Niedergang der FDP : Christian Dürr wird es nicht mehr richten
Marktradikalität, Disruption und mittendrin ein paar Politik-Fossilien. Für die FDP geht der Weg nur bergab. Die Ära Lindner hat endgültig ausgedient.
Foto: Chris Emil Janssen/imago
V ielleicht gelingt es den letzten FDP-Politiker*innen, noch bis zu den Wahlen in Rheinland-Pfalz die Füße stillzuhalten. Spätestens jedoch wenn die Liberalen auch dort verlieren sollten, wird sich Totengräberstimmung breitmachen. Schon nach der Klatsche im FDP-Stammland Baden-Württemberg stellen mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann oder dem NRW-Landtagsabgeordneten Henning Höne die letzten bekannten Figuren die Parteiführung offen infrage.
Mit dem Vorsitzenden Christian Dürr, den die FDP ohne Gegenkandidaten an die Spitze wählte, gibt es aktuell nur einen Weg für die Liberalen: tiefer in den Abgrund. Denn Dürr verkörpert eine Politik, mit der jenseits der schwerreichen FDP-Kernwählerschaft niemand etwas anfangen kann. Er predigt die Fortsetzung der FDP-Politik aus dem letzten Ampel-Jahr, in dem die FDP mit Disruption, Marktradikalität und dem aktiven Hintertreiben der eigenen Regierung die Schlagzeilen prägte.
Dass man darauf schwerlich bauen kann, dämmert so manchen bereits seit dem jämmerlichen Ausscheiden aus dem Bundestag. Einer der schon vorher vor diesem Irrweg gewarnt hatte, war Volker Wissing. Er organisiert nun von der Seitenlinie eine etwas hämische Kampagne gegen die letzten verbliebenen Politik-Fossilien der Ära Christian Lindner.
Man kann dem unternehmerisch umtriebigen Ex-FDPler seine zahlreichen Interviews nicht übel nehmen, schließlich kommt demnächst sein Buch „Verantwortung“ auf den Markt. Neben der Marketingkampagne für das eigene Spätwerk geht es dem Ex-Verkehrsminister wohl auch um sein Erbe: Er muss als einer der Architekten der Ampel um seine politischen Hinterlassenschaften fürchten.
In Rheinland-Pfalz regiert die FDP allerdings erfolgreich in einer Ampelkoalition. Falls Spitzenkandidatin Daniela Schmitt ihre Partei mit 5 Prozent über die Ziellinie rettet, könnte es einen neuen Hoffnungsschimmer geben. Doch da sie sich von der Ampel nie aktiv abgewendet hat, dürfte auch ihr Sieg für die Parteiführung in Berlin einer Niederlage gleichkommen.
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