Video-Installation

Eine fiktive Fabrik

Der Künstler und Programmierer Urs Hofer aus Zürich zeigt sein „Work in Progress“ auf dem taz lab.

Es gibt zahllose Kameras, die versehentlich oder auch absichtlich im Netz gelandet sind Bild: dpa

taz: Herr Hofer, auf dem taz lab können Besucher*innen Ihre Installation mit dem Titel „Work in Progress“ sehen. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Urs Hofer lebt und arbeitet als Programmierer in Zürich an der Schnittstelle zwischen Programmierung und Kunst, Design, Literatur und Musik. Mit seinen Arbeiten gewann er mehrere Preise und nahm an diversen Ausstellungen teil.

Urs Hofer: Ich zeige Videostreams von Webcams an Arbeitsplätzen, die übers Netz zugänglich sind. Diese versuche ich dann neu zu arrangieren, damit so etwas wie eine fiktive Fabrik, ein fiktiver Arbeitgeber entsteht. Dazu verwende ich dieselben Algorithmen, die man auch in Überwachungskameras zur Bewegungserkennung braucht.

Sobald sich was bewegt, ändert sich die Einstellung, die Kamera. Mit einer Mischung aus Close-ups, Totalen, Innen- und Außenräumen hoffe ich, so etwas wie einen neuen Raum konstruieren zu können.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich war neulich auf einer Suchmaschine, die heißt Shodan und ist quasi das Google der Geräte. Statt Inhalte gibt die Suchmaschine Adressen von Geräten zurück, die am Internet angeschlossen sind. Mit einer Beschreibung der Funktionalität, also welche Daten, ausgehend von diesem Gerät, abgerufen werden können. So findet man zahllose Kameras, die möglicherweise versehentlich oder auch absichtlich im Netz gelandet sind. Mit diesem Fundus an Bildern lässt sich natürlich großartig spielen.

➡ Wann? Samstag, 21. April 2018

 

➡ Wo? Haus d. Kulturen d. Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10

10557 Berlin

 

➡ Was? Alles zum Thema Arbeit

 

➡ Mehr auf Facebook und Twitter

Was interessiert Sie daran?

Zwei Dinge: Mich fasziniert erstens, wie unkritisch wir die Durchdringung des Alltags mit dem Internet hinnehmen. Mittlerweile ist die halbe Gerätewelt mit dem Netz verbunden. Zweitens die Ästhetik der Bilder, das Filmische, das Subversive: durch Unterwandern des ursprünglichen Zwecks etwas Neues zu entwickeln.