Kolumne von Josef Winkler

10.000 Investmentbanker schmeißt die UBS raus. Der Erste sitzt schon vor der Tür. Bild: dapd
Ist das jetzt eigentlich über Gebühr gemein, wenn man sagt: Mich haben schon Nachrichten tiefer getroffen als die, dass 10.000 Investmentbanker ihren Job verlieren, weil der Grattlerverein UBS seinen Laden „redimensioniert“. Man kann ja nur hoffen, dass da nicht auch gleich wieder wer auf die Idee kommt, die jetzt zu Kinderkrippenmuttis umzuschulen.
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10.000 Banker, deren Know-how und Arbeitskraft von einem Tag auf den anderen nicht mehr gefragt ist, die einfach kalt aussortiert werden, obwohl ihr Unternehmen natürlich dickfetten „operativen Gewinn“ macht, was dachtet ihr denn.
Woran sollen diese Leute denn noch glauben? Und müssen die jetzt an ihr Erspartes ran, um den Hummer noch vollgetankt zu kriegen?

Josef Winkler
ist Kolumnist der taz.
Foto: privatJa, ich weiß, das ist billige Polemik, Investmentbanker sind auch Menschen; aber tatsächlich welche, die mich persönlich vollgas am Arsch lecken können.
Jedenfalls ist das alles ja fast halb so traurig wie die Tatsache, dass letztens die Rüstungsindustrie geplatzt ist. Also, leider nicht die ganze Rüstungsindustrie – wie das spritzen würde und wie schön’s danach wäre! Nein, aber die allergrößtmögliche Megafusion in der Rüstungsindustriegeschichte ist geplatzt, und die Chefs von EADS und BAE hätten sich so gefreut und müssen jetzt fast ein bissi weinen, wenn sie an die ganzen Raketensysteme denken, die jetzt ein anderer baut, dabei hätten sie so gern so viele qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen!
Und schuld ist Deutschland mit seiner Blockadepolitik. Da muss sich jeder Deutsche an die Nase fassen dafür, dass die benötigten Lenkflugkörper jetzt von irgendwelchen Hamperern gebaut werden, die vielleicht gar kein bayerisches Abitur nicht haben.
Ist das jetzt eigentlich über Gebühr justiziabel, wenn man ein „systemisch bedeutsames Finanzinstitut“ als Grattlerverein bezeichnet? Oder darf Kolumne das? Weil: nicht, dass ich auf Scherzensgeld verklagt werde! Haha! Letztes Mal an dieser Stelle schrieb ich über die Komikerin Monika Gruber, die meinte, sie würde dem Kindsmörder Magnus Gäffgen gern „eine reinhauen“. Woraufhin ein Leser im Onlinekommentar anmerkte, wenn sie das wirklich gesagt habe, müsse Frau Gruber „auf Scherzensgeld verklagt werden“. Das fand ich lustig, so von wegen Nonsens-Wortspiel, aber doch irgendwie bezugreich, trocken serviert, ba-da-bing.
Dann aber befielen mich Zweifel – und googelnd stellte ich fest, dass „Scherzensgeld“ in der Tat ein sehr beliebter Tippfehler ist. Verbraucherportale informieren über „Scherzensgeldratgeber“, auf dem JuraForum wird diskutiert, ob es eine „Möglichkeit auf Scherzensgeld ohne Prozess“ gibt, hier wird ein „Augenarzt auf Scherzensgeld verklagt“, dort muss der Narr Kid Rock für eine Prügelei nur ein „läppisches Scherzensgeld“ zahlen. Und auf gutefrage.net schimpft eine Userin, dass sie, von einer Drogerieverkäuferin falsch beraten, nunmehr mit doof gefärbten Haaren „rumlaufen“ müsse und ob sie die jetzt „um Scherzensgeld verklagen“ könne.
Und viele Leute antworten sachlich bis patzig, aber KEINER macht einen Scherz mit dem „Scherzensgeld“. Wo soll das hinführen?
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Leserkommentare
03.11.2012 16:33 | vic
...und ich dachte noch- Fuck, wieso komm ich nicht auf sowas: "Scherzensgeld"- Grandios. ...
02.11.2012 23:09 | Avantgarde
Auch mein Mitleid mit dieser ganz speziellen Berufsgruppe hält sich zugegeben sehr in Grenzen. ...
02.11.2012 10:49 | tazitus
Werter Josef Winkler, es war kein Tippfehler. Aber hier ist mir das Besondere der Überschrift erst aufgefallen, als ich ihr ...