Der Thüringer Verfassungsschutz soll dem Neonazi-Trio 2.000 Mark bezahlt haben. Außerdem soll das Amt drei Exemplare des antisemitischen "Progomoly"-Spiels von ihnen erworben haben.von Andreas Speit

Das antisemitische Brettspiel "Pogromly". Bild: dapd
HAMBURG taz | Der Verdacht der Verstrickungen des Verfassungsschutzes bei dem langjährigen Abtauchen des Neonazitrios "Nationalsozialistischen Untergrund" verdichtet sich. Vor der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK) des Thüringer Landtags soll der Landesgeheimdienst eingeräumt haben, dem Trio mehr als 2.000 Mark für gefälschte Pässe direkt zugespielt zu haben. Eine Aussage, die die Mitglieder der Kontrollkommission wegen der Geheimhaltungsvereinbarung weder bestätigten, noch dementieren können, hieß es aus dem Landtag gegenüber der taz.
Am 6. Dezember soll ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes vor der Kontrollkommission gesagt haben, dass das Amt Uwe Mundlos, Uwe Böhnhard und Beate Zschäpe diese Geld zukommen gelassen habe, wie die Bild am Sonntag (Bams) berichtet. Aus abgehörten Telefonaten, so der Verfassungsschützer, hätten sie im Jahr 2000 gewusst, das die Drei dringend Geld für neue Ausweise gebraucht hätten. Da waren Mundlos, Bönhardt und Zschäpe schon zwei Jahre im Untergrund.
Ein alter Bekannter des Trios, Tino Brandt, sollte ihnen das Geld zukommen lassen. Der NPD-Kader und Chef des "Thüringer Heimatschutz" wurde damals selbst vom Verfassungsschutz bezahlt. Das Geld will Brandt, Deckname "Otto", weitergeleitet haben. Er selbst betont gerne, die Gelder des Verfassungsschutzes an ihn – rund 200.000 Mark für den Aufbau der "Bewegung" – genutzt zu haben. Über einen weiteren Mittelsmann sollen die über 2.000 Mark bei Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe angekommen sei.
Mit der Zahlung hoffte der Verfassungsschutz konkrete Hinweise über den Aufenthaltsort des Trios zu bekommen oder deren Decknamen zu erfahren. Der Plan scheiterte. Zudem habe der Verfassungsschutz die Meldeämter in Sachsen nicht über der Maßnahme eingeweiht, heißt es. Die Drei konnten sich so neue Pässe besorgen und weiterhin unbeobachtet untertauchen.
Der Verfassungsschutz soll das Trio auch indirekt finanziell unterstützt haben. Mindestens drei Exemplare des antisemitischen Brettspiel "Pogromly" will Brand dem Thüringer Amt verkauf haben – für je 100 Mark. Das Spiel haben Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe entworfen und hergestellt, bevor sie untertauchten.
Auf dem Spielfeld des umgewandelten "Monopoly-Spiels" sind nationalsozialistische Symbole, etwa ein Hakenkreuz als Startfeld, abgebildet. Zudem gibt es SS- und SA-Felder sowie vier Konzentrationslager. Die Einahmen vom Verkauf sollten den Dreien zukommen.
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Fast 13 Jahre lang konnte die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen, ohne dass ihr die Ermittlungsbehörden auf die Spur gekommen waren.
Erst als die Mitglieder Uwe M. und Uwe B. nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Selbstmord begingen, ihre Komplizin Beate Z. die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft jagte und sich dann der Polizei stellte, fügten sich die Puzzleteilchen vieler ungelöster Verbrechen plötzlich zu einem größeren Bild zusammen: Die Morde an acht türkischen und einem griechischen Kleingewerbetreibenden haben einen rassistischen Hintergrund und gehen sämtlichst auf das Konto der Gruppe.
Die ist auch verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Heilbronn sowie ein Nagelbombenattentat in einem mehrheitlich von MigrantInnen bewohnten Kölner Viertel. Ihre Beteiligung an weiteren Taten wird derzeit geprüft. Eigentlich undenkbar ist, dass die Gruppe so lange ohne breitere Unterstützung durch das rechtsextreme Milieu im Verborgenen operieren konnte.
Erste Festnahmen mutmaßlicher Helfer haben schon stattgefunden. Und zudem stellt sich die Frage: Inwieweit war der Verfasssungschutz mit seinen Fühlern in dier Nazi-Szene über das Treiben der Gruppe informiert? Die taz berichtet ausführlich über den Terror von rechts.
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Leserkommentare
28.12.2011 20:57 | Ralf Zimmermann
....hier will doch keiner aufklären,der Fisch stinkt doch vom Kopf her.Ein paar Handlanger werden abgeurteilt...und dann Sc ...
19.12.2011 18:27 | yitzschak
dieses progomoly ekelt mich zutiefst an!!!lieber staat und verfassungsschutz,meinetwegen bka...warum greift ihr da nicht zu ...
18.12.2011 16:39 | rose
Alles nichts Neues! Schon seit 2000 bekannt!Damals gab es schon einmal einen Untersuchungsausschuss,der die Amtsführung des ...