SZ-Interview der Kanzlerin

Merkel bereut nichts

Geht Angela Merkel nach Brüssel? Ein Interview befeuert wilde Spekulationen. Statt darüber zu grübeln könnte man anderes hinterfragen.

Eine Detailaufnahme von Angela Merkels oberer Kopfpartie

Blick gen Brüssel? Auf eine Antwort folgten viele Fragen Foto: ap

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist noch da. Die Süddeutsche Zeitung hat sie zur Europawahl befragt. Gleich zu Beginn musste sie auf die Frage antworten, ob es sich bei dieser um eine Schicksalswahl handele.

„Viele machen sich Sorgen um Europa, auch ich. Daraus entsteht bei mir ein noch einmal gesteigertes Gefühl der Verantwortung, mich gemeinsam mit anderen um das Schicksal dieses Europas zu kümmern.“ Worte, die wilde Spekulationen zur Folge hatten: „Wechselt Angela Merkel bald nach Brüssel?“, fragte etwa t-online.de.

Schade, wenn man bei dem doppelseitigen Interview mit drei Portraits (einmal lächelnd, einmal streng und bestimmt zwei Finger auf den Tisch legend, dann kompromissbereit-empathisch die Hände öffnend) bei der ersten Antwort hängen bleibt. Denn Merkel blickte in diesem Interview auch zurück auf europäische Krisen, die sie für die einen gut, für andere eher schlecht verwaltet hat.

Es fällt auf, dass sie keine ihrer Entscheidungen bereut, nicht einmal hinterfragt: Man habe zwar „Krisen erlebt, die an die Substanz gingen“, lässt sich Merkel zitieren. Aber sie lässt sich nicht beirren. Man müsse bedenken, welche Auswirkungen eine gegenteilige Politik gehabt hätte.

Immer wieder weist sie auf die Wichtigkeit ökonomischer Stärke hin: „Denn ohne die materiellen Grundlagen werden wir weder unsere sozialen noch unsre ökologischen Ansprüche erfüllen.“ Mit diesen Antworten muss man sich nicht zufrieden geben. Man kann über sie diskutieren, hinterfragen. Aber man spekuliert lieber.

Wie lohnenswert das ist, zeigte dann eine Eilmeldung am Donnerstagnachmittag: „Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einen Wechsel auf einen wichtigen EU-Posten nach ihrer Kanzlerschaft ausgeschlossen.“

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