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IsraelMinister gegen Militärs

Israels Verteidigungsminister feuert den Chef des israelischen Militärs im Westjordanland – wohl, weil der einen Haftbefehl für einen Siedler verlängern wollte.

Es passiert nicht jeden Tag, dass man live im Fernsehen gefeuert wird. Doch Generalmajor Avi Bluth ist dies am Sonntag widerfahren. Der Chef der israelischen Armee im Westjordanland hat laut Medienberichten von seiner Kündigung durch die Abendshow „The Patriots“ auf dem rechten israelischen Kanal 14 erfahren.

Bei der Live-Talkshow hat der eingeladene Verteidigungsminister Israel Katz angekündigt, Generalmajor Dado Bar Kalifa sei ein „Held“ und solle Chef des Zentralkommandos werden. Der derzeitige Kommandeur, Avi Bluth, saß zu dem Zeitpunkt in einer Sitzung über die Antiterrorpolitik im Westjordanland und schaute sich gerade mit anderen Offizieren Pläne an, um dort eingenistete Terrororganisationen zu zerschlagen. Als die Nachricht das Militärbüro erreichte, löste sie wohl eine Schockwelle im Hauptquartier aus.

Die Armee antwortete, Bluth bleibe auf seinem Posten. Es stehe nicht in der Macht des Ministers, den Generalmajor einseitig zu feuern. Bluth genieße das „volle Vertrauen“ der Armee und es gebe keine Absicht, „Schlüsselkommandanten“ in dieser delikaten Zeit zu kündigen. Auch sei der Armeechef Eyal Zamir nicht von der Entscheidung informiert gewesen.

Konflikt um einen mutmaßlich schwer gewalttätigen Siedler

Bei einem Siedlerangriff auf die Ortschaft Khirbet Humsa soll der Inhaftierte einem Schäfer die Genitalien zusammengebunden und ihn nackt durchs Dorf geführt haben

Offenbar hat sich die Kontroverse nach der Verhaftung eines israelischen Siedlers entwickelt. Der Mann befindet sich wegen mutmaßlicher Gewalt, unter anderem sexueller Natur, gegen einen Palästinenser in Haft. Bei einem Siedlerangriff im März auf die Ortschaft Khirbet Humsa soll er zusammen mit anderen einem Schäfer die Genitalien zusammengebunden und ihn nackt durchs Dorf geführt haben.

Der Siedler, der in einem illegalen Außenposten im Westjordanland lebt, war jüngst in den Hungerstreik getreten und wurde in ein Jerusalemer Krankenhaus verlegt, als sich sein Herzschlag verlangsamte. Katz selbst hatte ihn kürzlich besucht. Außerdem hatten dreizehn rechte Po­li­ti­ke­r:in­nen eine Petition für seine Freilassung gestartet.

Als der Haftbefehl des Verdächtigen wegen einer Formalität ablief, forderte der Verteidigungsminister, ihn nicht zu erneuern. Doch Bluth ist dagegen vorgegangen.

In der Sendung begründete der Verteidigungsminister seine Personalwahl dann so: „Weil ich im Zentralkommando einen Soldaten haben möchte, der einen entscheidenden Sieg anstrebt, unsere Feinde schlägt und die Siedler schützt.“ Katz ist Mitglied der rechtskonservativen Likud-Partei. Er unterstützt den Siedlungsausbau im Westjordanland und die Annexion des palästinensischen Gebiets.

Kritik von allen Seiten

Bluth leitet seit über zwei Jahren das Zentralkommando der Armee. Vom linken Spektrum wird er immer wieder beschuldigt, nicht genug gegen gewalttätige Sied­le­r:in­nen zu unternehmen. Im August 2025 warf die israelische Nichtregierungsorganisation The Association for Civil Rights in Israel ihm mögliche Kriegsverbrechen vor, nachdem seine Truppen mehr als 3.000 Olivenbäume neben einem palästinensischen Dorf entwurzelt hatten. Gleichzeitig werfen ihm Rechte vor, „Sied­le­r:in­nen immer wieder zu verfolgen, während palästinensischer Terror erstarkt“, wie die rechtsextreme Parlamentarierin Limor Son Har Melech es ausdrückte.

Der designierte Dado Bar Kalifa leitet derzeit die Personalabteilung der Armee. Noch ist es unklar, ob er überhaupt die neue Stelle will. Nach dem Zank zwischen Armee und Ministerium präzisierte der Verteidigungsminister, Bar Kalifa sei bereits im April von Armeechef Zamir für den Posten als Nachfolger von Bluth vorgeschlagen worden. Katz habe nicht von einer vorzeitigen Kündigung Bluths gesprochen. In der Regel bleiben Lei­te­r:in­nen des Zentralkommandos drei Jahre im Amt.

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