Rechtsextreme planen Festival in Köthen

Hassgesang statt Trauer

Neonazi-Gruppen kapern das Modell #wirsindmehr aus Chemnitz: Sie wollen ein Rechtsrockevent in Köthen organisieren.

Menschen maschieren hinter Polizisten

Nach dem Tod eines Mannes kam es bereits zu mehreren „Trauermärschen“ von Rechten in Köthen Foto: imago/Christian Mang

Der Soundtrack ist schon on Air: „Köthen ist überall, Köthen ist jeden Tag. Haltet zusammen, gemeinsam sind wir stark. Nehmt es nicht hin, leistet alle Widerstand. Auf dass der Wind sich dreht in diesem unseren Land“ skandiert „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC).

Am 29. September dürfte das Lied der rechtsextremen Hooligan-Band aus Bremen der Mitgrölsong in Köthen werden. An diesem Samstagnachmittag planen die Szeneband und weitere rechte Musiker ein Rechtsrockevent in der sachsen-anhaltinischen Kreisstadt. Über die sozialen Netzwerke bewirbt bereits das „Patriotische Köthen“ den Termin. Seit Dienstag ist die Webseite online, sagt ein Mitarbeiter von „Projekt GegenPart“, einem mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Anhalt.

Auf der Seite finden sich Videobotschaften von Jennifer Sommerfeld, die am zweiten Abend des vermeintlichen Trauermarschs Gegendemonstranten und Journalisten in ihrer Rede drohte, sie würden als „Erste brennen“. Sie kommt aus der „Brigade Bitterfeld“. Auf die geplante Veranstaltung weist neben anderen Szeneportalen ebenso schon „#wirsindkoethen“ hin. Dort heißt es zu der „Kundgebung & Konzert“: Beginn auf dem Markt 15 Uhr, Ende 22 Uhr.

„Die Kombination aus Kundgebung und Konzert dürfte auch dazu dienen, den Rechtsrahmen einer politischen Veranstaltung zu haben“, sagt der Mitarbeiter von „Projekt GegenPart“. Er verweist auf das Konzert „Rock gegen Überfremdung“. Mit diesem Rahmen gelang es dem Veranstalter im thüringischen Themar, ein Verbot von Rechtsrockkonzerten zu unterlaufen.

Die Rechten kopieren #wirsindmehr

Seit Tagen versuchen extrem rechte Parteien und Netzwerke, den tragischen Tod vom Markus B. politisch zu nutzen. Ende der vergangenen Woche war der 22-Jährige in Köthen mit mindesten zwei afghanischen Staatsbürgern aneinandergeraten. B. starb danach. Nach Behördenangaben war die Todesursache Herzversagen.

Das „Patriotische Köthen“ gibt sich bisher zuversichtlich, dass das Event stattfinden wird. Die Gruppe erfreut, dass „alle Künstler ohne Gage und/oder Aufwandsentschädigung auftreten werden“. Und sie versprechen, dass die „musikalische Darbietung (…) quer Beet“ sein werde. „Wie es sich für eine Gemeinschaft gehört! Keine Abgrenzung, keine krankhafte Distanzeritis – Gemeinsam für #Deutschland“.

In den Szeneportalen wird angegeben, dass außer KC noch „Ville der Ossi“ und weitere Musiker auftreten sollen. Als Redner sind bisher angekündigt: Marco Kurz von „Kandel ist überall“, Ignaz Bearth von der rechtsextremen „Partei National Orientierter Schweizer“ und Edwin Utrech, in der Szene ist er seit Pegida in Dresden als „Ed der Holländer“ bekannt.

Als einzige Frau soll Julia Juls – ebenfalls vom „Kandel ist überall“ – kommen, die auch als Sängerin für den „Widerstand“ auftritt: „Kommt raus, kommt raus! Wir kämpfen für unser Land. Hand in Hand für den Widerstand“ intoniert sie.

Inwieweit der Mix der Musiker und Redner zieht, ist schwer einzuschätzen, sagt der Mitarbeiter des Beratungsteams. KC um Hannes Ostendorf ist eng mit dem gewaltaffinen Hooligan- und militanten Rechtsextremen-Milieu verwoben. Ihr Auftritt in Köln 2014 bei dem Aufmarsch der „Hooligans gegen Salafisten“ heizte die Ausschreitungen mit an –über 40 Polizeibeamten wurden verletzt. Mit dem Konzert kopiert die rechte Szene das Konzert-Modell „Wir sind mehr“ in Chemnitz. Aus der Szene wurde dem Anti-Rechts-Konzert da noch vorgehalten, einen „Tanz auf dem Grab“ aufzuführen.

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