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Sexuelle Belästigung beim Fußball

Unsere Autorin stellt zur WM wieder mal fest: Frauen meiden besser männliche Fußball-Fans.

Arme mit Blumenketten und Bändern in den Deutschlandfarben

Fans beim öffentlichen Fußball-Gucken Foto: picture alliance

Hinweis:

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Hier und hier können Sie die Original-Texte lesen.

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Die taz-Autorin Hanna Voß ist ein großer Fußball-Fan.

Schon als Kind war sie mit ihrem Vater im Stadion.

Dort verschenkte sie schnell ihr Herz

an den Fußball-Verein Borussia Dortmund.

Das ist viele Jahre her.

Aber Hanna Voß ist immer noch Fußball-Fan.

Sie schaut auch zur Fußball-WM viele Spiele.

Aber sie geht ungern zum Public Viewing [gesprochen: Papplik

Wjuing], also zum Fußball-Gucken in großen Menschen-Mengen.

Bei einem Spiel hat Hanna Voß eine Ausnahme gemacht:

Da war sie beim Public Viewing in Berlin.

Beim Spiel „Deutschland gegen Südkorea“.

Danach wusste sie wieder,

warum sie ungern zum Public Viewing geht.

Ihr war schnell klar:

Für Frauen ist es oft immer noch unangenehm,

mit so vielen Männern Fußball zu gucken.

Was erleben Frauen beim Public Viewing?

Beim Public Viewing treffen viele Fußball-Fans aufeinander.

Einige Fans schreien herum.

Und einige Fans trinken viel Bier und riechen nach Schweiß.

In der großen Menschen-Menge ist es sehr eng.

Es herrscht eine ausgelassene Stimmung.

Das wird von einigen Männern ausgenutzt.

Solche Situationen hat Hanna Voß selbst erlebt.

Und sie hat vergleichbare Situationen beobachtet.

Einige männliche Fans belästigen Frauen

beim Public Viewing und danach.

Sie machen Sprüche wie: „Du hast so schöne Augen“.

Oder sie fassen Frauen einfach an.

Hanna Voß beobachtet zum Beispiel,

wie ein Mann einer Frau an den Nacken und in die Haare fasst.

Ein anderer Mann legt einfach den Arm um eine Frau.

Und wieder ein anderer Mann berührt eine Frau am Po.

Diese Männer kennen die Frauen meistens gar nicht.

Und die Frauen wollen nicht von Fremden

oder grundsätzlich gar nicht angefasst werden.

Denn Berührungen und Komplimente sind etwas sehr Persönliches.

Hanna Voß kennt diese Situationen auch aus dem Stadion.

Einige männliche Fans wollen damit zeigen:

Frauen gehören nicht ins Stadion.

Sie rufen dann frauenfeindliche Sprüche

und fassen die Frauen schamlos an.

Im April 2018 hat ein Gladbach-Fan vermutlich sogar

eine junge Frau in einem Zug vergewaltigt.

Was wird gegen die Belästigung getan?

Frauen können sich oft nur schwer gegen die Belästigung wehren.

Warum?

Die männlichen Fans halten oft zusammen.

Die Belästigungen werden oft verharmlost.

Die Frauen finden nur schwer Hilfe.

Hinzu kommt:

Offizielle Stellen reagieren oft nicht auf die Vorwürfe.

Fußball-Vereine reden zum Beispiel selten öffentlich darüber.

Und die deutsche Polizei erfasst keine Zahlen

zur Verbindung von sexueller Belästigung und Fußball.

Aber die Frauen wollen aus der Belästigungs-Situation raus.

Deshalb handeln viele Frauen beim Public Viewing so:

Sie gehen schnell weg.

Sie suchen Schutz in einer anderen Gruppe.

Sie wehren sich mit einem Spruch.

Sie schlagen den Arm weg.

Sie sagen dem Sicherheits-Dienst Bescheid.

Und es gibt immer mehr Veranstaltungen, Projekte und Gruppen

gegen Belästigungen von Frauen beim Fußball.

Eine Gruppe kommt aus Hamburg und heißt: F_in.

Sie klärt über Belästigungen beim Fußball auf.

Sie macht bald Umfragen zu sexuellen Belästigungen

unter Fans und in Fußball-Vereinen.

Dadurch will die Gruppe zeigen:

Wir haben ein großes Problem.

Weibliche Fans werden belästigt.

Das muss sich ändern!

Original-Text: Hanna Voß, Alina Schwermer

Übersetzung: Christine Stöckel

Prüfung: capito Berlin, Büro für barrierefreie Information

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