Zwanzig Prozent der Neonazis sind Frauen. Häufig werden sie übersehen und unterschätzt. Ihr unpolitisches Fremdbild nutzen sie bewusst aus.von Andreas Speit

Häufig ignoriert, häufig militant: rechtsextreme Frauen. Bild: dpa
"Die Nazi-Braut galt als heißer Feger", schrieb die Bild-Zeitung in diesen Tagen über Beate Zschäpe - ganz so, als ob jene Frau, die sich Anfang der 90er Jahre der militanten rechtsextremen Szene anschloss, keine politische Überzeugungstäterin sei.
"In den Medien erscheint Beate Zschäpe als Mitläuferin oder Liebespartnerin der anderen beiden Tätern", sagt Rena Kenzo vom Forschungsnetzwerk "Frauen und Rechtextremismus". So würde in der Berichterstattung oft vernachlässigt, dass Zschäpe die Garage mietete, in der 1998 das "Sprengstofflabor" gefunden wurde.
Dabei ist Zschäpe alles andere als ein Einzelfall in der rechtsextremen Szene. In den vergangenen Jahren erfuhren sowohl die NPD wie die Freien Kameradschaften oder die Autonomen Nationalisten erheblich Zulauf von Mädchen und Frauen. Jeder fünfte Neonazi ist weiblich - Tendenz steigend.
Eine von ihnen war die heute 22-jährige Anna. In Thüringen wirkte sie in der gewalttätigen Kameradschaftsszene mit. "Die NPD war mir zu lasch", erzählt sie der taz. "Ich war auch an militanten Aktionen dabei, habe eine Polizisten bei einem Aufmarsch angegriffen." Strafrechtlich verfolgt wurde sie nie.
Kenzo überrascht das nicht: Selbst wenn eine Rechtsextremistin an einem Tatort aufgegriffen würde, würden Medien wie Strafverfolgungsstellen sie oft nicht als Täterin einstufen. In den Statistiken der Landeskriminalämter hält sich denn auch im Bereich der "Kriminalität von rechts" der Anteil der Frauen konstant zwischen 5 und 10 Prozent.
Michaela Köttig, Professorin an der Fachhochschule Frankfurt am Main, schätzt nicht nur die tatsächliche Zahl der rechtsextremen Straftäter für höher als in der offiziellen Statistik ausgewiesen, sie meint auch, dass der Beteiligung der Frauen höher liege. Die Rolle der Frauen bei Gewalt- und Straftaten werde heruntergespielt, weil man das nicht sehen wolle. "Wir können das ja jetzt live erleben", ergänzt Kenzo.
Dieses Bild der unpolitischen Frau mache rechtsextreme Frauen auf doppelter Weise unsichtbar, ist Köttig überzeugt: "Frauen haben nach dieser Logik zum einen keine politische Überzeugung und wenn, dann sind sie keinesfalls so gewalttätig wie männliche Rechtsextremisten." Auch der Verfassungsschutz würde die Aktivitäten der rechten Frauen kaum wahrnehmen - im Fall von Zschäpe mit tödlichen Folgen.
Die falsche Einschätzung nutzen Mädchen und Frauen der Szene bewusst aus: Wenn sie nett und freundlich im unverdächtigen Chic Räume für Veranstaltungen anmieten, bei Anti-rechts-Veranstaltungen Besucher fotografieren oder bei Informationsständen Passanten ansprechen und Flugblätter verteilen. Die sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler sagt offen: "Wir wollen die Frauen ermutigen, durch die Übernahme von Mandaten das Medienklischee des ,dumpfen Nazis' weiter aufzuweichen."
Das Beispiel Zschäpe zeige, dass rechtsextreme Frauen mitnichten nur am Kuchenstand der NPD zu finden seien, sagt Kenzo. Und Köttig betont: "Die Verharmlosung spiegelt nicht nur sexistische Stereotype wider, sie verharmlost auch die rassistisch und antisemitisch motivierten Taten selbst."
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Fast 13 Jahre lang konnte die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen, ohne dass ihr die Ermittlungsbehörden auf die Spur gekommen waren.
Erst als die Mitglieder Uwe M. und Uwe B. nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Selbstmord begingen, ihre Komplizin Beate Z. die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft jagte und sich dann der Polizei stellte, fügten sich die Puzzleteilchen vieler ungelöster Verbrechen plötzlich zu einem größeren Bild zusammen: Die Morde an acht türkischen und einem griechischen Kleingewerbetreibenden haben einen rassistischen Hintergrund und gehen sämtlichst auf das Konto der Gruppe.
Die ist auch verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Heilbronn sowie ein Nagelbombenattentat in einem mehrheitlich von MigrantInnen bewohnten Kölner Viertel. Ihre Beteiligung an weiteren Taten wird derzeit geprüft. Eigentlich undenkbar ist, dass die Gruppe so lange ohne breitere Unterstützung durch das rechtsextreme Milieu im Verborgenen operieren konnte.
Erste Festnahmen mutmaßlicher Helfer haben schon stattgefunden. Und zudem stellt sich die Frage: Inwieweit war der Verfasssungschutz mit seinen Fühlern in dier Nazi-Szene über das Treiben der Gruppe informiert? Die taz berichtet ausführlich über den Terror von rechts.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
21.11.2011 14:49 | IbnRusd
@P.Haller ...
21.11.2011 14:26 | IbnRusd
@Weiße Rose ...
20.11.2011 02:07 | frank
Wenn nur ca. jede 10 Frau der Nazis ein Nazi ist, sind dann 9 von 10 Nazi männern single ?