Trotz der guten PISA-Ergebnisse wird das Bildungswesen in Sachsen kaputt gespart. So sehen das die Lehrer in Sachsen. Und wollen das verhindern.von Michael Bartsch

Für die Bildung auf der Straße: Lehrer am Freitag in Dresden. Bild: dapd
DRESDEN taz | So viele Demonstranten sah der Vorplatz des Sächsischen Landtages noch nie. Schätzungsweise jeder zweite der 32.000 sächsischen Lehrer war am Freitag nach Dresden gekommen. Der Unterricht fiel an diesem Warnstreiktag aus oder wurde durch ein Notprogramm ersetzt.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Drinnen im Plenarsaal brachte die Staatsregierung den Entwurf des Doppelhaushaltes 2013/14 offiziell in den Landtag ein. Und für diesen Haushalt fordern die Lehrer einen Generationentarifvertrag mit einer Altersteilzeitregelung, mehr Stellen für den Nachwuchs und eine attraktivere Bezahlung.
Warnstreiks und Lehrerdemonstrationen sind in Sachsen nicht ungewöhnlich, weil hier in der Regel nur Schulleiter den Beamtenstatus erhalten. Seit mehr als einem Jahr fällt aber auch die Geschlossenheit aller Lehrerverbände auf. So trat auch die Tarifunion des Deutschen Beamtenbundes als Mitveranstalter der Demonstration auf. Grund dieser allgemein „angespannten Stimmung in den Klassenzimmern“, so die GEW-Landesvorsitzende Sabine Gerold, sind vor allem die lange verschlafenen Personalprobleme an sächsischen Schulen.
Die Lehrerschaft ist im Durchschnitt über 50 Jahre alt. Eine viel zu geringe Zahl von Neueinstellungen führt zu einer Personallücke, deren Ausmaß in diesem Frühjahr auch Kritiker überraschte. Nur mit einem Notprogramm in letzter Minute konnte die Unterrichtsversorgung zu Schuljahresbeginn am 3. September halbwegs gesichert werden. 560 Neueinstellungen trotzte die neue Kultusministerin Brunhild Kurth Finanzminister Georg Unland (beide CDU) ab, Lehrer wurden aus der Verwaltung und aus dem Ganztagsprogramm abgezogen, Klassen zusammengelegt.
„So darf ein Schulsystem nicht kaputtgemacht werden, um das uns andere Bundesländer beneiden“, rief Lehrerverbandsvorsitzender Jens Weichelt auf der Demo. Seit drei Jahren weigere sich der Finanzminister, auf Forderungen nach einer neuen Altersteilzeitregelung einzugehen, die einen Generationswechsel bei der Lehrerschaft befördern könne.
Die angestellten sächsischen Lehrer seien außerdem die am schlechtesten bezahlten der Republik. Die Demonstranten forderten außerdem Erleichterungen für die an der physischen und psychischen Belastungsgrenze arbeitenden Lehrer.
Finanzminister Unland wies diese Forderungen in der Haushaltdebatte bereits zurück. CDU-Fraktionschef Steffen Flath machte die Gewerkschaften selbst für die fehlenden Neueinstellungen verantwortlich, als sie 2009 eine Rückkehr zur generellen Vollzeitbeschäftigung erkämpften.
Inzwischen hat die CDU-interne Auseinandersetzung zwischen Bildungs- und Finanzpolitikern ein weiteres prominentes Opfer gefordert. Nach dem Rücktritt von Kultusminister Roland Wöller im April warf auch der langjährige schulpolitische Sprecher Thomas Colditz nach einem „so noch nie erlebten Mobbing“ das Handtuch.
Bitte erst die Artikel lesen, die Sie kommentieren möchten. Wie steht es dort so schön, für des lesens mächtige: ...
Zum obigen Artikel hatte ich am 7.09.2012 einen Kommentar verfasst
Das Beamtenrecht sagt,daß ein Beamter nicht streiken darf, in Sachsen gilt dieses Recht wohl nicht.Streikende Beamte sollte ...
Die US-Regierung ermittelt gegen einen Nordkoreaexperten des Außenministeriums. Stephen Kim soll geheime Informationen weitergegeben haben.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.