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100 Jahre Frauen-Wahl-Recht

Seit 100 Jahren haben Frauen das Wahl-Recht. Im Jahr 1919 konnten Frauen zum 1. Mal in Deutschland wählen.

Ein Schwarz-Weiß-Bild zeigt drei Frauen, die mit Schildern auf der Straße laufen und für den Wahlgang Werbung machen

Viele Frauen haben damals Wahl-Werbung gemacht Foto: dpa

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Der 12. November ist ein Tag zum Feiern!

Vor 100 Jahren haben Frauen

in Deutschland das Wahl-Recht bekommen.

Vorher durften in Deutschland nur Männer wählen.

Die Männer haben allein entschieden:

Wer regiert in Deutschland.

Wer bestimmt die Politik in Deutschland.

Am 12. November 1918 wurde das geändert.

Frauen über 19 Jahre konnten nun auch wählen.

Wie kam es zum Frauen-Wahl-Recht?

Das ist eine lange Geschichte.

Sie beginnt viele Jahre vor dem 12. November 1918.

Zu dieser Zeit hatten Frauen weniger Rechte als heute.

Aber viele Frauen wollten mehr Rechte.

Sie wollten die gleichen Rechte für Männer und Frauen.

Eine von diesen Frauen war Louise Otto-Peters.

Sie kam aus Leipzig.

Louise Otto-Peters war Schriftstellerin.

Sie gründete zum Beispiel eine Frauen-Zeitschrift

und den Allgemeinen Deutschen Frauen-Verein.

Im Jahr 1848 forderte sie das Frauen-Wahl-Recht,

also schon 70 Jahre vor dem 12. November 1918.

So sah Louise Otto-Peters aus:

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt Louise Otto-Peters

Louise Otto-Peters war nicht allein.

Auch viele andere Frauen haben für das Wahl-Recht gekämpft.

Sie haben viele Jahrzehnte lang gekämpft.

Sie haben demonstriert, Gruppen gegründet und

große Versammlungen gemacht.

Dabei haben sie immer wieder über das Wahl-Recht gesprochen.

Ihr Ziel war:

Die Gleich-Berechtigung von Mann und Frau.

Dabei war das Frauen-Wahl-Recht ein wichtiger Schritt.

Was passierte dann vor 100 Jahren?

Wie bekamen Frauen das Wahl-Recht?

Im November 1918 war der 1. Weltkrieg vorbei.

Dadurch gab es viele Änderungen im Land.

Deutschland war bis dahin ein Kaiser-Reich.

Es herrschte der Kaiser und nicht die Bevölkerung.

Der damalige Kaiser war Wilhelm der 2.

Er hatte den 1. Weltkrieg verloren.

Deshalb konnte er nicht weiter regieren.

Aus dem Kaiser-Reich wurde dann eine Republik,

die Weimarer Republik.

Die Weimarer Republik war die 1. deutsche Demokratie.

In einer Demokratie gibt es Wahlen.

Die Menschen wählen Politiker in ein Parlament.

Dort wird die Regierung gewählt.

Die Regierung bestimmt die Politik im Land.

In einer Demokratie dürfen alle erwachsenen Menschen wählen.

Deshalb wurde in der Weimarer Republik beschlossen:

Auch Frauen haben das Wahl-Recht.

Und auch Frauen dürfen gewählt werden.

Frauen konnten also selbst Politikerinnen werden.

Die 1. Wahl in der Weimarer Republik

Im Jahr 1919 war die 1. Wahl in der Weimarer Republik.

Für viele Frauen war diese Wahl ein wichtiges Ereignis.

Sie konnten zum 1. Mal wählen.

Sie wollten diese Möglichkeit nutzen.

Deshalb machten sie große Versammlungen.

Sie sprachen viel über Politik.

Sie machten Werbung für die Wahl.

Die Frauen gingen von Tür zu Tür und sagten zu anderen Frauen:

Geht zur Wahl und macht selbst Politik!

Und es hat geklappt:

Die meisten Frauen haben an der Wahl teilgenommen.

Das waren 85 Prozent der Frauen in Deutschland.

Außerdem wurden 37 Frauen in die neue Regierung gewählt.

Insgesamt gab es 423 Personen in der neuen Regierung.

Dieses Bild zeigt Frauen im Jahr 1919 vor einem Wahl-Lokal:

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt mehrere Frauen, die in einer Reihe hintereinander stehen

Gab es dann die Gleich-Berechtigung von Männern und Frauen?

In der neuen Regierung zeigte sich schnell:

Viele Männer nehmen die Politikerinnen nicht ernst.

Deshalb haben die Politikerinnen damals

keine wichtigen politischen Ämter bekommen.

Viele Frauen waren enttäuscht.

Es gab keine Gleich-Berechtigung.

Immer weniger Frauen wollten deshalb Politik machen,

auch wenn es viele gute Politikerinnen gab.

Im Jahr 1933 beendeten die Nazis die Demokratie in Deutschland.

Die Nazis führten eine Gewalt-Herrschaft ein.

Viele Deutsche unterstützten die Nazis, auch viele Frauen.

Viele Änderungen von 1918 wurden vergessen.

Frauen in Deutschland sollten nicht mehr Politikerinnen sein.

Sie sollten Ehefrau, Hausfrau und Mutter sein.

Das war ein Rückschritt, also eine Verschlechterung

für die Gleich-Berechtigung von Männern und Frauen.

Wie ist es heute?

Heute arbeiten viele Frauen in der Politik.

Und es werden immer mehr.

Die Gleich-Berechtigung nimmt immer weiter zu.

Das Frauen-Wahl-Recht hat viel dazu beigetragen.

Deshalb sollte dieses wichtige Ereignis nicht vergessen werden.

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Original-Text von: Andrew Donson

Übertragung in Leichte Sprache von: taz leicht

Prüfung von: capito Berlin, Büro für barrierefreie Information

Erschienen am: 9. November 2018

Herkunft der Bilder: Picture-Alliance

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