Reisebericht Iran (Isfahan) Mai 2011

Impressionen aus dem Iran

Christian Wahnschaffe war im Mai 2011 zwei Wochen mit der taz im Iran. Einige seiner Reiseimpressionen hat er notiert.

Windtürme in Yazd Bild: Anne Quirin

Bella Ciao in Yazd

Begonnen hatte es bereits am frühen Morgen. Da hatte sich im Innenhof des in der Altstadt von Yazd gelegenen kleinen Hotels eine muntere Gruppe junger Leute fröhlich im Tanz bewegt, die Mädchen zum Teil ohne Kopftücher. Es sei ein Klassentreffen, so erfuhren wir, und die Teilnehmer kämen nicht aus Yazd, hätten sich hier nur getroffen.

Am Nachmittag dann, auf dem Weg vom Basar ins Hotel hatten wir Männer drei Studentinnen getroffen, die uns nach unserem Woher fragten und wissen wollten, wie uns der Iran gefalle. Einer von uns meinte, ja, das Land gefalle uns gut, aber mit seiner Regierung hätten wir so unsere Probleme. – Sie auch, war die spontane Reaktion der jungen Frauen. Die Regierung zwinge sie zum Beispiel, Kopftuch zu tragen.

Nach dem Abendessen saßen wir dann noch lange auf dem Tacht - einem großen Teebrett, mit Teppichen und Kissen belegt, damit man sich bequem anlehnen kann – und genossen den lauen Abend. Allmählich trafen auch die jungen Leute wieder ein, holten sich vom Büfett etwas zu essen und lauschten den Klängen eines Sitar-Spielers. Zwischen uns und den jungen Iranern das Wasserbecken mit den Goldfischen.

Picknick im Park Bild: Edelgard Struß

Wie wir dazu gekommen sind, weiß ich selbst nicht mehr genau, jedenfalls stimmten Renate und ich das Lied vom Abschiedsgruß des verliebten Partisanen aus den italienischen Brigaden an, der, von seinem nahenden Tod überzeugt, seine Kameraden bittet, ihn im Schatten einer kleinen Blume zu begraben, die an ihn erinnern soll.

Wir hatten noch gar nicht alle Strophen dieses etwas rührseligen Liedes gesungen, als plötzlich ein junger Mann neben mir stand und mir von seinem Handy die Melodie des Liedes, das er gerade auf Deutsch gehört hatte, vorspielte. Sie hätten dieses Lied im Sommer 2009 nach der gefälschten Wahl gesungen, in ihrer Sprache natürlich. So bewegt wie in dieser Minute habe ich mich während der ganzen Reise nicht gefühlt.

Kurz vor dem Schlafengehen stiegen einige von uns die vielen Stufen zu dem Chanat hinunter, wo wir eine Gruppe Iraner um den kleinen Teich versammelt sahen. Die Stimmung schien uns zu intim, so dass wir es unterließen, zu fotografieren und schnell wieder nach oben gingen. 

Der Duft nach echtem Bohnenkaffee – Ein Besuch in der Evangelischen Kirche deutscher Sprache in Teheran

In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 2011 hatte das Flugzeug, mit dem Kanzlerin Merkel nach Indien unterwegs war, einen unerwarteten Aufenthalt. Es musste über der Südosttürkei kreisen, weil der Iran zunächst den Überflug verweigerte und erst nach intensiven diplomatischen Bemühungen freigab. Wir Iranreisenden konnten uns sehr schnell zusammenreimen, was der Grund für die Verweigerung des Überflugs war. Doch eins nach dem anderen:

Straßenszene in Teheran Bild: Joachim Wieshofer

An unserem letzten Tag in Teheran hatten wir früh eine Verabredung mit dem Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie-und Handelskammer, und dieser Termin fand an einem ganz besonderen Ort statt. Ein großes Schild in deutscher Sprache über einem Metalltor informierte uns darüber, dass hier die evangelische Kirche deutscher Sprache von Teheran residiert.

Die gibt es hier schon lange. Seit den 1950er Jahren des vorigen Jahrhunderts geschah es immer wieder, dass sich junge deutsche Frauen in einen in Deutschland studierenden Iraner verliebten und sich, teils gegen erhebliche Bedenken ihrer Familie, dazu entschlossen, mit ihrem Partner in dessen Heimat zu ziehen und dort als dessen Ehefrau zu leben. In dem vor wenigen Jahren erschienenen Buch (One Way Ticket nach Teheran. Deutsche Frauen im Iran erzählen) schildern einige dieser Frauen, was ein solcher Umzug in eine andere Kultur und in den Bereich anderer religiöser Gebräuche für sie bedeutete. Schon früh entschloss sich deshalb die Evangelische Kirche in Deutschland, diesen Frauen in Teheran eine Anlaufstelle zu schaffen, in der sie eigene Traditionen pflegen konnten.

Unser Gesprächspartner, Daniel Bernbeck, hat als Kind und Pfarrerssohn selbst einige Jahre in der evangelischen Gemeinde Teheran gelebt und ist vor einigen Jahren in diese Stadt. Er hielt uns einen sehr interessanten Vortrag über die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Iran und ging dabei auch auf die durch das Embargo wegen der iranischen Atomambitionen bedingten Schwierigkeiten ein. Erst vor wenigen Wochen wurde die Europäisch-Iranische-Handelsbank (EIH) in Hamburg, über die bisher ein großer Teil des Geldverkehrs zwischen beiden Ländern abgewickelt wurde, geschlossen.

Bild: Anne Quirin

Auf unserem Hinflug hatten wir in Belgrad zwischenlanden müssen, um das Flugzeug für den Weiterflug zu betanken, da Iran-Air innerhalb der EU wegen des Embargos zurzeit kein Kerosin erhält.

Wenn der Iran eine Möglichkeit sieht, durch Nadelstiche auf seine isolierte wirtschaftliche Situation aufmerksam zu machen, dann kann man es ihm nicht verdenken, dass er die Gelegenheit eines Überflugs der prominenten Europäerin dazu nutzt.

Der gute Vortrag zog sich allerdings etwas in die Länge, ich wurde müder und müder und schließlich durch den Duft des Bohnenkaffees abgelenkt, der von den Deutsch-Iranerinnen, die uns anschließend bewirteten und mit uns ins Gespräch kamen, im Hintergrund bereits zubereitet wurde, eine „Delikatesse“, auf die wir zwei Wochen lang hatten verzichten müssen.