Der frühere Bundesligaspieler Marek Lesniak hält die bisherige Organisation der EM für geglückt. Und glaubt – klar – an einen Sieg Polens gegen Deutschland.Interview: Erik Peter

„Die Euphorie in Polen ist groß.“ Bild: reuters
taz: Herr Lesniak, hat Polen noch andere Spieler als das Dortmunder Trio?
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Marek Lesniak: Die Dortmunder sind zwar unsere besten Spieler, aber ohne eine intakte Mannschaft würden sie untergehen. Gegen Russland haben alle gut gespielt. Schauen Sie, wie Polanski und Obraniak vor der Abwehr agiert haben. Das war toll.
Wir dachten, Sie seien enttäuscht von der Leistung.
Nein, nein! Von Enttäuschung kann keine Rede sein. Die Euphorie in Polen ist groß. Das Russlandspiel hat die Hälfte der Bevölkerung im Fernsehen verfolgt. Die Mannschaft hat gezeigt, wie gut sie Fußball spielen kann. Damit hat sie ganz Polen stolz gemacht.
Im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien braucht es einen Sieg. Wie kann der gelingen?
In Polen ist momentan jeder Nationaltrainer. Trainer Franciszek Smuda hat es nicht einfach, weil ihm jeder Ratschläge erteilt. Ich würde für das Spiel die Parole kontrollierte Offensive ausgeben. Dann ist ein Sieg mit einem Tor Unterschied möglich. Aber ich kenne Smuda: Er weiß, was zu tun ist, um weiterkommen.
Russland ist weiter, bei ...
... einem Sieg.
... einem Unentschieden.
... einer Niederlage mit bis zu fünf Toren, sofern Tschechien-Polen unentschieden ausgeht.
Tschechien ist weiter, bei ...
... einem Sieg.
... einem Unentschieden, sofern Griechenland nicht gewinnt oder mit sechs Toren Unterschied gewinnt.
Polen ist weiter, bei ...
... einem Sieg.
Griechenland ist weiter, bei ...
... einem Sieg.

MAREK LESNIAK
48, hat in den 90er-Jahren 213 Bundesligaspiele absolviert (unter anderem für Leverkusen) und für Polen 20-mal gespielt.
Foto: privatIn Polen wird über die Nominierung von Spielern wie Eugen Polanski diskutiert, die nicht im Land aufgewachsen sind. Der Exnationaltorhüter Jan Tomaszewski bezeichnete die Mannschaft als den „Mülleimer Europas“. Muss das heutzutage noch ein Thema sein?
Mir ist es egal, wo jemand aufgewachsen ist. Wenn er Verbindungen zu Polen hat, soll er für das Nationalteam spielen. Früher war das so nicht denkbar, aber da muss man mit der Zeit gehen. In den 70er Jahren sah die deutsche Nationalmannschaft auch noch anders aus als heute. Lukas Podolski und Miroslav Klose hätten auch für uns spielen können, aber es wurde verpennt, sich um die beiden zu bemühen.
Was würde ein Ausscheiden des Gastgebers Polen für die EM bedeuten?
Die Tickets für die Spiele sind verkauft. Wenn wir nicht weiterkommen, werden die Stadien weiter voll sein. Es wäre schade für Polen, aber kein Schlag ins Gesicht. Das Wichtigste für uns ist es, dieses Turnier auszutragen. Wir können ganz Europa zeigen, wozu Polen in der Lage ist.
In Deutschland ist man überrascht, wenn auch anderswo die Organisation funktioniert.
Wer so auf Polen herab schaut, sollte selber hinfahren und gucken, was Sache ist. Bis jetzt ist die EM super gelaufen. Niemand beschwert sich über Organisationspannen oder andere Unannehmlichkeiten. Auch vom DFB-Team, das in Danzig sein Quartier hat, war nichts zu hören. Unser Land wird überall gelobt, auch die Ukraine steht gut da. Ich hoffe, das geht so weiter.
Schaden die Ausschreitungen von Warschau dem Image?
Bei der WM in Deutschland gab es auch Krawalle. Das lässt sich selbst mit tausenden Polizisten nicht vermeiden. Man darf deswegen nicht alle Fans in eine Schublade stecken.
Im Viertelfinale könnte Polen auf Deutschland treffen. Ist ein polnischer Sieg möglich, weil Dortmund zuletzt immer gegen Bayern gewonnen hat?
Schön wär’s, aber realistisch betrachtet gewinnt Deutschland von zehn Spielen gegen Polen acht. Eines endet unentschieden und einmal schlagen wir sie. Das wollen wir jetzt im Viertelfinale schaffen.
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Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
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Leserkommentare
17.06.2012 00:20 | Fußballfan
Polen-Deutschland...