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Regierungskrise wegen Zucker Es geht nicht wirklich um Gesundheit

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Beim Streit um die Zuckersteuer entlädt sich der Grundkonflikt zwischen Union und SPD. Letztlich geht es darum, wie das Land aus der Krise kommt.

E igentlich sind 650 Millionen Euro Peanuts. Bei Budget-Verhandlungen lassen sie kei­ne*n Haus­halts­po­li­ti­ke­r*in schlecht schlafen, irgendwo lassen sich solche Summen immer auftreiben. Dennoch streitet sich die Bundesregierung derzeit über diese Summe.

Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat staatliche Einnahmen in der Höhe aus der vereinbarten Zuckersteuer für nächstes Jahr bereits eingeplant. Laut Medienberichten blockierte Kanzler Friedrich Friedrich Merz (CDU) die Abgabe auf zuckerhaltige Getränke aber, weil ihre Ausgestaltung von Klingbeil der Union und der Zuckerlobby zu weit geht. Zwar hat ein Regierungssprecher das am Freitag dementiert und sprach lediglich von normalen Abstimmungen. Trotzdem bleibt der Eindruck: Glatt läuft es nicht bei der Zuckersteuer.

Letztlich geht es bei dem Koalitionsstreit nicht um die Zuckersteuer an sich. Ob ungesunde Getränke nun zwei- oder dreistufig besteuert werden, sollte eigentlich nicht zum offenen Streit zwischen Kanzler und Vizekanzler führen. Stattdessen entlädt sich bei der Zuckersteuer mal wieder, dass Union und SPD beim Umgang mit der Wirtschaftskrise immer weiter auseinanderdriften.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

In der Union hält man neue oder höhere Steuern für Teufelszeug, stattdessen will man mit Ausgabenkürzungen und Mehrarbeit aus der Krise kommen. Die SPD hingegen hat die Gewerkschaften im Nacken, die mobil machen gegen die geplanten Kürzungsreformen. Deren Ökonomenszene diskutiert gerade, wie das Land mit einer offensiveren Industriepolitik und Eingriffen in den Markt bis hin zu Vergesellschaftungen die wirtschaftliche, politische und soziale Krise überwinden kann.

Die Bundesregierung kann deswegen eigentlich nur hoffen, dass die Wirtschaft wieder anspringt. Diese Hoffnung besteht nach den letzten Prognosen tatsächlich. Ein echter Aufschwung könnte den gefühlten Reformdruck verringern und auch die Budgetstreitigkeiten lösen, weil er zusätzliche Steuereinnahmen in den Staatshaushalt spült. Dabei ist das Festhalten der Union an den Kürzungen kontraproduktiv. Nicht nur, weil sie damit die SPD unter Druck setzt. Sie verunsichert vor allem auch die Menschen im Land. Und das ist Gift für die Konjunktur, weil dann Geld für unsichere Zeiten gespart statt ausgegeben wird.

Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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42 Kommentare

  • Sole Mio

    Rot und Schwarz trauen sich gegenseitig nicht mehr.



    Die CDU wartet schon lange auf die Gesetzesentwürfe von Bärbel Bas und es kommt nichts. Nun blockieren sie selbst. Fangen mit der „kleinen“ Zuckersteuer an.

    Zur Mehrarbeit:



    Wir haben gerade in der Automobilindustrie Arbeitsbedingungen von denen andere Arbeitnehmer nur träumen:



    -überdurchschnittlicher verdienst



    -unterdurchschnittliche Arbeitszeit 35h/Wo



    -großzügige Homeoffice Regelungen



    -Bonuszahlungen

    Wenn die Arbeitgeber nun fordern bis auf weiteres wöchentlich 3h mehr zu arbeiten und wieder 4Tage im Büro zu sein, dann bricht die Welt zusammen,



    Dies ist für mich unbegreiflich!

    Man klopft sich Jahrzehnte lang auf die Brust und brüstet sich damit wo man arbeitet. Verdient mehr als gut und wenn der ewig selbst glorifizierte Arbeitgeber Hilfe fordert ist man beleidigt.



    Dann sind die da oben ( die zweifelsohne Fehler gemacht haben) plötzlich Unmenschen. Selber hat man aber lange profitiert.

    Ist das Arroganz, Ignoranz, Blindheit…..ich weiß es nicht.



    Aber es wäre Zeit die Karre zusammen aus dem Dreck zu ziehen. Außer wir wollen Arbeitsbedingungen wie in China, USA oder Japan

  • Perkele

    Seit Bestehen der Bundesrepublik gab es keine Regierung, die auch nur annähernd so lobbyabhängig war wie die derzeitige. Die arbeiten GEGEN die Interessen der Bevölkerung, wissentlich, und verstecken das Ganze als "Wirtschaftsförderung". Das Wohlergehen der Menschen ist ohne Beduetung, das Wohlergehen der Wirtschaft hingegen ist alles. Und komme mir bitte niemand mit dem Argument "Wenn's der Wirtschaft gut geht, dann geht es auch den Leuten gut!" Das ist ein Schmarrn, den jede*r längst durchschaut haben sollte - spätestens jetzt.

    • Bolzkopf

      @Perkele:

      Lobbyabhänig ?



      Ich würde eher sagen lobbydurchsetzt und Lobbydurchwuzelt.

      Schauen sie nochmal wer da so in unseren Parlamenten sitzt:



      Ex-lobbiisten und Bald-lobbiisten.

      Verantwortliche? Fehlanzeige.



      Wie man sehr deutlich an z.B. Dobrindt sieht.

    • Martin Rees

      @Perkele:

      Es gab allerdings auch Tote!



      Lobbyismus u. Strauß' Starfighter:



      Das war extrem gefährlich!



      "Die Frankfurter Prüfer konstatierten: Obschon die Experten des Luftwaffenführungsstabes noch im Herbst 1958 die Konkurrenz-Muster »Mirage III A« und »Super Tiger« testeten, brauchte Lockheed sich bei den Vertragsverhandlungen mit Bonn dank Straußens Biereifer nicht mehr um Wettbewerb zu kümmern."



      /



      Ebenfalls in d. Gruppe der Nestoren:



      "Auf 10 bis 15 Jahre schätzte man den technologischen Rückstand Westdeutschlands gegenüber den USA. 1955 wurde ein Bundesministerium für Atomfragen gegründet und Atomkommissionen bei Bund und Ländern wurden eingerichtet. Der erste deutsche Atomminister hieß Franz Josef Strauß"



      deutschlandfunkkultur.de



      "Der langjährige Atom-Manager Klaus Traube.



      Traube: „Es fing an, weil es Forschungsmittel gab, die Industrie sich zu engagieren, damals waren es ungefähr zwölf Firmen, die meinten, Atomkraftwerke bauen zu können, eine völlige Überschätzung dessen, der Materie. Ganz zuletzt engagierten sich als Lobbyisten die, die heute die übrig gebliebenen Lobbyisten sind, nämlich die Verstromer, die großen Verbundunternehmen, die anfangs von der Politik geradezu beschworen..."

      • Perkele

        @Martin Rees:

        Das ist richtig, es gab auch schon Lobbyarbeit vor dieser Regierung, doch das waren eher Einzelfälle - wenn auch sehr bedeutende, weitreichende. Doch es war nie eine durchgehnde, strukturelle Linie wie etwa heute gegen alles was auch nur nach EE aussieht. Interessen der Bevölkerung werden auch im Gesundheitswesen auf Druck dr Lobby ignoriert, wie in dem Zuckerbeispiel oder der zunehmenden Privatisierung im Gesundheitssektor. Die Autoindustrie bestimmt über Tempolimit ( = Klimaschutz und Unfallminderung) seit Jahren über ihre Lobby. Die Chemieindustrie setzt hochgefährliche Pestizide durch mit selbstgemachten "Untersuchungen" über deren Unschädlichkeit usw usw

      • Martin Rees

        @Martin Rees:

        "politische Explosion um den Skandal-Vogel" 1971 spiegel.de



        "Die Höhe der Verluste an Steuergeldern, die aus der Kombination von Entwicklung und Serienbau entstanden, ahnte Ende der fünfziger Jahre nicht einmal Strauß"



        Dagegen sehen die 'Zucker-Lösungen' wie "Peanuts" aus, immerhin geht es eher um Einnahmen.

  • Mark Tassimtee

    Man braucht halt immer Gründe, die gut aussehen, damit der Plebs unliebsame Gesetze oder neue Abgaben nicht zu sehr kritisiert.



    Und wenn es nur temporär sein soll, dann kann man sich sicher sein, dass die Geldquelle niemals abgeschaltet wird.

    Beispiele gibt es viele.



    - Vorratsdatenspeicherung



    - Internetzensur



    - Zuckersteuer



    - Co2 Abgabe (Wo bleibt eigentlich das Klimageld?)



    - Schaumweinsteuer

    • nihilist

      @Mark Tassimtee:

      Wo ist denn Vorratsdatenspeicherung eine Geldquelle, außer für Werbetreibende?



      Und das Klimageld hat damals die FDP blockiert, zum großen Vergnügen der Großkoalitionäre, die sich damit gar nicht erst befasst haben.

  • Philippo1000

    Es ist schon erstaunlich, dass Viele weiterhin von "der Regierung" sprechen, so als ob SPD Politik und CDU Politik das Gleiche wären.



    Ganz offensichtlich sind sie das nicht.



    Dass der normale Bürger mal wieder klug sch... ist scheinbar auch "normal".



    Dass Dinge "einfach" seien, ist vielfach zu hören.



    Ich finde da wenig einfach. Meine Erfahrungen mit öffentlichem Haushalt liegt unter 100 Mio., dennoch verschaffte mir das schlaflose Nächte. Das sehe ich auch im Widerspruch zum Artikel.



    Wer das "nicht wichtig" nimmt, ist falsch im Job



    Der übrigens hoch komplex und keinesfalls "einfach" ist.



    Interessant ist auch das Staatsverständnis einiger Kommunarden, die scheinbar der Meinung sind, dass Geld auf Bäumen wächst.



    Der Staat erhebt Steuern um seinen Aufgaben nachzukommen.



    Wie sollte es sonst funktionieren?



    Bitte Alles kostenlos, aber ohne Kredit, denn das müssen ja "unsere Kinder" bezahlen?



    Respekt vor der Arbeit Anderer sollte auch Teil des gesellschaftlichen Umgangs sein.



    Merz hat den offenbar nicht und möchte lieber Klientelpolitik betreiben.



    Diejenigen, die die Zuckersteuer anzweifeln, haben Merz Beliebtheitswerte verdient.

  • Elite123

    Was mich so richtig ärgert ist, dass am Apparat selbst nichts gespart wird. NGOs, Stiftungen, Behörden werden weiter geführt, weil dort die Parteifreunde die Hand aufhalten.

    Gekürzt wird beim Bürger, bei frisch gebackenen Eltern oder beim Handwerker der mit 63 nicht mehr die Knochen hinhalten will.

    Die verscherzen es sich mit ihren Wählern und merken es noch nicht einmal.

    • Evi Holtendorp

      @Elite123:

      Was ist der Apparat? Wer führt NGOs (=NichtRegierungsOrganisationen)? Welche Parteifreunde halten bei z.B. Pro Asyl oder der DUH die Hand auf?

      • Evi Holtendorp

        @Evi Holtendorp:

        ich wollte eigentlich auf Elitre 123 (2.10. 18:01 Uhr) antworten

    • nutzer

      @Elite123:

      Ja, das ist ungerecht, aber sparen ist sparen, jedes sparen entzieht der Wirtschaft Kaufkraft, so ungerecht wie es ist, spart man jetzt noch mehr, im Staatsapparat, weil es gerechter ist, wenn alle gleichmäßig leiden, ist das moralisch gefühlt besser, verschärft aber die Wirtschaftsproblematik weiter und geht deshalb an der Problematik vorbei, die Wirtschaftskrise wird verschärft und nicht gebessert.

    • Hans - Friedrich Bär

      @Elite123:

      "Die verscherzen es sich mit ihren Wählern und merken es noch nicht einmal."



      Das heißt Dunning Kruger Effekt. Da können wir nichts machen, das ist wissenschaftlich nachgewiesen menschliche Natur. Alle, die Sie aufgeführt haben sind so. Ab einer gewissen Machtfülle, muss das sogar schlimmer zu werden, weil dann die Untergeordneten gezwungen werden können, die Selbstüberschätzung zu ertragen.

  • behr Behr

    Geht es denn bei der Tabak- und Alkoholsteuer um Gesundheit?



    Wenn ja, müßte beides sofort verboten werden. Außerdem hängen Arbeitsplätze an der Zucker-, Getränke- und Süßwarenindustrie und eine zu hohe Zuckersteuer trifft doch die Konsumenten von



    Cola und Energiegetränken und damit Leute, die sowieso wenig Geld im Portemonaie haben - wäre eine denkbare Argumentation.

    • Captain Hornblower

      @behr Behr:

      Rezepturen werden dauernd verändert, weniger Zucker, weniger Steuern.



      Das es nur die Leute mit wenig Geld trifft ist einen schwache



      Argumentation. Zu viel Zucker macht nun mal krank.

    • Grenzgänger

      @behr Behr:

      Keine Zuckersteuer einzuführen hiesse, die Folgekosten übermässigen Zuckerkonsums (25 Stück Würfelzucker in einem Liter Cola!!) der Allgemeinheit aufzubürden für vergleichsweise lächerlich wenig Arbeitsplätze. Auch das eine mögliche denkbare Argumentation...

    • Hans - Friedrich Bär

      @behr Behr:

      Nein es geht bei den Alltagsdrogen nicht um Gesundheit : Die staatlichen Lottogesellschaften würden wegen ihrer mäßigen Gewinnchancen mehr als 50% der Einsätze in die jeweiligen Landeshaushalte abführen, wenn sie nicht gesetzlich gezwungen würden ihren Übergewinn über 50% als "Sonderziehung" auszuschütten.



      Die mäßigen Gewinnchancen erzeugen bei etlichen Spielern Spielsucht + bei fast allen Spielern Verluste von 80% des Einsatzes....

    • T-Rom

      @behr Behr:

      Die Höhe der momentanen Tabaksteuer führt selbstverständlich dazu, dass weniger geraucht wird.



      Und wenn man ärmere Leute dazu bringt, weniger oder andere Süssgetränke zu trinken, tut man denen ja etwas gutes.

    • sociajizzm

      @behr Behr:

      Komplette Verbote sind eine ziemlich schlechte Idee bei weit verbreiteten Rausch und Suchtmitteln. Siehe Prohibition von Alkohol in den USA. Viel besser sind Werbeverbote, Aufklärung, Einschränkungen beim Verkauf und der Preis. Bei legalen Waren lässt sich auch durch Regulierungen der Schaden etwas mehr begrenzen.



      .



      Darum wurde ja auch Cannabis legalisiert.



      .



      Nicht weil es so gesund ist, sondern weil das Verbot praktisch wirkungslos war und nur Schaden angerichtet hat, auch für die Gesundheit der Konsument:innen.



      .



      Das Gesundheitsargument für Verbote ist generell schwierig. Sonst müsste ja auch 🏍️ fahren illegal sein. Ist ja ein verdammt tödliches Hobby. Reiten auch und alle Extremsportarten. Alles viel zu gefährlich!

  • Vic Merz

    Da zeigt Lars endlich mal wieder Rückgrat, aber die Unionslobby sagt NEIN...



    Warum muss ich grade an Little Britain denken...

  • Günter Witte

    Ob man die Zuckersteuer wirklich braucht ? Man kann auch durch Verordnungen/Gesetze Höchstwerte, also was wirklich Zucker je Kg, Liter, in einem Produkt sein dürfen regeln.

    • Blutsbruder WinnePuh

      @Günter Witte:

      Danke, sehe ich auch so. Schade, dass die Zahlen in zwei unterschiedlichen Artikeln stehen, aber wenn Einsparungen im Gesundheitssystem auf 20-170 Mio. und die Steuereinnahmen 650 Mio. p.A. geschätzt werden, dürfte klar sein um was es wirklich geht. Wenn man den Zuckeranteil senken wollte, ließe es sich über Lebensmittelverordnungen problemlos machen, ohne den Verbraucher zu belasten. Außerdem bitte auch bei "versteckt" gezuckerten Produkten, bei Limo weiß jeder genau, was er sich da einfährt, bei sovielen anderen Dingen nicht. Zumal ich bei Politikern, die sich um die "Volksgesundheit" sorgen, irgendwie an andere Zeiten denken muss.

      • Herma Huhn

        @Blutsbruder WinnePuh:

        Wenn aber die Steuer schon als diktatorischer Eingriff in die Freiheit sich selbst die Adern zu vekleben gewertet wird, wie soll da eine politische Mehrheit für eine gesetzliche Regelung für eine Maximalmenge Zucker in Getränken zusammenkommen?



        Zumal ich es für noch schwieriger halte, bei einem geseztlichen Maximum über so etwas wie Sirup zu sprechen, der ja nicht zum Purverzehr angeboten wird, aber natürlich eindeutig sehr viel Zucker enthält. (Weiß gar nicht, wie der Zuckersteuerentwurf das hält, aber Sirup bleibt zumindest verkaufbar.)

  • taz.manien

    Wenn ich das Wort Zuckerlobby schon höre, dann wird mir bereits richtig übel, weil das nichts anderes bedeutet das im Hintergrund die legale Korruption bereits am Kochen ist! Die jetzt involvierten Politiker sollten das wie Reiche machen.

    Ja, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unter Leitung von Katherina Reiche steht wegen der Übernahme von Papieren der Energielobby massiv in der Kritik. Seit ihrem Amtsantritt im Mai 2025 werfen Organisationen wie LobbyControl und Medien der CDU-Politikerin vor, Gesetzestexte und Strategiepapiere in weiten Teilen direkt von großen Energie- und Gaskonzernen abgeschrieben oder angefordert zu haben. Reiche war vor ihrer politischen Rolle selbst als Managerin und Lobbyistin in der Energiewirtschaft tätig (unter anderem bei der Eon-Tochter Westenergie).

  • FtznFrtz

    Verheerend ist die Außendarstellung, sollte man nicht einen Kompromiss erzielen und diesen dann zusammen vertreten? Zum Beispiel die Steuer erst ab 10 statt 5 Gramm Zucker? So beschliesst man etwas, dann wird in letzter Minute quer getrieben. Das ist 1:1 FDP-Irrwitz in der Ampel, so kriegt man den Laden, also die Koalition, mit Sicherheit klein.



    Mit Sicherheit sind Merz und Klingbeil fehl am Platze, das ist vor allem handwerklich haarsträubend schlecht. Soll diese Koalition eine Chance haben müssen dringend neue Leute an der Spitze her.

    • Herma Huhn

      @FtznFrtz:

      Würde die Grenze bei 10 Gramm liegen, wäre das Argument mit der Gesundheit vollends hinfällig.



      Ja, man würde verhindern, dass es noch schlimmer wird. Aber 5 Gramm sind bereits ein auf gesundheitlichen Daten beruhender Kompromiss. Er bildete sich zwischen den Extremforderungen alles lassen wie es ist (also 10Gramm) und gar kein Zucker mehr im Getränk.

    • MK

      @FtznFrtz:

      Die ganze Geschichte war so:



      - Man beschließt einen Kompromiss zwischen den Koalitionspartner



      - es wird eine neutrale Expertenkommission eingesetzt



      - die Expertenkommission erarbeitet einen fachlich fundierten Vorschlag



      - das Finanzministerium möchte eine deutlich höhere Steuer umsetzen

      Genau so kriegt die SPD die Koalition klein: die eigenen Themen werden deutlich strenger umgesetzt, als es selbst die Experten vorschlagen. Gleichzeitig werden die vereinbarten Reformen zu Arbeit und Rente im Ministerium Bas nicht vorangetrieben.

    • Martin Rees

      @FtznFrtz:

      Oder Zucker raus aus Lebensmitteln, wo er bis vor wenigen Jahren gar nicht in nennenswertem Ausmaß drin war...



      Ein Argument für TK-Ware:



      www.antwort.net/a/...uckerzusaetze.html

    • Hugo

      @FtznFrtz:

      Des Cola-Mix, was ich trink, hat genau 10g/100mL und ich kipp da zumindest im Sommer immernoch Wasser mit rein weil süß.

  • Ruediger

    Immer höhere Steuern auf mehr oder weniger ungesunde Genussmittel sind eigentlich ziemlich unsozial. Sie wirken sich für Menschen mit wenig Geld viel stärker aus, als für solche, die viel haben. Das billige Dosenbier, die Fanta, die Tafel Schokolade oder die Tüte Chips, die eine oder andere Zigarette - das mag nicht gesund sein, aber es ist für einen Menschen, der hart arbeitet und sich wenig Höhepunkte im Leben leisten kann vielleicht das, was ihm ein kleines Glück beschert. Was nützt eine höhere Lebenserwartung, wenn man vom Leben sowieso nicht viel erwarten kann? Man sollte nicht auf Kosten dieser Menschen den Haushalt sanieren, und solche Steuern eher zurückfahren. Der Staat hat seinen Erwachsenen, mündigen Bürger nicht dazu zu erziehen, sich vermeintlich vernünftiger zu verhalten.

    • Hans - Friedrich Bär

      @Ruediger:

      "Das billige Dosenbier, die Fanta, die Tafel Schokolade oder die Tüte Chips, die eine oder andere Zigarette - das mag nicht gesund sein, aber es ist für einen Menschen, der hart arbeitet und sich wenig Höhepunkte im Leben leisten kann vielleicht das, was ihm ein kleines Glück beschert. "

      Ich kann die mitfühlende Argumentation verstehen. Im Großen und Ganzen wird gelernt womit man sich belohnen kann. Da spielen Eltern und Umgebung samt Medien und Werbung eine Rolle - auch Fatalismus wird gelernt.

      Es gibt ungefähr 1 Mio Rehaverfahren pro Jahr. Die Teilnahme an der Ernährungsberatung ist für jeden Teilnehmer verpflichtend, egal weswegen er die Reha hat. Da können Sie auch sagen : Bevormundung. Letzten Endes aber hat der eine oder andere doch was mitgenommen.

      www.deutsche-rente...rnaehrungstherapie

      www.bzfe.de/kueche...der-saisonkalender

      Ja , es ist ausdrücklich Aufgabe eines sozialen Staates mit anderen Mitteln die Gesundheit seiner Bürger zu schützen als mit Steuererhöhungen, die die Ärmeren am meisten treffen. Da haben Sie recht.

    • cazzimma

      @Ruediger:

      So ähnlich reden meine SchülerInnen bei dem Thema. Von erwachsenen Menschen würde ich mir schon etwas differenziertere Argumentation erhoffen.



      Warum plädieren Sie nicht gleich dafür, den Preis für Suchtmittel zu senken?

    • Cededa Trpimirović

      @Ruediger:

      Sinn der Sache ist eigentlich, dass die Konzerne weniger Zucker in die Getränke kippen, damit sie nicht mehr so ungesund sind, und dann die Preise so bleiben können, wie sie jetzt sind.



      Wäre auch problemlos möglich, weil die sowieso so süß sind, dass ein bisschen weniger Zucker am Geschmack nichts ändert.



      Nur doof für die Zuckerproduzenten, weil die dann weniger Zucker verkaufen.

    • Captain Hornblower

      @Ruediger:

      Die Folgen zahlen dann über die Krankenkassenbeiträge alle.



      Letztendlich sagen sie nichts anders das die Leute auch früher sterben aber Hauptsache es war süß.

      • Ruediger

        @Captain Hornblower:

        Fragt sich, ob Menschen, die kürzer leben, weil sie rauchen, saufen oder viel Zucker essen, wirklich teurer für die Krankenkassen sind - am Ende des Lebens haben auch die Hochbetagten, die gesünder gelebt haben, auch Krankheiten und Gebrechen, die Geld kosten. Aber selbst wenn sie teurer sind! Mein Begriff von Solidarität ist es jedenfalls nicht, den Armen ihre kleinen Freuden wegzunehmen, weil das vielleicht Kosten für alle Versicherten aufwirft. Jeder soll selbst entscheiden können, was für ihn Lebensqualität bedeutet.

        • Herma Huhn

          @Ruediger:

          Wie frei ist denn die Entscheidung für Süßgetränke, wenn der Zuckergehalt im Laufe Ihres Lebens stetig angehoben wird? Den Unterschied schmecken Sie gar nicht, Sie bekommen nur alle paar Jahre eine Werbekampagne aufgedrückt, die Ihnen ins Hirn hämmert, dass die neue Rezeptur immer besser sein muss als die alte.

        • cazzimma

          @Ruediger:

          Ja, und zwar so früh wie möglich, damit die Gesellschaft noch mehr die Folgen von Übergewicht seit der Kindheit, Diabetesepidemie, hochverarbeiteten Lebensmitteln etc. zu spüren bekommt.



          Das ist wahre Solidarität.

    • T-Rom

      @Ruediger:

      Aber dass Konzerne versuchen, die Bürger (in der Regel schon vom Kjndes- / Jugendalter an) dahin zu "erziehen", dass sie Zucker, Tabak, Alkohol oder junkfood konsumieren - dass ist dann OK?



      Man könnte auch sagen, die Konzerne versuchen, Kinder und Jugendliche abhängig zu machen, denn genau das passiert mit solchen Produkten (Dopamintrigger).



      Es will ja niemand diese Produkte komplett verbieten, aber ein bisschen gegensteuern, gegen die Suchtindustrie, kann man vielleicht doch schon.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Es ist zum Haare raufen. Die Leute, die sich Regierung nennen, kriegen nicht mal so was Einfaches wie eine Zuckersteuer auf die Reihe.

    Macht endlich! Und zwar einfach und ohne zig Ausnahmen.

    So. Jetzt gehe ich Kuchen backen. Gern mit Steuer. Ich brauche was gegen den Frust.