Zeichen setzen gegen die AfD: Protest von unten ist das Gebot der Stunde
Was macht man, wenn Höcke und Co. anreisen? Protest hat viele Facetten, vom Grundgesetz in der Hand als leiser Geste bis zur lautstarken Demo.
Foto: Matthias Schrader/ap
M itten in der Nacht ist sie losgefahren. Mit dem Fahrrad und Dutzenden Grundgesetzen im Gepäck. Die Mission der Frau, die zivilen Ungehorsam leisten will: den Weg, den Thüringens AfD-Fraktionsvorsitzender Björn Höcke und seine Anhänger:innen durch eine Kleinstadt in Brandenburg nehmen wollen, mit der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zu pflastern. Quasi als kleine Erinnerung daran, was die Grundsäulen dieses Landes sind.
Es ist ein sanfter, stiller Protest, ausgeführt im Dunkeln und als Zeichen für die rechtsextremen Besucher:innen am frühen Morgen gedacht. Keine Blockade, kein Trillerpfeifenkonzert, kein Gegenaufmarsch. Nur sichtbar machen, was so offensichtlich ist.
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Die Aktion beflügelt nicht nur die Frau sondern auch viele andere, die an diesem Samstag in der brandenburgischen Kleinstadt den Rechtsextremen ein Zeichen entgegensetzen wollen. Mit Musik, mit Redebeiträgen, mit Basteln für Kinder und mit Kuchen. Klingt banal. Ist es aber ganz und gar nicht.
Es ist ein Signal, sich die Stadt nicht nehmen zu lassen und schon gar nicht die Vielfalt, die Solidarität, die Lust zu feiern und auf ein Leben, in dem die verschiedensten Lebensentwürfe ihren Platz haben. Es ist die Macht jener Energie, die dann entsteht, wenn unterschiedlichste Gruppen ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Und sich dafür zusammentun.
Die Macht bannen
Auch die andere Seite bäumt sich natürlich auf. Mit Bier und Hüpfburg, mit markigen Reden, die von einer neuen deutschen Volkssouveränität faseln, mit einfachen Lösungen für komplexe Probleme, die es in Gesellschaften nun mal gibt. Viele von ihnen sind von weit her gekommen, und ja, an diesem Tag sind sie rein zahlenmäßig mehr in der Kleinstadt. Aber ihre Macht wird wenigstens ein kleines bisschen gebannt, wenn es denn die andere Seite gibt, die sich organisiert, vernetzt und zusammensteht.
Protest von unten hat viele Varianten. Ob in Brandenburg, in Madrid gegen die Explosion der Mieten und Zwangsräumungen oder in etlichen französischen Städten und Banlieues, wo Schüler:innen Mülltonnen anzünden und ihre Schulen verbarrikadieren, um eine bessere Ausstattung fürs Bildungssystem einzufordern. Er kann laut sein, mitunter aggressiv, erschöpfend, amüsant und provokant.
Die Frau, die für ihre Mission mitten in der Nacht auf dem Fahrrad mit dem Grundgesetz unterwegs war, nahm für ihre Aktion eine ganze Portion Mut zusammen. Und das ist wohl die Eigenschaft, die es immer und vor allem jetzt braucht.
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