Der Protest gegen das umstrittene US-Zensurgesetz SOPA kennt viele Formen - nicht nur schwarze Seiten. Die wiederum führten bei etlichen Schülern zur Verzweiflung.von Frédéric Valin

"Misch dich nicht ein, wenn du's nicht verstehst." Protest gegen SOPA in San Francisco. Bild: reuters
BERLIN taz | Dunkel wurde es am Mittwoch im Internet, etwa 7.000 Seiten schwärzten zusammen mit der Wikipedia weltweit ihre Inhalte ein – Buzzfeed hat die reichweitenstärksten dokumentiert.
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Und auch in Deutschland fand die Aktion rege Teilnahme: Knapp unter hundert Seiten beteiligten sich am Wikipedia-Protest gegen SOPA und PIPA. Denn tatsächlich bedrohen diese Gesetzesvorhaben (und auch wie das europäische Pendant ACTA) die Netzkultur, wie man im Detail in der Pressemitteilung der Digitalen Gesellschaft nachlesen kann.
Dass die Proteste einen Großteil der Netznutzer unvorbereitet treffen würde, damit war zu rechnen gewesen. Aber wie würden sie reagieren? Hilferufe tausender verzweifelter Schüler und Studenten, die ihre Hausaufgaben nicht fertigbekommen, hallten durch Twitter und Facebook.
Quasi als Antwort darauf entwickelte sich sofort das Mem #factswithoutwikipedia, ein Sammelsurium ausgedachter Fakten und erfundener Missverständnisse, ein Panoptikum nützlichen Unwissens: Die besten Tweets hat abc.net gesammelt.
Um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie der Blackout aufgenommen wurde, lohnt es sich, einen Blick auf den Twitteraccount herpderpedia zu werfen: dort werden gezielt Äußerungen größtenteils überraschter, häufig ziemlich ärgerlicher Kommentatoren gesammelt. Und es sind viele, viele Tweets: Zahlreich sind jene, die nicht wissen, warum ihnen die Wikipedia nicht zur Verfügung steht.
Denen kann geholfen werden: Worum es bei den Protesten genau geht, erklärt dieses drei Monate alte Video. Etwas anschaulicher und weniger detailliert hat Matthew Inman auf seiner beliebten Comicseite theoatmeal.com zusammengefasst, was SOPA und PIPA für seine Arbeit bedeuten. Moral: Diese Vorhaben sind wie Katzengrillen. Auf einen ganz ähnlichen Schluss kommt das Lied des Tages: The day the LOLcats died.
Clark Shirky liefert dazu in einem TED-Talk die historischen Hintergründe und die kulturellen Konsequenzen: Tatsächlich handelt es sich ihmzufolge um einen klassischen Verteilungskampf, einen Abwehrkampf der großen Medienunternehmen. Die nutzen gerade all ihren politischen Einfluss, um ihre Einnahmen zu sichern und die Kopie als solche zu verdammen, und bedrohen damit eines der wichtigsten Prinzipien des sozialen Netzes: dass nämlich Menschen Dinge miteinander teilen.
Dieses Prinzip wird, so Shirky, seit dem DMCA verfolgt, und SOPA und PIPA sind nur ein weiterer Schritt. Das Ziel der Medienunternehmen ist, aus den vielen vielen Produzenten und Verbreitern des Netzes wieder reine Konsumenten zu machen. Und SOPA und PIPA sind nur ein weiterer Sargnagel für diese Freiheit: more to come.
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Leserkommentare
20.01.2012 00:53 | Otto von Bismarck
twitter.com/rupertmurdoch ...
19.01.2012 20:57 | wochenendheld
Danke, taz, für diese hübsche Übersicht, die zeigt, dass Ihr zu den wenigen deutschen Zeitungen zählt, welche zumindest ein ...
19.01.2012 16:08 | iBot
Ein Scriptblocker würde das Problem auch lösen. Aber woher soll man so etwas wissen, wenn Wikipedia nicht erreichbar ist?