Tischtenniselite im Reisefieber: Der Kalender ist voll
Am Sonntagmittag geht in Peking das China Smash zu Ende. Zeitgleich beginnt in Ljubljana die Europameisterschaft.
Am Ende ist doch fast alles beim Alten geblieben. Félix Lebrun und Truls Möregardh, die europäischen Spitzenspieler mit Aussicht auf Rang 1 der Weltrangliste, sind beide im Viertelfinale des „China Smash“ in Peking ausgeschieden; der japanische Thronfolger Sora Matsushima, der davon profitiert hatte, dass der ewige Chinese in Person von Wang Chuqin eine Kreativpause benötigt und für das hochklassige Turnier in der chinesischen Hauptstadt abgesagt hatte, wird auch über diesen Montag hinaus die neue Nummer 1 der Tischtenniswelt sein.
Es dauert also noch, bis endlich wieder ein Europäer auf der Weltspitze thront. Zuletzt war es Timo Boll, der 2018 für eine Woche vom Platz an der Sonne grüßte – und Dima Ovtcharov von diesem Platz verdrängt hatte. Aber wer weiß, vielleicht wird sich das Ende der Woche doch wieder geändert haben, dann nämlich, wenn entweder Lebrun oder Möregardh sich den Titel bei der Europameisterschaft in Ljubljana gesichert hat. Denn ja, auch dafür gibt es Weltranglistenpunkte, und den Titel im Einzel verteidigt Félix’ großer Bruder Alexis, der keine Chance auf Rang 1 der Weltrangliste hat.
Es ist also einiges in Bewegung geraten im internationalen Tischtennis. Was auch daran liegt, dass sich die hochrangigen Turniere im Spielkalender mittlerweile die Klinke in die Hand geben. Leidtragende natürlich: die Spielerinnen und Spieler. Besagter Ovtcharov zum Beispiel. Er zerrte sich den Oberarm bei seinem Versuch, in Peking weit zu kommen (er scheiterte in der ersten Runde am späteren Halbfinalisten Hugo Calderano aus Brasilien) und musste somit für Ljubljana sogar ganz absagen.
Eingesprungen ist für ihn Ricardo Walther, der in Peking nicht über die Qualifikationsrunden hinausgekommen war. Er steht bereits an diesem Sonntag in Sloweniens Hauptstadt am Tisch; man kann sich ausmalen, was besonders auch Félix Lébrun oder Möregardh mitmachen müssen. Sie haben am Samstag noch in China – der MESZ sechs Stunden voraus – gespielt. Nach Medien, Behandlung, Hotel usw. wartete vermutlich schon der Flieger nach Mitteleuropa. Dort werden sie nicht nur mit der Konkurrenz, sondern auch mit Müdigkeit und Jetlag zu kämpfen haben.
In Frankfurt geht eine große Tradition zu Ende
Patrick Franziska, in China im Achtelfinale ebenso an Calderano gescheitert, fand bereits deutliche Worte. „Das ist sehr schlecht geplant, eigentlich eine Katastrophe“, sagte er gegenüber hessenschau.de. Die Terminkollision China Smash/EM ist bei weitem nicht die einzige, die die Spielenden mittlerweile fordert. Der Kalender ist voll. Nach dem WTT Champions Montpellier, das unmittelbar nach der EM am 27. Oktober startet, findet ab dem 3. November schon das nächste Turnier statt, das WTT Champions in Frankfurt am Main.
Der Deutsche Tischtennis-Bund wird sich diese Terminballung allerdings nicht lange gefallen lassen müssen. Das Champions in Frankfurt, ebenfalls international hoch gewichtet, findet in diesem Jahr zum letzten Mal statt – eine große Tradition, rechnet man das Vorgängerturnier, die German Open, dazu, geht zu Ende. Ab 2027 soll es dafür in Deutschland einen Star-Contender geben, eine Kategorie niedriger. Der genaue Austragungsort ist noch nicht bekannt.
Ansonsten blickt die Tischtennisnation Deutschland natürlich mit Spannung nach Slowenien: Mitfavorisiert ist man immer. Franziska, Dang Qiu, und Benedikt Duda werden bei den Männern ein Wort mitreden, in den Einzeln und Doppeln und im Mixed.
Bei den Frauen geht es nicht um die Weltrangliste – da ist die Übermacht aus Asien einfach zu groß. Aber insbesondere Sabine Winter, die Spielerin mit dem Anti, die schon das Top 16 in Montreux gewann, gilt als Favoritin auf den Titel; sie ist derzeit nominell die Beste in Europa. Bei Juniorenweltmeisterin Annett Kaufmann wird man sehen müssen, ob sie den nächsten Schritt macht. Auch Ying Han spielt mit. Und natürlich Bernadette Szocs aus Rumänien und die Titelverteidigerin Sofia Polcanova aus Österreich. Es wird in jedem Fall spannend.
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