Olympia – Schwimmen

Who the fuck is Biedermann?

Mit einer Demonstration seiner Stärke siegt der Franzose Yannick Agnel über die Königsdisziplin. Er hängt Lochte und Yang ab. Paul Biedermann scheitert.

Yannick Agnel ließ die Konkurrenz früh hinter sich.   Bild: reuters

Die Startbedingungen: Für Paul Biedermann eher suboptimal. Der Druck auf ihn ist nach den bisherigen Auftritten der Schwimmer und Schwimmerinnen enorm. Er soll den DSV-Karren auf 200 Metern aus dem Dreck ziehen. Im Finale kann er dank eines guten Semifinals auf Bahn 6 starten, psychologisch nicht so schlecht. Aber wenn Yannik Agnel (Frankreich), Ryan Lochte (USA) und Sun Yang (China) auf den Nachbarbahnen einen guten Tag haben, sind denen sämtliche Psychomätzchen schnurz und für Biedermann ist der Podestplatz weg.

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Die Entscheidung: Eine Machtdemonstration von Yannick Agnel. Er holt Gold vor Sun Yang und dem Südkoreaner Taehwan Park, die zeitgleich schwimmen und sich die Silbermedaille teilen.

Man wusste, dieser Franzose hat eine große Zukunft vor sich. Hier aber hängt er die Konkurrenz von vornherein ab. Lochte, Sun Yang, Biedermann – who the fuck is that? Den 20-jährigen aus Nimes kratzt es nicht, er hat schon auf den ersten fünfzig Metern eine halbe Länge Vorsprung. Dass Biedermann so wenig entgegenzusetzen hat, ist enttäuschend. Bronze wäre dem tapfer kämpfenden Deutschen zu gönnen gewesen. Biedermann wird Fünfter und schwimmt zwar Saisonbestleistung, hinkt der Weltelite aber weiter hinterher.

Das Drama: Agnel sah man schon beim Einlaufen die Entschlossenheit an. Da geht ein großer langer Schlacks, ganz in Weiß aufs Becken zu, der Geschichte schreiben will. Was er dann auch tut. Die Konkurrenz schwimmt geschockt auf den Nebenbahnen.

Die Schlussfolgerung: Yannick Agnel könnte eine neue Ära einläuten – seine eigene. Er verhindert die großen Lochte-Games genauso wie das zweite Gold für Sun Yang. Und sorgt dafür, dass Biedermann bei Olympia weiter medaillenfrei bleibt.

Und sonst? Der Deutscher Schwimmverband bleibt wie gehabt ohne Edelmetall. Britta Steffen hyperventiliert zunächst auf der Tribüne, steht nach dem Rennen dann konsterniert da. Hoffentlich legt sich die Starre bis Dienstag.

 

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30. 07. 2012

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