Nach dem brutalen Vorgehen des tadschikischen Militärs gegen die Opposition drohen neue militärische Auseinandersetzungen. Die Ismailiten fühlen sich nicht sicher.von Marcus Bensmann

Die Schluchten des Pamirgebirges werden zumeist von Ismailiten bewohnt. Bild: ap
BISCHKEK taz | Während die Sicherheitskräfte des zentralasiatischen Staates Erfolge bei den Waffenstillstandsverhandlungen mit bewaffneten Gruppen vermelden, beschwört die tadschikische Opposition die Gefahr eines Wiederaufflammens des ethnischen Konflikts am Pamir herauf. Eine Truppe, die ihre Waffen nicht abgeben will, droht mit der Sprengung eines natürlichen Gebirgsdammes. Der religiöse Führer der Ismailiten, Karim Aga Khan IV., versucht derweil im Konflikt zu vermitteln.
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Am 24. Juli hatten tadschikische Armeeeinheiten in Chorog einen regelrechten Häuserkampf entfacht, um bewaffnete Gruppen um den ehemaligen Oppositionskommandanten Tolib Ajembekow in der Provinzhauptstadt am Pamirgebirge unweit der afghanischen Grenze zu entwaffnen und die Mörder eines zuvor ermordeten Chefs der staatlichen Sicherheitsdienste zu verhaften.
Nach offiziellen Angaben starben bei den Gefechten 30 Kämpfer sowie 17 Angehörige der tadschikischen Sicherheitskräfte und ein Zivilist, nach Quellen von Augenzeugen sollen es auch unter der Zivilbevölkerung Dutzende Tote gegeben haben. Den militärischen Einsatz in Wohngebieten bezeichnen Beobachter als völlig überzogen.
In den Schluchten des Pamirgebirges leben 200.000 Menschen, die meisten davon sind Ismailiten, eine schiitische Sekte, die den in Paris lebenden Aga Khan als direkten Nachfolger Mohammeds verehren. Den Ismailiten ist jeder religiöser Fanatismus fern. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kämpften die Pamiris mit der tadschikischen Opposition gegen die Zentralregierung, obwohl die Opposition von sunnitischen Islamisten dominiert wurde. Das hatte zur Folge, dass Pamiris in der tadschikischen Ebene zu Beginn des Bürgerkrieges ermordet wurden. Der Armee gelang es aber nicht, die Berge zu erobern.
Der Bürgerkrieg unterbrach jedoch alle Versorgungsrouten in den Pamir. Nur ein Notprogramm der Aga Khan Stiftung (AKS) rettete die Menschen in Badachschan vor dem Verhungern. Nach dem Friedensschluss 1997 startete die AKS Entwicklungsprojekte in der Provinz. Viele Bürgerkriegskommandanten behielten jedoch Macht und Einfluss. Sie finanzierten sich durch Drogen und Rubinschmuggel. Nach der Ermordung des Sicherheitschefs der Region wollte die Regierung die Macht dieser Bandenchefs militärisch brechen und löste damit jedoch neue bürgerkriegsähnliche Kämpfe aus.
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