Twitter-Umfrage zu Islam in Deutschland

Satiriker greifen AfD unter die Arme

Die AfD Berlin startet im Fahrwasser von Innenminister Horst Seehofers Einlassung zum Islam eine Umfrage. Und bekommt Schützenhilfe von „extra 3“.

Ein Screenshot von einem Tweet, der einen anderen Tweet zeigt

„Aus Versehen gelöscht“: der letzte Stand der Umfrage der AfD Berlin, ein Service von „extra 3“ Screenshot: twitter.com/extra3

Kaum war Anfang des Jahres bekannt geworden, dass der brandenburgische AfD-Politiker Arthur Wagner zum Islam konvertiert ist, hieß es, sein Landesverband wolle ihn loswerden. Wagner selbst, ein Russlanddeutscher, der vom Atheismus über den Protestantismus zum Islam gekommen war, gab jedoch an, als „Nationalkonservativer“ in der Partei zu bleiben.

Nach der jüngsten Wortmeldung des neuen Innenministers Horst Seehofer zum Thema Religion, wonach der Islam „nicht zu Deutschland“ gehöre – und der sich daran anschließenden öffentlichen Debatte –, sah sich jetzt die AfD Berlin genötigt zu reagieren. Sie wollte in der Sache anscheinend Klarheit schaffen. Auf Twitter startete sie am Montag eine Umfrage: „Gehört der #Islam zu Deutschland?“ Der Link erscheint noch immer als Eintrag in Suchmaschinen, die Seite selbst wurde inzwischen gelöscht.

Was mit einer Intervention des NDR-Satiremagazins „extra 3“ zu tun gehabt haben könnte. Denn die Satiriker waren der AfD Berlin bei Twitter dienstbar zur Seite gesprungen und hatten auf die Umfrage verlinkt: „Liebe Gutmenschen und Zwangsgebührenzahler, habt ihr Lust, bei einer AfD-Umfrage mitzumachen?“, hieß es im Tweet von „extra 3“.

83 Prozent der Teilnehmer mit Ja

Von der inzwischen gelöschten Seite der AfD-Umfrage veröffentlichte „extra 3“ auf Twitter einen Screenshot vom Montag, 23.21 Uhr. Die Frage „Gehört der #Islam zu Deutschland?“ beantworteten demnach 83 Prozent der Teilnehmer mit Ja, 17 Prozent wählten als Antwort Nein. 22.294 Nutzer hatten bis dahin ihre Stimme abgegeben.

Andreas Lange, Redaktionsleiter von „extra 3“, bestätigte auf Anfrage, dass der Umfrage-Tweet der AfD Berlin am Montag um 14.26 Uhr online gegangen war – und bemerkte zu den Kommentaren der Nutzer: „Viele User haben sich für die Möglichkeit bedankt, der AfD dabei zu helfen, ein breites Meinungsbild zu dieser wichtigen Frage zu bekommen.“ Von der AfD Berlin habe es hingegen „undankbarerweise“ keine Reaktion gegeben.

Ronald Gläser, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD Berlin, bestätigte gegenüber der taz, dass einer seiner Kollegen die Seite gelöscht habe: „Es kommt oft vor, dass eine bestimmte Gruppe solche Umfragen mit kleiner Basis und ohne repräsentative Auswahl der Teilnehmer kapert. Schon zigmal gesehen im Videotext oder im Netz mit Traum-Umfrageergebnissen für kleine Parteien oder anderen skurrilen Aussagen. Deswegen gilt auch für diesen ‚Angriff‘ der Xtra3-Redaktion auf unsere Umfrage: Das war witzig, aber es hat keine bahnbrechende politische Bedeutung. Die Haltung der meisten Deutschen und insbesondere unserer Wähler zu der Aussage, der Islam sei ein Teil Deutschlands, ist eindeutig“, so Gläser wortwörtlich.

Eindeutig scheint diese Haltung allemal, wenn man die Umfrageergebnisse zugrundelegt. Wie wenig repräsentativ 22.000 Nutzer sind, ist dabei durchaus diskussionswürdig. Die Haltung „der meistens Deutschen“, von der Gläser spricht und bei der er nahelegt, dass sie anders gelagert sei, bleibt bloße Behauptung. Zur Erinnerung: Die meisten Deutschen sind keine AfD-Wähler.

Tim Caspar Boehme

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