Bei Straßenschlachten werden rund 90 Linksautonome verhaftet - darunter Deutsche. Der rechtsnationale Politiker Kaczynski macht unter ihnen einen "bestimmten Typ" aus.von Gabriele Lesser

Randale am Freitag in Warschau: Einsatzkräfte löschen den brennenden Übertragungswagen eines Fernsehsenders. Bild: dpa
WARSCHAU taz | Brennende Polizei- und Fernseh-Übertragungswagen, Tränengas und Wasserwerfer - eine solche Straßenschlacht hat Polens Hauptstadt lange nicht mehr gesehen. Am Unabhängigkeitstag Polens, dem 11. November, zogen rund 7.000 zumeist rechtsradikale Demonstranten und Hooligans aus dem ganzen Land durch Warschau.
Ihnen stellten sich rund 2.000 zumeist linksliberale und linke Demonstranten entgegen. Darunter auch Autonome Linke aus Deutschland. Der "schwarze Block" wurde dann prompt von Polens Medien an allen "Brennpunkten" gesichtet, bis am nächsten Tag klar wurde, dass die Polizei rund 90 Linken verhaftet hatte, bevor die Demonstration richtig losging.
"Wir haben von Anfang an mit der deutschen Polizei zusammengearbeitet", erklärte Polens Innenminister Jerzy Miller im Privatsender TVN. Bereits an der Grenze habe die polnische Polizei die Beobachtung der Busse übernommen, diese gestoppt und auf Waffen untersucht. Da nichts gefunden wurde, konnten die Busse mit den Deutschen bis nach Warschau durchfahren.
Zum Demonstrieren kamen sie nicht mehr. Denn kaum hatte einer von ihnen auf die napoleonische Uniform eines verkleideten Polen gespuckt und so ein kleines Handgemenge ausgelöst, griff die Polizei zu. Sie verhaftete fast den gesamten "schwarzen Block".
Vielleicht gelang es dem einen oder anderen, zu flüchten und dann doch noch ein paar Steine zu werfen oder eine rote Rakete zu zünden. Aber als in Polens Innenstadt Autos brannten und Polizisten gegen einen Stein- und Flaschenhagel kämpften, saßen die meisten der aus Deutschland angereisten Demonstranten bereits im Arrest.
Auch als dies bereits bekannt war, nahm der rechtsnationale Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski seine schweren Vorwürfe vom Vortag nicht zurück. "Am polnischen Unabhängigkeitstag prügelten Deutsche Polen allein dafür, dass sie nationale Symbole trugen." Bei diesen Deutschen handele es sich um einen ganz bestimmten Typ des Deutschen, so Kaczynski. "Ich denke, dass ein ähnlicher Menschentyp einst den Apparat schuf, der es Hitler erlaubte, seine entsetzlichen Verbrechen zu begehen."
Dass die Linken von der Antifaschistischen Bewegung gegen Rechte vorgehen wollten, interessierte Kaczynski nicht. Inzwischen sind die meisten der verhafteten Deutschen wieder auf freiem Fuß. Die wahren Täter aber waren Polens ureigene Rechtsradikale und Hooligans.
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Leserkommentare
18.11.2011 22:29 | zora
an alle kritiker der teilnahme deutscher antifas an den aktionen gegen die rechte demo in warschau, empfehle ich dieses int ...
18.11.2011 08:11 | susi
Ich lebe in Polen und kann diesen Artikel voll unterschreiben. Es gab keine Obiektive Berichte seitens polnischen Medien un ...
18.11.2011 07:19 | marta dorota
In Polen ist nichts passiert. In Polen hat man ruhig und ehrenwuerdig den Tag gefeiert. Nur nicht in Warschau, nicht bei DE ...