Schwede baut Murmel-Musik-Maschine

Melodien mit 2.000 kleinen Kugeln

Kuriose Instrumente gibt es viele. Martin Molin setzt einen drauf: Der Schwede hat einen Apparat gebaut, den Murmeln zum Klingen bringen.

Ein Mann steht vor einem Kasten aus Holz und Instrumenten.

„Man muss schon ein bisschen durchgeknallt sein“: Musiker Martin Molin  Foto: Samuel Westergren

Schläuche, Trichter, Zahnräder und eine Kurbel: Es ist schon ein seltsamer Kasten, den Martin Molin da gebaut hat. Rund 3.000 Einzelteile hat der schwedische Musiker in mühevoller Kleinarbeit zu einer Murmel-Musik-Maschine zusammengesetzt. 14 Monate hat das gedauert, geplant waren eigentlich nur zwei. „Man muss schon ein bisschen durchgeknallt sein, um so etwas durchzuziehen“, gesteht Molin der taz.

Doch die Mühe hat sich gelohnt, findet er. „Jetzt macht das Ding endlich Musik“, heißt es in Molins Anfang März auf Youtube veröffentlichtem Video, das allein in den ersten zwei Tagen mehr als sechs Millionen Mal aufgerufen wurde. 2.000 Murmeln geben hier den Ton an – wie genau, das bleibt dem Betrachter allerdings zunächst schleierhaft.

Überhaupt erinnert auf den ersten Blick nicht viel an ein Musikinstrument. Allenfalls die metallenen Stäbe des Vibrafons deuten darauf hin, dass sich mit dieser Maschine Sound erzeugen lässt. Dieses Vibrafon – ein Metallophon mit einer elektrisch angetriebenen Modulationseinrichtung – ist das Herzstück der Murmel-Musik-Maschine. Die Murmeln purzeln von obern herab auf die Metallstäbe und bringen sie zum Klingen. Auch eine Gitarre und ein Becken hat Molin in das Gerät eingebaut.

Damit dabei keine Kakofonie entsteht, hat Molin seine Maschine entsprechend programmiert. In der Mitte des Apparats dreht sich ein großes Rad, das im entscheidenden Moment einen Mechanismus auslöst und die kleinen Kugeln abstürzen lässt. „Dank des Programmier-Rads kann ich entscheiden, wo und wann die Murmeln fallen sollen“, erklärt Molin.

Um seine beeindruckende Bastelarbeit in Aktion zu versetzen, bedient Molin eine Kurbel an der rechten Seite des Kastens. Dadurch setzt sich ein über Zahnräder angetriebenes Förderband in Bewegung und die Murmeln wandern nach oben. Schläuche bringen die kleinen Kugeln in Position, an die Stelle, von der aus sie zielgenau auf das Vibrafon fallen. Und zwar dann, wenn durch das Programmier-Rad die entsprechenden Hebel bewegt und die Schlauchöffnungen freigegeben werden. Im Video sieht man, dass Molin auch selbst eingreifen und die Hebel von Hand betätigen kann. Eine technisch ganz schön ausgefeilte Konstruktion.

Methode Versuch und Irrtum

Molin hat seine Murmel-Maschine akribisch geplant. Am Anfang stand die Zeichnung mit einer 3D-Software. In einem Making-Of-Video lässt sich verfolgen, wie der Schwede zu Säge, Bohrer und Hammer greift und sein Instrument in mühevoller Kleinarbeit zusammensetzt. „Das ging nach der Methode Versuch und Irrtum“, erzählt Molin. „Du baust etwas, es funktioniert nicht – dann fängst du eben einfach noch einmal von vorne an.“ Im vergangenen Sommer habe er die Arbeit von sechs Monaten wieder zerlegen müssen, berichtet der Musiker. „Das war echt hart – aber ich hatte keine andere Wahl.“

Murmel-Maschinen seien nicht neu, sagt Molin. Er verweist zum Beispiel auf Murmelbahnen, die in vielen Kinderzimmern stehen. „Nur machen die keine Musik.“ Inspiriert hat Molin auch ein Museum im holländischen Utrecht. „Da habe ich programmierbare Musikinstrumente aus dem 19. Jahrhundert entdeckt.“

Die Murmel-Maschine funktioniert. Molin ist damit aber noch nicht zufrieden. „Ich bin jetzt bei 85 Prozent.“ Für einen Live-Auftritt sei das Gerät noch nicht geeignet, weil es zu lange dauert, nach einem Song den nächsten zu programmieren. „Da muss ich noch was tun“, sagt Molin. Derzeit baut der Schwede an einer kleinen Murmel-Musik-Box – quasi eine geschrumpfte Murmel-Maschine. Die will er mit seiner Band „Wintergatan“ dann auch dem deutschen Publikum präsentieren: beim Festival „Nordischer Klang“ im Mai in Greifswald.

 

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