Rund um den Müggelsee geht die Angst vorm Fluglärm um. Die Menschen fühlen sich gegenüber dem Westen benachteiligt und fürchten um ungestörte Badefreuden.von Kristina Pezzei

Wen trifft es am Ende? Die Großbaustelle am Schönefelder Flughafen. Bild: dpa
Gut eine Woche nach der Vorstellung der überarbeiteten Flugrouten-Vorschläge regt sich erneut Protest gegen die Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS). Nur schlagen die Demonstranten diesmal nicht im Südwesten, sondern im Südosten der Stadt Krach. Knapp 1.500 Menschen gingen am Montagabend in Friedrichshagen gegen die DFS-Pläne auf die Straße, täglich 122 Flugzeuge über den Müggelsee zu leiten. Sie fürchten um das Naherholungs- und Wasserschutzgebiet um den größten Berliner See. Eine ganze, dicht besiedelte Region drohe verlärmt zu werden, kritisierte die Vorsitzende des Friedrichhagener Bürgervereins, Sigrid Strachwitz. Auch die Bürgermeister von Gemeinden im östlichen Berliner Umland forderten am Dienstag Alternativrouten.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Die DFS hatte am Montag vor einer Woche ihren Kompromissvorschlag zu den künftigen Routen für den neuen Flughafen BER in Schönefeld vorgelegt. Der Entwurf entlastet im Westen vor allem Potsdam, über Wannsee sollen die Maschinen höher und aufgefächert fliegen, sodass viele von wenig Lärm betroffen werden. Im Osten soll eine Route über den Müggelsee führen; die DFS kam damit der Aufforderung der Fluglärmkommission nach, An- und Abfluglärm gemeinsam zu betrachten. Fliegen nämlich Maschinen über den Müggelsee, entlastet das Erkner. Die Stadt wird bereits den Lärm landender Flugzeuge hören.
Lieber Erkner als wir, so will das in Friedrichshagen keiner sagen. Planern und Politikern wird vielmehr vorgeworfen, nur im Westen nach möglichst unschädlichen Flugrouten zu suchen. "Alternativen in unserer Gegend müssen mit der gleichen Sorgfalt geprüft werden", sagte Strachwitz der taz. Sie verweist darauf, dass sich die Flugzeuge über dem Müggelsee in einer Höhe von 1.150 Metern bewegen sollen - deutlich niedriger als über dem Wannsee. Allerdings liegt der Müggelsee deutlich näher an Schönefeld, das Problem ist eher ein geografisches denn ein politisches. Eine DFS-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Alle Vorschläge der Kommission seien sorgfältig geprüft worden.
Nach Vorstellung der Umland-Bürgermeister und der jüngst gegründeten Friedrichhagener Bürgerinitiative sollen Flugzeuge gar nicht über den See fliegen. Vielmehr solle ein Vorschlag neu geprüft werden, den die Stadt Erkner bereits in die Fluglärmkommission eingebracht hatte: Maschinen flögen demnach länger geradeaus, südlich an Erkner vorbei und in großem Bogen um Berlin herum. Einst sei der Vorschlag indes aufgrund "technischer Defizite" abgelehnt worden, erklärte ein Landrat. Das brandenburgische Infrastrukturministerium schloss nicht aus, dass es noch Änderungen geben könne. Gerade im Osten habe sich die Kommission ja nicht einigen können und kein Votum abgegeben, sagte ein Sprecher.
Die Friedrichshagener wollen nun jeden Montag auf die Straße gehen. Sie prüfen zudem eine Klage wegen Verletzung von EU-Recht. Einige Gebiete am Müggelsee seien nämlich geschützt. Nach Ansicht von Sigrid Strachwitz ist dieses EU-Siegel durch den Fluglärm bedroht. Über die Flugrouten entscheidet das zuständige Bundesaufsichtsamt bis vermutlich Januar 2012.
Nach dem Messerangriff auf einen Flüchtling wird der Täter noch gesucht. Bezirksbürgermeister Schulz lädt zum Runden Tisch. von Konrad Litschko

In Berlin-Schönefeld entsteht der neue Airport Berlin Brandenburg International (BER) - die Frage ist nur, wann er fertig wird. Eigentlich sollte der Flughafen, der auch den Namen des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters und Bundeskanzlers Willy Brandt trägt, bereits 2011 eröffnet werden.
Das musste jedoch verschoben werden. Auch die lang angepeilte Einweihung Anfang Juni 2012 klappte nicht - sie wurde nur vier Wochen vorher abgesagt. Und auch der dritte Termin - März 2013 - ist bereits durch den Oktober 2013 ersetzt worden. Unterdessen explodieren die Kosten: Statt 2,5 Milliarden Euro wird derzeit mit mindestens 4,5 Milliarden Euro gerechnet.
Auch die Politik steht unter Druck - vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der zugleich Aufsichtsratschef der staatlichen Flughafengesellschaft ist.
Ein Pferd beim Plantschen, jede Menge Mangos und Herr Müller-Lüdenscheidts Alptraum. Unsere Bilder der Woche.

Körperfülle, Farben, Bärte oder Buchstaben. Gehörlose haben eindeutige Bezeichungen für Politiker.

Die Demonstranten in Istanbul sind hartnäckig. Trotz harter Polizeieinsätze verharren sie auf dem Taksim-Platz.

Demonstranten auf dem Taksim-Platz, Wasser auf dem Autobahnkreuz, Nadeln auf dem Tiger. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare
17.07.2011 10:45 | Tom
Das politische Prinzip im 21 Jh. Menschen/Volk gegeneinander treiben und dann die Hand austrecken zu Versöhnung! Laßt Euch ...
15.07.2011 01:13 | Günter B.
Das hier, lieber Stefan, ist aber völliger Käse: ...
14.07.2011 15:54 | Rüdiger H.
Es ist schon sehr fraglich, dass die innerstädti-schen Flughäfen geschlossen werden, um mehr Sicher- heit und weniger Lärm ...