Kommentar von Ingo Arzt
Wer jetzt noch gegen Atomkraft und Castortransporte demonstriert, Gleise und Straßen blockiert und tagelange, Millionen Euro teure Polizeieinsätze provoziert, der hat doch was auf die Fresse verdient. Schließlich sind wir Deutschland, einig Atomausstiegsland.
So ungefähr dürfte es so manchem konservativen Politiker dieser Tage durch den Kopf gehen, wenn im Wendland das traditionelle Katz-und-Maus-Spiel zwischen Castorgegnern und Sicherheitskräften zelebriert wird. Selbst der Grüne Winfried Kretschmann findet, Protest gegen Atomkraft habe jetzt keinen Sinn mehr: Es gibt doch einen Ausstiegsbeschluss.
Nach dieser Argumentation kann man auch Pazifisten anraten, ihren Kampf für Frieden einzustellen, weil wir uns in Deutschland nicht mehr totschießen.

INGO ARZT ist Redakteur im Umwelt- und Wirtschaftsressort der taz. Foto: taz
Wer Atomkraft für unverantwortlich hält und Fukushima und Tschernobyl als wiederkehrende Tragödien begreift, der würde unmoralisch handeln, wenn er jetzt nicht mehr demonstrierte – und den Rest der Welt mit dem Strahlenproblem alleinließe. Zudem gilt: Solange in Europa Atomkraftwerke stehen, können wir auch hierzulande beim nächsten Super-GAU im schlimmsten Fall ganze Landstriche evakuieren.
Und was ist mit der Endlagerung in Gorleben, gegen die so kräftig demonstriert wird? Bundesumweltminister Röttgen versprach schließlich eine neue, "ergebnisoffene Suche" nach dem besten Standort, eine Forderung der Atomkraftgegner. Problem dabei: Seit Jahrzehnten ist das Thema Endlagersuche ein reines Instrument der Politik. Gorleben musste einfach funktionieren, um Atomkraft zu legitimieren.
Die Geschichte von Gorleben steckt voll Lug und Trug. Da reicht ein nett lächelnder Röttgen nicht aus, um das Misstrauen zu zerstreuen.
Die Wahrscheinlichkeit eines Atomunfalls ist 200-mal höher als bislang angenommen. Weltweit am meisten gefährdet ist der Südwesten Deutschlands. von Kai Schöneberg

Als alles vorbei war, wurden die Türme dunkel. Im Pressezentrum begann die Schlacht um den Promo-Müll. Es waren zwei ambivalente, schrecklich-wunderbare Wochen. von Jan Feddersen
Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
Zur Bilderstrecke "Castortransport 2011".
Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
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Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
29.11.2011 14:58 | Johann
Lieber Maik, ...
28.11.2011 11:21 | Maik
Sehr geehrter Ingo Arzt, die Sache mit Lug und Trug kann man so sehen, das trifft auf viele Vorgänge in diesem Lande zu. Ab ...
27.11.2011 17:44 | Ingo Arzt
Hallo Joe, ...