Kommentar Kurden-Referendum im Irak : Keinen Rückschritt akzeptieren
Überall herrscht Einigkeit: Ein kurdischer Staat ist nicht akzeptabel. Mit welchem Recht wird Kurden versagt, was Palästinensern zugestanden wird?
P rovokativ, gefährlich, destabilisierend – so wird das kurdische Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak beschrieben. Von Washington über Brüssel bis nach Ankara und Teheran ist man sich einig, dass ein kurdischer Staat inakzeptabel ist.
Warum eigentlich? Mit welchem Recht wird den Kurden verweigert, was beispielsweise den Palästinensern selbstverständlich zugestanden wird? Die Kurden haben, anders als die Palästinenser, eine eigene Sprache. Sie sind, anders als die Palästinenser, keine Araber, sondern ein eigenständiges und klar unterscheidbares Volk in der Region. Sie haben, anders als die Palästinenser, eine halbwegs funktionierende Demokratie und staatliche Institutionen entwickelt – sogar ohne EU-Dauersubventionierung. Die Führung der Kurden bringt das Kunststück fertig, ihre Bevölkerung und sogar Minderheiten, die in ihr Gebiet geflohen sind, aufzunehmen und vergleichsweise gut zu behandeln.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Palästinenser mögen ihre eigenständige Identität erst im Konflikt mit Israel entwickelt haben – dennoch ist sie heute ein Fakt, und ihnen steht trotz ihrer korrupten, undemokratischen und zerstrittenen Führung ein eigener Staat zu. Aber den Kurden genauso.
Der internationalen Gemeinschaft mögen die Unabhängigkeitsbestrebungen gerade äußerst ungelegen kommen. Niemand kann sich darüber freuen, dass der Irak auseinanderbricht. Aber die Vorstellung, dass die Kurden sich wieder in den Status quo einfügen, nachdem der Staat sie im Kampf gegen den IS alleingelassen und ihnen auch ansonsten nichts anzubieten hat, ist unrealistisch.
Kurdisches Referendum im Irak
Die Kurden werden keinen Rückschritt akzeptieren. Eine weitreichende Autonomie wäre immer noch eine Option. Aber Bagdad und die internationale Gemeinschaft werden sich schon etwas Besseres einfallen lassen müssen als bisher, wenn sie die Kurden von einem eigenen Staat abbringen wollen.
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