Domenico Zambetti, Politiker der Berlusconi-Partei PdL, hat mit der 'Ndrangheta zusammengearbeitet. Die Mafia-Bosse bezeichneten ihn als „unseren Mann“.von Michael Braun

Gekaufte Stimmen für den Erfolg: Domenico Zambetti. Bild: dapd
ROM taz | „Die Kraft der Kompetenz“ – so hieß der Slogan, mit dem Domenico Zambetti als Kandidat des Berlusconi-Lagers vor zwei Jahren in den Wahlkampf für das Regionalparlament der Lombardei zog.
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Das Motto funktionierte prächtig: Mehr als 11.000 Präferenzstimmen katapultierten den 60-Jährigen auf der Liste der Berlusconi-Partei PdL nach oben, brachten ihm am Ende das Ressort für Wohnungsfragen in der Regionalregierung im Norden Italiens ein.
Doch offenbar war Zambetti auf dem falschen Feld nur allzu kompetent: Seit Mittwoch ist er in Haft, wegen Stimmenkauf und Unterstützung der mafiösen Vereinigung ’Ndrangheta. Gleich 4.000 seiner persönlichen Stimmen nämlich soll der gutmütig wirkende Provinzpolitiker mit dem gemütlich-rundlichen Gesicht bei seinen Freunden von der kalabrischen ’Ndrangheta erworben haben – zum Preis von 50 Euro pro Stimme.
Seine Karriere – erst Verwaltungsdirektor im staatlichen Gesundheitsdienst, dann von 1995 bis 1999 Provinz- und seit 2000 Regionalabgeordneter – findet damit vorerst ihr Ende. Außer mit Geld hatte Zambetti sich bei den in der Lombardei ökonomisch höchst aktiven ’Ndrangheta-Bossen, mit dem Versprechen revanchiert, ihnen öffentliche Aufträge zuzuschanzen. „Wir wissen, dass es die Ausschreibung gibt, und er tut alles, damit wir den Zuschlag bekommen“, sagen zwei Bosse am Telefon, wie aus Abhörprotokollen hervorgeht.
Dass die ’Ndrangheta-Bosse ihn daraufhin als „unseren Mann“ klassifizierten, den sie „in der Hand haben“, überrascht nicht. Doch die Zusammenarbeit war nicht immer unproblematisch. Die Mafiosi mussten die Daumenschrauben anziehen, da der Politiker die letzte Rate über 80.000 Euro schuldig geblieben war. In einem Telefonat lästern sie, Zambetti habe bei einem Treffen „geheult und sich in die Hose geschissen“.
„Er hat zur Stärkung der mafiösen Organisation beigetragen“, hält die Staatsanwaltschaft Mailand im Haftbefehl gegen ihn und 28 Bosse fest, ja er habe der ’Ndrangheta „erlaubt, in eines der Entscheidungszentren der Region vorzudringen“.
Schon seit Jahren wussten die Fahnder, dass die kalabresische Mafia in Italiens reichster und bevölkerungsreichster Region aktiv ist – dass sie aber auch direkten Zugang zur Regionalregierung hatte, ist ein Novum. Die rechte Regionalregierung steht dank Zambetti womöglich vor dem schnellen Aus.
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