Die Wahl zur Nationalversammlung wird um zwei Tage verschoben. Offiziell heißt es, die nötigen Unterlagen sind nicht überall ausgeliefert worden. Erste Zweifel tauchen auf.von Katrin Gänsler

So steht's geschrieben: Eine Zeitung berichtet über die verschobene Wahl. Bild: dapd
ABUJA taz | Benjamin Odo lebt am Rande von Abuja, in einem Viertel, in dem nichts von Glanz und Modernität der nigerianischen Hauptstadt zu spüren ist. Trotzdem hat der 52-Jährige die Hoffnung nicht aufgegeben. Er wünscht sich frischen Wind in der Politik und ist deshalb am Samstagmorgen pünktlich zur Wahlstation gekommen. "Seit acht Uhr bin ich hier", sagt er und reckt stolz seine Wählerkarte und den Daumen mit den Tintenresten in die Luft. Als Wähler registriert ist er bereits. Jetzt wartet er darauf, dass er seinen Stimmzettel bekommt und diesen dann in die Urne werfen kann.
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Doch wie viele der insgesamt 73 Millionen Wahlberechtigten wartet Benjamin Odo vergeblich. Zuerst ist es nur eine Spekulation, die ab Mittag durch viele Wahlstationen geistert: Verschiebung der Wahlen - zumindest in einigen der 36 Bundesstaaten. Gewissheit bringt eine halbe Stunde später die Pressekonferenz von Attahiru Jega, dem Vorsitzenden der Wahlkommission INEC (Independent National Electoral Commission).
In weiten Teilen des Landes seien die Ergebnislisten, in denen auch die Anzahl der Wähler eingetragen werden muss, nicht ausgeliefert worden. Und dann verkündet Jega das, womit kein Nigerianer gerechnet hat: "Wir verlegen die Wahlen zur Nationalversammlung auf Montag, den 4. April."
Dabei hätten die Unterlagen schon am Donnerstagmorgen in Nigeria landen sollen. Doch mitnichten. Es hätte - so die offizielle Version - massive Probleme mit der Lieferung gegeben: Die Papiere sollten über Japan eingeflogen werden. Für Jega ist die Absage nun die letzte Reißleine. Denn mit den fehlenden Listen können keine freien, fairen und glaubwürdigen Wahlen garantiert werden.
Die Enttäuschung ist groß und die Gerüchteküche kocht. Fehlen nur Unterlagen? Oder ist es ein politisches Komplott? "Professor Jega war in seiner Ansprache sehr moderat und hat nicht gesagt, dass einige Leute ihn sabotieren wollen", sagt Lawal Shuaibu, Nationalsekretär des Action Congress of Nigeria (ACN), einer der führenden Regierungsparteien.
Besonders ärgert sich seine Partei über den Termin am Montag. Shuaibu befürchtet, dass viele der ausgeteilten Stimmzettel nicht zurückgegeben werden und trotzdem in der Urne landen - mit Stimmen für die Regierungspartei Peoples Democratic Party (PDP). Sein Vorschlag ist, die Nationalversammlung mit dem Präsidenten am 9. April wählen zu lassen. "Damit könnte INEC die Wahlen richtig vorbereiten und die Menschen würden viel Zeit sparen." Durchgesetzt hat er sich nicht.
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