Kommentar Kampf gegen Überfischung

Fischer bei der Arbeit filmen

Millionen Tonnen von aussortiertem Fisch landen im Meer, ohne dass Fischer bestraft werden. Per Videoüberwachung ließe sich das stoppen.

Ein Fischkutter auf dem Meer

Aussortierter Fisch geht oft einfach über Bord Foto: imago/blickwinkel

Es ist schon ein starkes Stück: Da verbietet die Europäische Union den Fischern, Fische ins Meer zurückzuwerfen, weil sie für den Verkauf als Lebensmittel zu klein sind. Zum einen ist das deshalb verboten, da die Tiere oft schon tot oder fast tot sind. Zum anderen, weil niemand kontrollieren kann, welche Arten da eigentlich zurückgekippt werden und welche Folgen das für die Fischbestände hat.

Doch Stichproben des Internationalen Rats für Meeresforschung zeigen, dass trotz des Verbots Millionen Tonnen von Fischen wieder im Wasser landen. Denn auf hoher See ist selten ein Kontrolleur an Bord. Es gibt fast nie Zeugen. Die Fischer können tun, was sie wollen.

Junge Fische könnten noch Nachwuchs produzieren. Zudem könnten sie mehr Menschen ernähren, wenn sie erst später gefangen würden und dann größer wären. Das Rückwurfverbot soll die Fischer dazu zwingen, ihre Netze so zu gestalten, dass weniger zu kleine Fische gefangen werden. Denn sobald ein Fischer auch die zu jungen Tiere in den Hafen bringt, werden diese von der Quote abgezogen, die er aus dem Meer ziehen darf. So verliert er potenzielle Einnahmen, denn die zu kleinen Tiere kann er nur zum Beispiel als billiges Futtermittel verkaufen.

Dass dennoch häufig gegen dieses sinnvolle Rückwurfverbot verstoßen wird, trägt als wichtiger Faktor zur Überfischung der Meere bei. Die Fischbestände können sich dann nicht mehr schnell genug erholen – ein Verbrechen an der Natur.

Überwachung per Videokamera

Trotzdem werden bisher fast keine Verstöße ­gegen das Rückwurfverbot geahndet. Das muss sich schnell ändern. Nun kann nicht auf jedem Kutter ein Fischereiinspektor mitfahren. Aber der Staat könnte verdächtige Kapitäne dazu verpflichten, ihr Schiff beispielsweise mit Videokameras überwachen zu lassen. Dann ließe sich überprüfen, ob Fische über Bord geworfen werden oder nicht.

Viele Berufsfischer argumentieren dagegen mit dem Datenschutz. Sie wollen nicht ständig bei ihrer Arbeit gefilmt werden. Das ist verständlich. Aber hier muss das Recht auf Privatsphäre mal in den Hintergrund rücken. Denn anders lässt sich der ständige Gesetzesbruch auf See nicht verhindern, der durch Stichproben von Wissenschaftlern klar belegt ist.

Außerdem haben die Fischer eine Bringschuld. Sie nutzen kostenlos eine Ressource, die der Gesellschaft gehört: die Fischbestände in den Meeren. Fischer sind wie Bauern, die ernten, aber nicht säen. Schließlich wachsen Fische von allein. Deshalb sollten die Fischer wenigstens beweisen, dass sie sich an Gesetze zum Schutz dieser Ressource halten.

Das liegt langfristig gesehen auch im Interesse ihrer Branche. Denn von überfischten Beständen werden die Fischer nicht leben können.

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Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik, Pestizide, Verbraucherschutz und die Lebensmittelindustrie. 2018, 2017 und 2014 Journalistenpreis "Grüne Reportage". 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2013 nominiert für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.

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