Pegida-Populisten in Schwerin

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Ein paar Kumpels verteilen in Schwerin Propagandamaterial an Pegida-Demonstranten. Denen war nicht klar, was sie mit sich rumtrugen.

An den Meck-Pomm-Ableger von Pegida wurden die Schilder verteilt. Bild: dpa

SCHWERIN taz | Nimm nichts von Fremden an, hat doch die Mama schon gesagt. Hätten das auch die Anhänger des mecklenburg-vorpommerschen Pegida-Bündnis – Kampfname Mvgida – auf ihrer Demonstration beherzigt, wären sie zumindest nicht auf diese Aktion hereingefallen.

So aber trugen sie zehn Schilder weithin sichtbar durch Schwerin. Darauf zu sehen: Werbung für die Internetseite des Pegida-Ablegers in Mecklenburg-Vorpommern. Deutschlandfahnen, Plakate in Schwarz-Rot-Gold, Flaggen von Mecklenburg-Vorpommern – und mittendrin Plakate von mvgida.de.

Und tatsächlich: Die Website, für die die rechten Demonstranten so stolz warben, richtet sich exakt an sie. Darauf steht: „Ungeliebte Pegida-Anhänger! Informiert euch richtig und gackert nicht alles nach!“

Dann präsentiert der schlanke Webauftritt passgenaue Informationen für die rechte Klientel: Wie Betroffene aus der Neonazi-Szene aussteigen können, wie sie eine Demonstration ohne die Hilfe von Rechtsextremen anmelden können – und wie sie mit Volksvertretern in Kontakt treten können. Auch inklusive: Weblinks zu hilfreichen Beratungsstellen und Bildungsangeboten.

Ein gelungener Fopp

„Die Aktion sollte kreativ und keinesfalls populistisch sein“, sagt „Stefan Müller“. „Jedenfalls mit einem Augenzwinkern.“ Doch Stefan Müller, den Mann, der die Schilder verteilt hatte, gibt es gar nicht. Hinter dem vermeintlichen Initiator steckt eine Gruppe von Schweriner Freunden. Nach dem ersten Aufmarsch vor zwei Wochen in der Stadt hatten sie beschlossen, etwas gegen Mvgida zu tun. In der Kneipe, ganz klassisch.

Sie sicherten die Domain. Und dann entwarfen sie zwei Fassungen der Website: Eine für den Tag der Demo, bis 19.30 Uhr, damit die Seite zum Start einer Überprüfung von Mvgida-Leuten standhalten konnte. Und eine für die Zeit danach.

Und die Schilder? Die wurden in Heimarbeit zusammengenagelt. „Das Verteilen ging leichter als vermutet. Die Schilder wurden uns in kürzester Zeit abgenommen. Ebenso die Aufkleber“, sagt einer der Beteiligten. Auf der Demo seien sie wie Sympathisanten empfangen worden. „Die Schilder im Demozug zu sehen, das war toll und sorgte für das eine oder andere großartige Bild.“ In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Aktion schnell.

Es ist eine kleine Idee, aber ein gelungener Fopp. Allein dies ist offen: Mvgida wird jetzt vielleicht noch misstrauischer auf Fremde reagieren. Vor allem auf solche aus dem eigenen Land.

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