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Kommentar Chantal Zu viele private Details

Kaija Kutter

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Kaija Kutter

Solange es nicht eine akute Gefahr gibt, sollte zurückhaltend über die noch lebenden Pflegegeschwister von Chantal berichtet werden.

D ie Medien haben im Fall von Chantal bisher einen guten Job gemacht und viele Missstände und Widersprüchlichkeiten aufgedeckt. Sie haben mit Menschen vor Ort gesprochen, Politik und Ermittler auf Trab gehalten. Aber die Berichterstattung muss auch Grenzen haben. Solange es nicht eine akute Gefahr gibt, auf die man aufmerksam machen möchte, sollte zurückhaltend über die noch lebenden Pflegegeschwister von Chantal berichtet werden.

Das kann man von den Journalisten in diesen Tagen offenbar nicht erwarten. Gedruckt wird, was zur großen Story passt. Eine Behörde aber sollte Zurückhaltung üben. Auch wenn der Name des Kindes nicht genannt wurde, so doch zahlreiche Details, die offenbar sehr leicht auf den Namen schließen ließen.

Das wäre nicht nötig gewesen. Es hätte gereicht, den nüchternen Fakt zu nennen, dass es Hinweise auf Kindeswohlgefährung von der Schule gab, denen keine Konsequenzen folgten.

Allerdings: Mit dem Hinweis auf Sozialdatenschutz schützen sich Verantwortliche in Jugendämtern oft nur selbst. Und wenn es passt, werden vertrauliche Dokumente unter der Hand an Journalisten weitergegeben, in der Hoffnung auf eine genehme Berichterstattung.

Der Wunsch nach Aufklärung ist allzu verständlich. Deswegen gab SPD-Fraktionschef Andreas Dressel die Parole aus: Kinderschutz geht vor Datenschutz. Aber er sollte schon für die gelten, die man schützen möchte.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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