Polen überzeugt nur in der Anfangsphase und ist als EM-Gastgeber ausgeschieden. Die kompakten Tschechen siegen sich hingegen verdient mit 1:0 ins Viertelfinale.von Richard Rother

Es sollte einfach nicht sein. Bild: dpa
Das Spiel: Polen versucht von Beginn an, Druck aufzubauen und hat in den ersten 25 Minuten auch gute Chancen, in Führung zu gehen. Die beste davon vergibt Lewandowski in der 10. Minute. Nach dieser Drangphase stellt sich Tschechien immer besser auf die Polen ein und nimmt das Tempo aus dem Spiel, das zusehends verflacht. Polen kann nicht mehr machen, Tschechien will nicht mehr machen.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
So geht es auch in der zweiten Halbzeit weiter. Polen fehlen die Ideen. In der 72. Minute dann die Entscheidung durch ein Kontertor der Tschechen. Danach lassen die Polen die Köpfe hängen, setzen Tschechien kaum unter Druck, um wenigstens den Ausgleich zu schaffen. In der Nachspielzeit noch einmal eine polnische Großchance, aber es reicht nicht – eine insgesamt enttäuschende Leistung der Gastgeber, Tschechien steht dank einer kompakten Mannschaftsleistung als Gruppenerster im Viertelfinale.
Der Moment des Spiels: Das Siegtor. Der polnische Sechser Murawski spielt in der tschechischen Hälfte einen katastrophalen Fehlpass, die Tschechen schalten schnell und kontern. Baros vertändelt den Ball fast vor dem Sechzehner, legt dann aber auf Jiracek ab. Der schlägt noch einen Haken und schiebt ins Tor ein. Fast zu einfach.
Tschechien - Polen 1:0 (0:0)
Tschechien: P. Cech - Gebre Selassie, Sivok, M. Kadlec, Limbersky - Hübschman, Plasil - Jiracek (84. Rajtoral), Kolar, Pilar (88. Rezek) - Baros (90.+1 Pekhart)
Polen: Tyton - Piszczek, Wasilewski, Perquis, Boenisch - Dudka, Polanski (56. Grosicki) - Blaszczykowski, Murawski (73. Mierzejewski), Obraniak (73. Pa. Brozek) - Lewandowski
Schiedsrichter: Craig Thomson (Schottland)
Zuschauer: 42.000 in Breslau
Tor: 1:0 Jiracek (72.)
Gelbe Karten: Limbersky, Plasil, Pekhart - Wasilewski, Perquis, Polanski, Blaszczykowski, Murawski
Sperre droht: Limbersky, Jiracek, Kolar, Plasil, Pekhart - Keiner
Gruppe A (Tore | Punkte)
1. Tschechien 4:5 | 6
2. Griechenland 3:3 | 4
3. Russland 5:3 | 4
4. Polen 2:3 | 2
Der Spieler des Spiels: Petr Cech, Torwart der Tschechen. Muss diesmal zwar nicht wie so oft sonst mit großen Paraden glänzen, ist aber immer ein großer Rückhalt für sein Team und strahlt eine enorme Ruhe und Zuversicht aus.
Die Pfeife des Spiels: Lewandowski, Stürmer der Polen, bei Borussia Dortmund unter Vertrag. Er vergibt in der 10. Minute eine Großchance zur Führung für den Gastgeber. Danach taucht er ab. Kurz vor Schluss, als alles zu spät ist, gelingt ihm noch einmal ein gefährlicher Kopfball – der aber auch über das Tor streicht.
Die Schlussfolgerung: Tschechien wird es im Viertelfinale schwer haben. Zwar lieferte das Team eine geschlossene Mannschaftsleistung ab, wirklich überzeugend war das aber nicht. Vor allem Baros als Sturmspitze läuft seiner Form weiter hinterher. Und Polen muss sich für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien etwas einfallen lassen. So kann es nicht weitergehen.
Und sonst? Viele polnische Fans gehen offenbar häufig in die Stadien der Bundesliga, Borussia Dortmund feiernd. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls gewinnen, denn die polnischen Fangesänge ähneln - in Melodie und Rhythmus - stark denen, die bei Bundesligaspielen zu hören sind.
Meister und Pokalsieger Wolfsburg kämpft um die europäische Krone. Weil der VfL die Grenzen des Frauenfußballs erkannt hat, ist er so erfolgreich. von Johannes Kopp

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
17.06.2012 16:22 | Marvin
Hi, ...
17.06.2012 15:34 | ole
@mika
17.06.2012 13:06 | slawa
:-((