Torte auf AfD-Funktionärin

Der Clown wars!

Mit einer Sahnetorte geht das Peng-Kollektiv auf Beatrix von Storch los. Begründung: Als Ultima Ratio müsse der Einsatz von Sahnetorten erlaubt sein.

Anschnitt eines Tortenbodens

Für eine regelkonforme Tortung könnte der hier geschnittene Boden bereits zu dick sein.  Foto: dpa

BERLIN taz | Die Frage lautet, natürlich, wie immer: Wo verläuft die Grenze? Es geht um die Landgrenzen Deutschlands, um die Grenzen der öffentlichen Debatte und in diesem Fall auch um die Grenze des guten Geschmacks. Beatrix von Storch, Europaparlamentarierin und AfD-Landesvorsitzende in Berlin hat am Sonntag eine Torte ins Gesicht bekommen – bei einer nicht-öffentlichen Parteitagung im Kasseler Pentahotel.

Dort tagte gerade die Bundesprogrammkommission der sogenannten Alternative für Deutschland (AfD), um über das künftige Programm der Rechtsaußenpartei zu entscheiden - als zwei Mitglieder des Peng-Kollektivs den Raum betraten. Einer kam als Clown verkleidet, sang ein Geburtstagslied und warf schließlich eine Sahnetorte mitten ins Gesicht der AfD-Politikerin. In einem Internetvideo ist die Szene dokumentiert. Er wurde anschließend von den AfD-Mitgliedern im Hotel festgehalten bis die Polizei eintraf – und ihn vorläufig festnahm. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß. Der zweite Aktivist entkam unerkannt.

Die Kunstaktivisten rund um das Peng-Kollektiv haben in der Vergangenheit wiederholt mit Aufsehen erregenden Aktionen für Schlagzeilen gesorgt – zuletzt etwa mit der Geheimdienstkampagne Intelexit oder 2015 mit einer Kampagne zur Unterstützung von Fluchthelfern. In Kassel sollte es wohl genau um den Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland gehen. Zuletzt war die rechte Politikerin von Storch wegen Äußerungen zum Gebrauch von Schusswaffen an der deutschen Grenze in die Kritik geraten.

Das Peng-Kollektiv argumentiert nun auf der Linie von Beatrix von Storch und teils in ihrem Duktus. In einem „Bekennerschreiben“ heißt es, ein Mitglied des Peng-Kollektivs habe heute „zur Sicherung der moralischen Außengrenze von einer Sahnetorte Gebrauch gemacht.“ Die Rhetorik spielt auf die Wortwahl der rechten AfD an, aus deren Reihen zuletzt immer wieder ein hartes Vorgehen gegen Vertriebene aus arabischen Ländern gefordert wurde. „Derzeit“, heißt es in dem Schreiben weiter, „ist der Gebrauch von Torten das moralische Gebot der Stunde. Der Tortenwurf ist letztes Mittel am Grenzbaum zur Unmenschlichkeit und dringlichster Ausdruck direkter Demokratie.”

Tortung kennt Regeln

Derzeit diskutiert die parlamentarische wie außerparlamentarische Linke in Deutschland erregt darüber, mit welchen Mitteln der öffentliche Rechtsruck sowie die zunehmenden fremdenfeindlichen Übergriffe in Deutschland bekämpft werden können. Die Torte als politische Waffe ist dabei in Deutschland weitestgehend verpönt. In anderen europäischen Ländern kommt die Sahnetorte dagegen regelmäßiger zum Einsatz.

Als einer der Kultivierer des Tortenwurfs gilt der Belgier Noel Godin, der eine Internationale der Konditoren ausgerufen hat. Demnach kann Mitglied der Internationalen Tortenwerfer werden, wer für seine Torten zum Schutze der Gedemütigten ausschließlich Sahne und lockeren Rührteigboden nutzt – und kurz vor dem Wurf drei mal „Gloub“ sagt.

Das zumindest behauptet der nun festgenommene Peng-Aktivist auch von sich. Er sagte nach seiner Freilassung der taz, er habe vor dem Tortenwurf drei mal leise „Gloub“ gesagt. Den ergänzenden Beweis, dass bei von Storch nur Materialien genutzt worden, die den internationalen Torterie-Richtlinien entsprechen, will das Peng-Kollektiv in einem Tweet antreten. Demnach habe die Torte einen Gesamtwert von 5,97 Euro gehabt. Nun: Wo also verläuft sie, die Grenze des guten Geschmacks?

 

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