Radverkehr in Berlin

Pankow stellt die Poller-Frage

Für einen sicheren Radweg: Greenpeace demonstriert mit SchülerInnen in der Neumannstraße. Der Bezirk bleibe hinter den Ansprüchen des Mobilitätsgesetzes zurück.

Radstreifen sind gut. Aber Poller wären noch besser, findet Greenpeace Foto: Daniel Karmann/dpa/picture alliance

Kein Radweg, aber dafür Falschparker im Halteverbot vorm Schultor der Kurt-Tucholsky-Oberschule: Wer in der Frühe die Neumannstraße in Pankow entlangradelt, merkt noch nicht, dass der rot-rot-grüne Senat gerade die große Verkehrswende pro Rad und Fuß vorantreibt.

Am Mittwochmorgen nahmen LehrerInnen und SiebtklässlerInnen der Tucholsky-Schule die Sache deshalb selbst in die Hand: Gemeinsam mit Greenpeace-AktivistInnen hatten sie einen etwa 200 Meter langen und 2,5 Meter breiten blauen Teppich ausgerollt, der den dringend vermissten Radweg symbolisieren sollte. Etwa 100 Kinder mimten die Poller, die man sich als Abgrenzung zur Fahrbahn wünscht, ein paar weitere SchülerInnen radelten den blauen Teppich entlang, ein bisschen verlegen in die RBB-Kamera lächelnd.

So viel freie Bahn haben die Jugendlichen sonst nicht: Oft legten Lkw, die von der Autobahnauffahrt an der Prenzlauer Promenade kommen, vorm Schultor einen Zwischenhalt ein, sagt Lehrer Thomas Wichert, der die Aktion mit koordiniert hat. Radfahrende SchülerInnen müssen also über den Gehweg zirkeln oder werden zum Überholmanöver in die Mitte der Fahrbahn gezwungen. Auch Elterntaxis im Halteverbot seien ein Problem – wenn auch längst nicht so wie vor vielen Grundschulen, räumt Wichert ein.

Egal, letztlich solle die Aktion vor der Tucholsky-Schule verdeutlichen: „Wenn der Senat es ernst meint mit den Klimazielen und weniger Autoverkehr in der Innenstadt, dann muss Radfahren sicherer werden“, sagt Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan. Und die Elterntaxi-Problematik vor den Schulen sei dafür geradezu symptomatisch, denn: Wo kein Sicherheitsgefühl bei den Eltern, da kein radelndes Kind. Und vermutlich überhaupt weniger RadlerInnen. Greenpeace hätte deshalb am liebsten baulich von der Fahrbahn abgegrenzte Radwege.

Zwar plant der Bezirk bereits einen 2,50 Meter breiten Radstreifen vor der Tucholsky-Schule (und weitere Radstreifen fast auf der gesamten Länge der Neumannstraße), doch eine weiße Linie auf der Straße ist Stephan zu wenig: „Da wird dann trotzdem geparkt.“

Der zuständige Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) hält dagegen: Nicht überall machten die Poller Sinn. Vor Schulen etwa hat häufig die Feuerwehr Bedenken wegen der Zufahrtsmöglichkeiten. Allerdings gibt sich Kuhn in der Poller-Frage offen – schließlich werde das Mobilitätsgesetz ja „schrittweise“ umgesetzt. Änderungen vorbehalten. Auch in der Neumannstraße.

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Der Senat will mit einem neuen Mobilitätsgesetz den Radverkehr voranbringen. Doch bis zu den ersten grünen Radwegen gibt es viele Fallstricke.

„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

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