Neue Afghanistan-Strategie der USA

Washington will mit Taliban sprechen

Die US-Regierung will in Afghanistan Verhandlungen ermöglichen. Dazu muss sie auf Forderungen der Taliban eingehen.

Taliban-Kämpfer winken, einer schwenkt eine weiße Fahne

Frieden in Afghanistan scheint schwer vorstellbar – ohne die Taliban wird er aber nicht möglich sein Foto: ap

Das Weiße Haus hat offenbar den Weg für Direktgespräche mit Afghanistans Taliban frei gemacht. US-Medienberichten zufolge sind die zuständigen Diplomaten angewiesen worden, mit der größten Aufstandsbewegung eine Verhandlungslösung für die seit 17 Jahren währende neueste Phase des 40-jährigen Krieges in Afghanistan zu finden.

US-Außenminister Mike Pompeo hatte Anfang Juli in Kabul erklärt, Washington sei bereit, solche Verhandlungen „zu ermöglichen, zu unterstützen, daran teilzunehmen“. Im Juni hatte die im Außenministerium zuständige Abteilungsleiterin, Alice G. Wells, Afghanistan und Pakistan besucht. Letzteres unterstützt die Taliban und dient ihnen als Rückzugsraum und Basis für grenzüberschreitende Operationen.

Die Taliban sind in 70 Prozent des afghanischen Territoriums signifikant aktiv. Sie kontrollieren 59 der 400 Distrikte ganz oder überwiegend. Wells deutete unter Verweis auf die historische Bonner Afghanistan-Konferenz an, wie sich Washington das Endformat der Gespräche vorstellt. In Bonn war 2001 Afghanistans neue Staatsordnung festgelegt worden. Das deutet darauf hin, die USA könnten auf Forderungen der Taliban nach Änderungen eingehen.

Bisher blockieren sich die beiden afghanischen Hauptakteure gegenseitig. Die Taliban verweigern Direktgespräche mit der Regierung in Kabul, bevor alle ausländischen Truppen abgezogen sind. Die Taliban wollen dies zunächst mit den Amerikanern verhandeln. Die Regierung in Kabul beharrt darauf, alle Gespräche selbst zu führen. Die USA hatten dies bisher unterstützt. Vor allem bei US-Think-Tanks waren Forderungen laut geworden, Washington müsse diesen Knoten endlich durchschlagen.

Der Vorstoß kommt jetzt vor der für August erwarteten Revision der Trump’schen Südasien-Strategie. Angesichts des bisherigen Fehlschlags, den Taliban die militärische Initiative zu nehmen, fürchten diplomatische Kreise, Trump könnte die Geduld verlieren, Truppen abziehen und Hilfen für die Regierung in Kabul stoppen. Dies würde zum Zusammenbruch führen.

Die letzten Gespräche versandeten

Bei den Taliban dürfte Washingtons Initiative auf offene Ohren stoßen. Sohail Schahin, Sprecher ihres Büros in Katar, wird mit der Äußerung zitiert, dies sei, „was wir wollten und worauf wir warten“. Offizielle Kontakte habe es aber noch nicht gegeben. Weniger begeistert dürfte Afghanistans Regierung sein. Ihren Bedenken trug auch die jüngste Stellungnahme des US-Befehlshabers General John Nicholson Rechnung, dass die USA bei den Gesprächen mit den Taliban Afghanistans Regierung „nicht ersetzen“ wollten.

Der Hohe Friedensrat in Kabul, ein formal unabhängiges, aber von der Regierung bestelltes Gremiumn, begrüßte die US-Initiative. Die letzten Gespräche zwischen USA und Taliban fanden 2013 in Katar statt und führten zu einem Gefangenenaustausch. Sie versandeten bei dem Versuch, die afghanische Regierung einzubinden.

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