Zweifel an Lebenslauf bestätigt: Trumps neue Sprecherin machte falsche Berufsangabe
Katie Zacharia gab als Berufsbezeichnung mehrfach Anwältin ein, obwohl sie bei der Anwaltsprüfung durchgefallen war und sie auch nicht wiederholt hat.
Foto: Julia Demaree Nikhinson/ap
dpa/afp | In der Debatte um ihre beruflichen Qualifikationen hat die neue Sprecherin des Weißen Hauses, Katie Zacharia, zugegeben, bei der Anwaltsprüfung durchgefallen zu sein. In einem außergewöhnlich kritischen Interview verneinte sie die Frage des Fox-News-Moderators Sean Hannity, ob sie die Prüfung bestanden habe. Auf Nachfragen gab sie zudem zu, die Prüfung nicht wiederholt zu haben.
Dass Hannity der früheren Fox-News-Kommentatorin Zacharia so kritische Fragen stellte, ist bemerkenswert. Denn er gilt als einer der engsten und einflussreichsten Vertrauten von US-Präsident Donald Trump. Im TV-Sender Fox News stellt er regelmäßig Trumps Politik und Wirken ungewöhnlich positiv dar.
Anders verlief dagegen das Gespräch mit Zacharia. Unter anderem konfrontierte er sie damit, dass sie Medienberichten zufolge selbst in rund 15 Social-Media-Posts eine Anwaltsbezeichnung genutzt habe, obwohl sie die entsprechende Zulassung dafür nicht nachgewiesen habe. Auch fragte er sie, warum sie nicht einfach zugegeben habe, die Prüfung nicht bestanden zu haben.
Zacharia versuchte, die Angelegenheit herunterzuspielen. Da sie gewusst habe, dass sie in China leben würde, hätte das Ergebnis der Prüfung keine Rolle mehr gespielt. Sie habe die Prüfung abgelegt, um keinen Rückzieher zu machen.
Attorney oder Lawyer?
Kritiker und einige Rechtsexperten monieren, dass sie sich wiederholt als Anwältin bezeichnet habe, obwohl bislang keine entsprechende Zulassung nachgewiesen sei. Die Vertraute von US-Präsident Trump hatte nach Informationen des Wall Street Journal die Anwaltsprüfung im US-Bundesstaat Kalifornien im Jahr 2011 nicht bestanden.
Im Kern geht es darum, dass es zwischen den englischen Begriffen „attorney“ und „lawyer“ einen feinen Unterschied gibt. Obwohl beide Wörter weitgehend gleichbedeutend für Anwälte verwendet werden, setzt „attorney“ eindeutig eine Anwaltszulassung voraus. „Lawyer“ wird teils auch für Juraabsolventen verwendet. Auch Trump selbst hatte Zacharia bei ihrer Ernennung als „attorney“ bezeichnet.
Dem Portal Real America’s Voice sagte sie am Donnerstag, sie habe sich für die Anwaltsprüfung angemeldet, sei dann aber wegen des bevorstehenden Umzugs mit ihrem Mann nach China „abgelenkt und überfordert“ gewesen.
„Wir sagten einfach: ‚Nehmen wir uns diese Zeit, ich lege die Anwaltsprüfung ab und schaue, was passiert‘“, sagte Zacharia. „Die Ergebnisse sind eher nebensächlich, da ich wusste, dass ich die Anwaltszulassung in China nicht brauchen würde, und wir sind kurz darauf abgereist“, fügte sie hinzu.
Arbeit in Pekinger Kanzlei ohne Anwaltsprüfung
In Peking arbeitete Zacharia als Rechtsanwältin in einer großen chinesischen Kanzlei. Nach eigenen Angaben hat sie die Anwaltsprüfung nach ihrer Rückkehr in die USA aufgrund der Geburt ihres ersten Kindes nicht wiederholt. Zacharia sagte, dass „viele Leute aus der Branche“ ihr versichert hätten, sie könne sich angesichts ihres Jurastudiums und ihrer in China gesammelten Berufserfahrung als Anwältin bezeichnen.
Die Ethikorganisation Campaign for Accountability hatte am Mittwoch die Anwaltskammer des Bundesstaates Kalifornien aufgerufen, eine Untersuchung einzuleiten. Zacharia hatte dort an der Pepperdine University Jura studiert und als Assistentin eines Rechtsprofessors gearbeitet. Hinweise auf eine Anwaltszulassung in den USA gibt es in ihrem Lebenslauf nicht. Die frühere Kommentatorin des Senders Fox News hat aber bei Fernsehauftritten und in Onlinenetzwerken immer wieder erwähnt, sie sei Anwältin.
Zacharia hatte kürzlich ihr Debüt im Presseraum des Weißen Hauses gegeben. Sie ist Nachfolgerin der zurückgetretenen Sprecherin Karoline Leavitt. Zuvor arbeitete Zacharia unter anderem für Trump Media and Technology – die Gruppe hinter der Truth-Social-Plattform des Präsidenten. Die Anhängerin von Trumps MAGA-Bewegung übernimmt die Kommunikationsrolle im Weißen Haus zu einem Zeitpunkt, an dem Trumps Republikanern laut Umfragen schwere Niederlagen bei den im November anstehenden Kongresswahlen drohen.
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