Der „Pflege-Bahr“ verspricht einen Zuschuss zur privaten Pflegezusatzversicherung. Die Werbung dafür läuft, nur abschließen kann man die Policen noch nicht.von Barbara Dribbusch

Gesundheitsminister Daniel Bahr gab dem „Pflege-Bahr“ seinen Namen. Bild: dapd
BERLIN taz | Mit kuscheligen Plakaten, auf denen drei Generationen abgebildet sind, wirbt das Bundesgesundheitsministerium für die staatliche Förderung der neuen privaten Pflegezusatzversicherung. Ab Januar 2013 gilt das Gesetz zum sogenannten Pflege-Bahr, der nach dem Gesundheitsminister benannt wurde. Doch die Versicherungskonzerne zögern mit der Entwicklung entsprechender Policen.
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Laut Gesetz erhalten die Kunden der neuen privaten Zusatzversicherung ab Januar eine staatliche Förderung von monatlich 5 Euro, wenn sie selbst einen Beitrag von mindestens 10 Euro zahlen. Dafür sollen sie dann eine Zusatzversicherung kriegen, die im Ernstfall zumindest teilweise für die hohen Eigenkosten aufkommt, die von der bereits existierenden gesetzlichen Pflegeversicherung nicht abgedeckt werden.
Auf den Werbeplakaten zum „Pflege-Bahr“ gibt es sogar die Nummer einer Hotline. Nur erfährt man dort nicht, wo man diese Versicherung ab Januar 2013 abschließen kann. Denn die Unternehmen zögern mit der Entwicklung einer solchen Police, weil die Bedingungen heikel sind. Die Konzerne müssen durch den gesetzlich vorgegebenen „Kontrahierungszwang“ jeden in eine solche Versicherung aufnehmen und dürfen keine Risikozuschläge aufgrund einer Gesundheitsprüfung verlangen.
Der Kontrahierungszwang stelle „besondere Anforderungen an die Unternehmen“ und werde die Produkte „verteuern“, erklärt Dominik Heck, Sprecher des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). „Wann wir die Tarife einführen, steht noch nicht fest“, sagt Isa Hesener, Sprecherin bei Axa-Versicherungen. Man werde „im Laufe des kommenden Jahres“ mit einem Produkt auf den Markt kommen, erklärt Udo Rössler, Sprecher bei der Allianz-Versicherung.
Keiner wage sich gern aus der Deckung, sagt die Sprecherin eines weiteren Konzerns. Denn die Unternehmen befürchten, dass vor allem Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die derzeit von keiner privaten Pflegezusatzversicherung aufgenommen werden, die neue Police in Anspruch nehmen und dann später hohe Kosten verursachen könnten.
„Wir haben dieses Thema erst für das nächste Jahr auf der Agenda, momentan liegt unser Schwerpunkt noch auf der Einführung der Unisex-Tarife für die private Krankenversicherung“, so Ralf Gebhardt, Leiter des Produktmanagements der Gothaer Krankenversicherung.
Ab 21. Dezember dürfen Versicherungskonzerne für Neuverträge in der Kranken-, Renten-, und Lebensversicherung keine Tarife mehr anbieten, die zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Durch die Angleichung mit den „Unisex-Tarifen“ werden private Renten- und Krankenversicherungen für die Männer teurer. Die Barmenia-Versicherung etwa berechnet auf ihrer Homepage ein Beispiel für eine private Krankenversicherung, nach dem Männer, die jetzt abschließen, gegenüber später einen Beitragsvorteil von 93 Euro im Monat haben.
Inwieweit Frauen künftig im Gegenzug billigere private Kranken- und günstigere Rentenversicherungen bekommen, wird bei den Versicherungen nicht genauer angegeben. Beitragsanhebung auf der einen und Beitragsnachlass auf der anderen Seite werden sich „nicht die Waage halten“, sagt Hasso Suliak, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Unternehmen müssten „Unsicherheitszuschläge“ mit einkalkulieren, das mache die Produkte teurer.
Susanne von Cleve, Sprecherin der Verbraucherzentrale in Berlin, warnt Männer davor, angesichts der Unisex-Tarife vorschnell eine private Versicherung abzuschließen. Beim Wechsel von einer gesetzlichen in eine private Kasse etwa sei eine „Schnäppchenmentalität fehl am Platz“. Nur wenn eine private Krankenversicherung ohnehin geplant sei, lohne sich für die Männer ein rascher Abschluss.
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