Mehr als zwei Dutzend Menschen sollen bei Gefechten zwischen den Putschisten und der alten Präsidentengarde in Mali getötet worden sein. Freie Wahlen scheinen illusorisch.von Katrin Gänsler

Putschistische Soldaten bewachen ihre Vorräte, nachdem sie ein Scharmützel mit regimetreuen Soldaten gewonnen haben. Bild: dapd
COTONOU taz | Vorbei ist es mit dem friedlichen Militärputsch in Mali, der Ende März vielen Menschen Hoffnung gemacht hat. Seit Montagabend sollen bis zu 27 Menschen bei Gefechten zwischen den Soldaten der Putschisten und der alten Präsidentengarde des gestürzten Staatschefs Amadou Toumani Touré (ATT), ums Leben gekommen sein.
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So schätzen es verschiedene Medien vor Ort ein. Mittlerweile hat sich die Situation zwar einigermaßen beruhigt, doch die Anspannung ist geblieben. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt ein Mann, der in der Hauptstadt Bamako lebt, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen will.
Mit dem Gegenputsch und der unsicheren Lage in Bamako rückt nun das Ziel der Übergangsregierung, nach Ablauf von 40 Tagen freie und faire Wahlen zu organisieren und so zur Demokratie zurückzukehren, in weite Ferne. Die Frist galt zwar von Anfang an als unrealistisch.
Doch jetzt wird deutlich, dass von Anfang an mit einer längeren Übergangsphase hätte geplant werden müssen. Annette Lohmann, Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bamako, hält es deshalb für sinnvoll, das Mandat der Übergangsregierung zu verlängern. Fraglich ist jedoch, wie die Putschisten unter Amadou Sanogo reagieren. „Denn er hat bekräftigt, dass er es nur bis zum Ablauf der 40 Tage respektiert. Daher ist offen, wie es danach mit der Übergangsregierung weitergeht“, so Lohmann.
Damit rückt auch eine nachhaltige und von allen Seiten akzeptierte Lösung für den Norden Malis, den die MNLA (Nationale Bewegung zur Befreiung von Azawad) seit dem 6. April Azawad nennt, in weite Ferne. Doch genau die gilt als zentral im Mali-Konflikt.
Viele Beobachter gehen davon aus, dass Wahlen erst dann Sinn machen, wenn sich die politische Situation in der Nordregion stabilisiert hat. Doch davon ist im Moment nicht auszugehen, im Gegenteil: Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gibt es derzeit eine Zunahme von Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen.
Auch kommen mehr Kindersoldaten zum Einsatz. Verantwortlich dafür seien nicht nur die Tuareg-Rebellen, sondern auch islamistische Gruppierungen wie Ansar Dine. Anfang der Woche forderte Human Rights Watch deshalb von der Regierung, diese Vorfälle zu untersuchen. Vorerst wird diese aber wohl damit beschäftigt sein, die Situation in der Hauptstadt wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen.
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