Der Vorsitzende der Linksfraktion im niedersächsischen Landtag, Hans-Henning Adler, hat den Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns wegen des Verdachts der Untreue angezeigt.von Felix Zimmermann

Soll Verträge zu Unrecht allein unterzeichnet haben: EWE-Chef Werner Brinker. Bild: dpa
OLDENBURG taz | Der Vorsitzende der Linksfraktion im niedersächsischen Landtag Hans-Henning Adler hat am gestrigen Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige gegen den Chef des Energiekonzerns EWE AG Werner Brinker erstattet - wegen des Verdachts der Untreue. Gleichzeitig zeigte Rechtsanwalt Adler, der auch Oldenburger Ratsherr ist, die Geschäftsführerin der Agentur Prevent Claudia del Valle wegen des Verdachts auf Betrug an.
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Brinkers EWE hatte seit elf Jahren bis zum September del Valles Agentur jährlich mehrere Millionen Euro für das Schulpräventionsprogramm "Sign" überwiesen. Die Kooperation war ins Gerede gekommen, weil EWE und Brinker die sachgemäße Verwendung der "Sign"-Gelder offenbar nicht ausreichend kontrolliert hatten.
Del Valle hatte über ein Firmenkonstrukt aus der GmbH und ihrer Prevent KG Millionen am Projekt vorbeigeschleust. Auffällig ist vor allem der zwischen EWE und der Agentur Prevent geschlossene Vertrag, nach dem EWE für alle 1.200 potenziell am "Sign"-Projekt teilnehmenden Schulklassen bis zu 1,9 Millionen Euro im Jahr zahlte - auch wenn viel weniger Klassen Veranstaltungen gebucht hatten.
Adler sieht zwei Möglichkeiten: Entweder habe del Valle die EWE über den tatsächlichen Aufwand im "Sign"-Projekt getäuscht oder Brinker habe gewusst, dass den Zahlungen gar nicht der vorgesehene Aufwand gegenüber stand.
Brinker steht im Mittelpunkt von Adlers Anzeige, weil er nach taz-Recherchen wesentliche Verträge mit der Agentur allein unterzeichnet hatte. Das widerspräche der EWE-Satzung, nach der stets zwei Vorstände oder ein Vorstand und ein Prokurist Verträge unterzeichnen müssen.
Bereits 2010 hatte die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen del Valle wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Die Ermittlungen waren eingestellt worden, in den Unterlagen, die der taz vorliegen, heißt es aber, die Gewinnsituation bei del Valles Firmen sei "seitens der EWE bekannt und gewollt" gewesen. Laut Adler begründet das den Verdacht, dass ein "strafbares Handeln verdeckt werden sollte".
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Deutschlands fünftgrößter Energiekonzern, die Oldenburger EWE AG, finanzierte über zehn Jahre lang das Präventionsprojekt "Sign" mit bis zu 3,3 Millionen Euro jährlich. Ein Vorzeigeprojekt, auf das die Unternehmensleitung besonders stolz war. Doch was genau mit dem Geld geschah, ist unbekannt. Die taz fand Hinweise auf dubiose Zahlungen und andere Merkwürdigkeiten rund um das EWE-Sozialprojekt und die ausführende Agentur Prevent. Sie hat das Projekt umgesetzt und sollte Schüler in Seminaren über die Gefahren von Sucht und Gewalt aufklären.
Inzwischen hat die EWE die Zusammenarbeit mit der Agentur beendet, doch die wehrt sich gegen die außerordentliche Vertragskündigung. Viele Fragen sind weiter ungeklärt.
Alle taz-Texte zum EWE-Präventionsprojekt "Sign" finden Sie hier in der Übersicht.
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Leserkommentare
24.03.2012 13:54 | Frau Kesky
Na, so was. Kaum wird Anzeige erstattet, schon taucht die fehlende Unterschrift urplötzlich auf. Wie komisch! ...
03.11.2011 09:55 | Frau Kesky
Na, so was. Kaum wird Anzeige erstattet, schon taucht die fehlende Unterschrift urplötzlich auf. Wie komisch! ...