Kommentar von Bernd Pickert
Noch ist nichts erreicht, und dennoch ist allein die Ankündigung des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, ab Oktober mit der größten Guerilla des Landes, der Farc, über einen Friedensschluss zu verhandeln, ein Riesenschritt nach vorne.
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Den kann Santos allerdings auch recht gefahrlos gehen, denn die Farc ist militärisch geschwächt, ihre alten Führer sind tot, und für linke Politik steht die Farc ohnehin schon lange nicht mehr. Für die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen ist ihre Existenz mehr Hindernis als Unterstützung. Bündnispartner finden die Comandantes hier nicht.
Allerdings: Selbst wenn es gelingen sollte, mit der Farc ein Abkommen auszuhandeln, ja selbst wenn dieses wirklich zur Demobilisierung führen sollte, wäre damit der bewaffnete Konflikt in Kolumbien nicht gelöst.

BERND PICKERT
ist Auslandsredakteur der taz.
Foto: tazDenn ein Großteil der politisch motivierten Morde in Kolumbien geht gar nicht auf ihre Kosten, sondern auf die der angeblich demobilisierten rechten Paramilitärs, die als Geheimorganisationen unter diversen neuen Namen weiterarbeiten. Sie kommen überall da ins Spiel, wo von Militär und Großgrundbesitzern vertriebene Bauern ernsthaft versuchen, unter Berufung auf Santos’ viel gelobtes Landrückgabegesetz gutes Ackerland zurückzuerhalten – und ermordet werden.
Santos präsentiert sich in den zwei Jahren seiner Amtszeit mit großem Erfolg, als wäre er Präsident eines Post-Konflikt-Landes. An der kolumbianischen Realität geht das vorbei.
Farc und ELN sind die letzten bewaffneten Organisationen, mit denen Verhandlungen überhaupt möglich sind. Wird die konsequente Entwaffnung der Paramilitärs nicht ebenfalls endlich angegangen, ist Kolumbien auch nach einem Abkommen mit der Guerilla vom Frieden weit entfernt.
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