Vuvuzela 4: Schon einmal hat die Italo-Mafia ein Sommermärchen getötet

Wer stoppt Italo-Gangster?

Die Sommermärchen-Mörder sind wieder da. Schon damals startete Italien mit Grottenkicks ins Turnier - wird es diesmal wieder so? (Dickes Lob, übrigens, für das hitlerfreie RTL)

Hört das denn nie auf? Schon einmal (2006) hat die Italo-Mafia ein Sommermärchen getötet: WM-Halbfinale in Dortmund, Fabio Grosso (damals 28) überrumpelt Spreewald-Gurke Arne Friedrich (damals 27), trifft uns alle mitten ins Herz!

Längst haben die Italo-Gangster den WM-Pokal zu Goldkettchen eingeschmolzen, sind wieder heiß: Trainer Lippi riskiert dicke Lippe: „Damals hat uns keiner auch keiner den Titel zugetraut.“ Nicht nur das weckt böse Erinnerungen an den schlimmsten Moment der deutschen Geschichte: Buffon (32), Cannavaro (36), Zambrotta (33), Camonaresi (33), de Rossi (26), Gattuso (32), Lippi (62) usw. – lauter ungestrafte Sommermärchen-Mörder.

Auch damals startet Italien mit Grotten-Kicks ins Turnier (1:1 gegen US-Boys), steht kurz vorm Vorrunden-Aus. Und dann...

Außerdem: Michael Ballast (33) sind wir Dank Kevin-Prince Boateng (23, fürs Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen) zwar los. Aber die Spreewald-Gurke (jetzt 31) stieg mit Hertha ab, irrt immer noch durch unsere sonst weltmeisterliche Mannschaft. Und: Wenn Italien und wir weiterkommen – und wir, wie 2006, Argentinien im Viertelfinale schlagen – heißt es am 7. Juli (Termin vormerken!): Deutschland gegen Italien! Im Halbfinale! Schlimm!

Klar: Unsere Jungs sind klar besser! Aber: Das ist keine Squadro Azubi, leider. Die Italo-Gangster sind abgezockt, warten auf Fehler der tapferen Paras, gehen brutal-rustikal zu. Und dann schlagen sie gnadenlos zu, provozieren den vor der Pause fehlerfreien Para-Keeper de Sanctis (33, 1. Halbzeit: 0 Gegentore) zu kapitalem Bock. (Was ist da in der Pause passiert?) Danach tönt Jung-Gangster Montolivo (25, deutsche Mutter) im deutschen Fernsehen: „Wirr aben serrr gutt gespielt!“

Apropos deutsches Fernsehen: Nach Nazi-Skandal beim ZDF (Katrin Müller-Hohenstein spricht von „innerem Reichsparteitag“ für Klose, taz.de berichtete) schickt RTL Gentlemen Klaus Veltmann (47, „Auf geht’s meine Herren!“) ins Rennen, moderiert hitlerfrei.

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taz-Autor DENIZ YÜCEL ist für seine Kolumne-Reihe „Vuvuzela“ mit den Kurt-Tucholsky-Preis 2011 geehrt worden.

Von Juli 2007 bis April 2015 bei der taz. Autor und Besonderer Redakteur für Aufgaben (Sonderprojekte, Seite Eins u.a.). Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik 2011. „Journalist des Jahres“ (Sonderpreis) 2014 mit „Hate Poetry“. Autor des Buches „Taksim ist überall“ (Edition Nautilus, 2014). Wechselte danach zur Tageszeitung Die Welt.

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