Ein Mann schießt völlig unbehelligt sieben Plastikkugeln auf den tschechischen Staatspräsidenten. Er wollte Politiker zum „Nachdenken bringen“.von Alexandra Mostyn

Pavel Vondrous bei seiner Verhaftung: Er „wollte nur, dass die Politiker sich über ihr Verhalten Gedanken machen.“ Bild: reuters
PRAG taz | Tschechiens Präsident Vaclav Klaus genießt am Freitag gerade im nordböhmischen Chrastava das Bad in der Menge, als aus nächster Nähe sieben Schüsse durch das obligatorische Blasmusikgedudel ertönen. Überrascht bleibt Klaus stehen und schüttelt den Kopf.
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Auch seine Bodyguards blicken halb ungläubig, halb belustigt auf den jungen Mann in Tarnkleidung, der gerade noch eine Pistole auf den Präsidenten gerichtet hat. Der dreht sich um, geht seelenruhig über den Platz und gibt erst einmal ein Fernsehinterview.
Erst jetzt, so scheint es, dämmert es dem Präsidenten wie auch seinen Sicherheitsleuten: ein Attentat. Ausgerechnet am 28. September, gleichzeitig Staatsfeiertag und Tag des heiligen Vaclav, an dem an den Meuchelmord am Nationalheiligen Wenzel (Vaclav) erinnert wird, wäre Böhmen fast um einen Märtyrer reicher geworden. Fast, denn der „Täter“ benutzte eine Gaspistole, die nur kleine ungefährliche Plastikkügelchen abschoss.
Er habe ja gar nicht vorgehabt, Klaus zu töten oder zu verletzen, erklärte der 26-jährige selbst erklärte Kommunist Pavel Vondrous. „Ich wollte nur, dass die Politiker sich über ihr Verhalten gegenüber dem Volk Gedanken machen“, schrieb er auf Facebook. Resigniert fügte er hinzu, dass der Schuss wohl nach hinten losgegangen sei: „Die machen sich jetzt nur darüber Gedanken, wie sie die Sicherheitsvorkehrungen verbessern können.“ Vondrous drohen zudem zwei Jahre Haft wegen Ruhestörung.
Köpfe rollen hingegen bei der Präsidialgarde, die während des „Operettenattentats“, wie das tschechische Webportal Ceska pozice titelte, so eklatant versagt hat. Der Chef der Leibgarde ist inzwischen zurückgetreten.
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