert hat.

Oberschenkel aufgeschlitzt

Mit einer derartigen Beschwerde zog Ewald Lienen, der ehemalige Stürmer von Arminia Bielefeld, sogar vor ordentliche Gerichte. Sein Oberschenkel war am 14. August 1981 in einem Ligaspiel gegen Werder Bremen von Norbert Siegmann bei einer rüden Attacke regelrecht aufgeschlitzt worden.

Lienen rannte mit offenem Bein auf Bremens damaligen Trainer Otto Rehhagel los und beschimpfte ihn. "Pack ihn dir!", soll der gesagt haben. Das DFB-Sportgericht verhandelte, doch eine Strafe wurde nicht ausgesprochen. "In der Erregung reden alle Trainer solchen Unsinn", sagte am Ende auch DFB-Chefankläger Winfried Kindermann.

Doch Lienen kämpfte weiter. Er zeigte Norbert Siegmann, der in den Kurven durchaus anerkennend längst "Schlitzer" genannt wurde, wegen Körperverletzung an. Die Klage wurde abgewiesen, weil "dem Beschuldigten Siegmann weder vorsätzliche noch gefährliche Körperverletzung nachzuweisen" sei, so die Staatsanwaltschaft. Fußball durfte der Sport für harte Männer bleiben, als der er seit je gefeiert wird.

Einer wie Wollscheid wird das nicht ändern können. Leider.

 

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