Kommentar von Andreas Wyputta
Norbert Röttgen ist im Fall der Nordrhein-Westfalen drohenden Castortransporte doppelt gefordert: Er ist Bundesumweltminister und CDU-Vorsitzender in NRW. Trotzdem versucht der Rheinländer seit Wochen das Problem auszusitzen.
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Funktionieren wird das nicht: Warum der radioaktive Müll nicht im Exatomforschungszentrum Jülich bleiben, sondern in 76 Einzelchargen mitten durchs bevölkerungsreichste Bundesland kutschiert werden soll, fragt sich nicht nur die Anti-AKW-Bewegung, sondern auch die Kernklientel der Union.
Für einen Sicherheitsgewinn sorgen die Castortransporte nicht: Die Zwischenlager in Jülich und Ahaus gelten als nicht terrorsicher. Beide wurden Anfang der 1990er konzipiert, als gezielt herbeigeführte Flugzeugabstürze noch als undenkbar galten. Mehr noch: Im Schadensfall könnten defekte Behälter in Jülich geöffnet werden - in Ahaus fehlt die dazu nötige "heiße Zelle". Und sollte bis 2036 kein Endlager gefunden sein, ginge der Atommülltourismus in die nächste Runde, denn die Betriebsgenehmigung für Ahaus läuft aus.
ist NRW-Korrespondent der taz.
Sachlich begründen kann Röttgen sein Schweigen also nicht. Und das Argument, ein Verbleib des Atommülls in Jülich komme wegen langer Genehmigungsverfahren nicht infrage, kann nach dem beschlossenen Atomausstieg nur noch als Witz gelten: Schließlich brauchte die Bundesregierung zur Schließung der deutschen Altmeiler nur wenige Tage.
Röttgen muss also handeln – will er sich nicht dem Vorwurf aussetzen, er wolle die Atommülltransporte trotz aller Sicherheitsbedenken nur aus Kostengründen durchdrücken. Denn Ahaus, heißt es in Düsseldorf schon heute, komme den Bund etwa 100 Millionen Euro günstiger als Jülich.
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