Partys im Außenlager Buchenwald: Dieser Prinz vermietet ein KZ an rechte Rocker
In Leipzig war ein Außenlager des KZ Buchenwalds. Der heutige Besitzer vermietet die Immobilie an rechte Rocker. Wann wird sie zum Gedenkort?
R ot-pinkfarbenes Licht flutet den Raum, in seiner Mitte ragen zwei Tabledancestangen auf Podesten in die Höhe. Hunderte Männer in Lederkutten stehen davor und starren Tänzerinnen an. Der Old Lions MC hat zu einer Party in die Kamenzer Straße eingeladen. Wo die Rocker feiern, befand sich vor 80 Jahren ein Zwangsarbeitslager der Nationalsozialisten.
Das Gelände im Leipziger Osten war bis 1945 das größte Frauenaußenlager des KZs Buchenwald. Eigentümer ist heute Prinz Ludwig von Preußen, der an Kampfsportneonazis und rechtsoffene Rockerklubs vermietet. Für den sächsischen Verfassungsschutz handelt es sich um eine „rechtsextremistisch genutzte Immobilie“. Als die Stadt Leipzig das Haus zurückzukaufen versuchte, forderte der Eigentümer zehn Millionen Euro. Für die Öffentlichkeit oder erinnerungskulturelle Zwecke ist das Gebäude verschlossen.
Ein neues Gutachten könnte das jetzt ändern. Denn seit Herbst vergangenen Jahres steht die Kamenzer Straße 12 unter Denkmalschutz. Dafür hatten Initiativen wie die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig lange gekämpft. Der durch das Gutachten bewirkte neue Status als Kulturdenkmal legt fest, dass das Gebäude erhalten und öffentlich zugänglich gemacht werden muss. Daran habe der Eigentümer auch Interesse, sagt die Stadt Leipzig. Doch der widerspricht und lässt Zweifel aufkommen, ob das neue Gutachten wirklich die Verheißung auf ein angemessenes Erinnerungskonzept ist – oder am Ende nur heiße, bürokratische Luft.
Die Geschichten über die Nutzung des ehemaligen KZ-Außenlagers, seit Ludwig Prinz von Preußen Eigentümer ist, sind üppig. Kurz nachdem er das Gelände 2008 kauft, entwickelt es sich zum neuen Neonazizentrum der Stadt. In Leipzig ist bekannt, dass der Eigentümer in den 1990ern selbst wegen einer rechts motivierten Straftat im Gefängnis gewesen ist. 2007 benennt sich Ludwig K. in Prinz Ludwig von Preußen um. Der rechtsextreme Boxklub Imperium Fight Team trainiert jahrelang in der Kamenzer Straße 12, danach, mit einer Hakenkreuzflagge an der Wand, das Sin City Boxgym. Im ersten Obergeschoss kleben davon noch die Sticker an den Fenstern.
An diesem nassen Dezembertag öffnet Peter Runzel das erste Mal der Presse die Tür. „Und was haben Sie vermutet, was Sie hier sehen?“, fragt er freundlich, als er durch das Tor geht. „Irgendwelche SS-Runen?“ Runzel, der rauchend über den Innenhof läuft, sei als „väterlicher Ratgeber und Consulaire des Prinzen“ berufen worden, für den Eigentümer zu sprechen. Der habe sich aufgrund der negativen Berichterstattung zurückgezogen. Auch Runzel misstraue der Presse und möchte unter seinem echten Namen nicht genannt werden. Er erwähnt mehrmals im Gespräch, dass er einer sei, „der mit allen Seiten redet“. Dann erzählt er, wie das Gebäude in die Hände von Prinz Ludwig von Preußen kam. Dass sie um die Geschichte des Hauses wussten; dass es damals egal war.
„Rechtsfreier Raum“
Der Hinterhof ist voller Pfützen. Auf der linken Seite verlängert ein neuer Holzanbau das Dach, ihm gegenüber stehen Tonnen und Garagen, in denen zu spanischer Musik geschweißt wird. Entlang des Holzdachs, auf einer Metalltür, steht in roter Frakturschrift „VR Brigade“. Zwei Brüder tunen hier laut Runzel ihre Autos. Wie steht es um die politische Ideologie des Eigentümers, wenn dieser in seiner Jugend als Neonazi auffällig war und weiterhin an Rechte vermietet?
„Das mit dem Nazizeug war kurz nach ’89, da war Leipzig ein rechtsfreier Raum“, sagt Peter Runzel, als er das Gebäude betritt, „aber das sind alles alte Geschichten.“ In den letzten Jahren, so beschreibt es Runzel, habe sich sehr viel geändert. Ein afghanischer Kulturverein feiere auf dem Gelände regelmäßig Feste – „ ‚Habibi‘ nennen wir den“, sagt Runzel –, und an eine libanesische Entrümpelungsfirma werde auch gerade vermietet.
Empfohlener externer Inhalt
Weiter den Gang entlang findet sich eine Tür mit einem DIN-A4-Zettel, darauf ein Wappen. „Das ist ein privater Raum vom Prinzen, wenn er von der Jagd kommt, damit er sein Wild zerlegen kann“, sagt Runzel. Wenn von Preußen mit seinem Waffenschein registriert sei, sei das ja ein Zeichen dafür, dass „juristisch alles sauber“ und er ein rechtschaffener Bürger sei.
Es ist unklar, wie tief von Preußens Verstrickungen in der rechten Szene heute noch sind. Der Dauermieter des Gebäudes, der Motorradklub Old Lions MC, ist jedenfalls nicht gerade unpolitisch. Die Verbindungen zwischen Rechtsextremismus und der kriminellen Motorradklubszene sind vor allem in Leipzig etabliert. Sie überkreuzen sich mit organisierter Kriminalität, Zwangssexarbeit und Drogenhandel, sagt das Counter Extremism Project aus Berlin.
Der Motorradklub macht kein Geheimnis daraus, dass er in der Kamenzer Straße feiert. Auf Facebook steht „New Area, 500 qm“ neben der Zeichnung einer halb nackten Frau, die ihren Hintern an eine Tabledancestange drückt. Das Plakat des Old Lions MC wirbt für eine Party mit „Essen, Trinken, Musik und Girls“, darunter die Adresse: Kamenzer Straße 12. Die Fotos, die danach auf Facebook gepostet werden, zeigen die Tänzerinnen vom Anfang des Textes.
Auf den Kutten der Besucher*innen ist die Aufschrift „Devil Hogs MC Germany“ mit einem abgewandelten Reichsadler zu sehen. Mitglieder von Stahlpakt tragen Reichsadler als Kettenanhänger und haben Verbindungen zur rechtsextremen Gruppe Blutlinie Germania. Die Eastside Rowdys, ebenfalls auf den Fotos zu finden, bezeichnet der sächsische Verfassungsschutz als „herausragende Vertreter“ des subkulturell geprägten Rechtsextremismus.
In den vergangenen Jahren wurden die Stimmen derer laut, die die Dauervermietung an Rechte in einem Gebäude mit dieser Vergangenheit kritisieren. Darunter Isabel Panek mit der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Der Verein engagiert sich dafür, die Spuren des Nationalsozialismus auf dem ehemaligen Gelände und der Stadt sichtbar zu machen. Die Hugo Schneider AG, kurz HASAG, war einer der größten Rüstungskonzerne während des Zweiten Weltkriegs. Innerhalb von fünf Monaten wurde das Gelände der Kamenzer Straße 10 und 12 das größte Außenlager von Buchenwald für Frauen. 5.000 weibliche und 700 männliche Gefangene stellten unter Zwang Munition und Panzerfäuste her, viele von ihnen waren Juden:Jüdinnen aus dem besetzten Polen und Ungarn.
Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.
Der graue Bau, in dem Panek und ihre Kolleg*innen arbeiten, ist klein und 20 Minuten zu Fuß von der Kamenzer Straße entfernt. Manchmal sitzen hier eng an eng ganze Schulklassen, denen das Team der Gedenkstätte von der Geschichte der Zwangsarbeit erzählt. Seit mehreren Jahren ist Panek in dem Verein aktiv, sie wird weder müde, von ihrer Arbeit zu erzählen, noch sie zu machen. „Wir haben jetzt auch eine interaktive Karte zu Orten von NS-Zwangsarbeit, da kann man sich durchklicken“, sagt Panek und holt im selben Atemzug den neuen Newsletter hervor.
Für jede Zielgruppe, jeden Kontext das richtige Bildungsmaterial. „Wir suchen nach größeren Räumlichkeiten, und es gab mal die Idee, in die Kamenzer Straße 12 zu gehen“, sagt Panek. „Aber nicht bei dem jetzigen Eigentümer. Und: Das ist ein Riesengebäude und muss saniert werden.“ Die horrenden Preisvorstellungen des Eigentümers hätten dann besiegelt, dass das nicht passieren werde, weil das weder Stadt noch Gedenkstätte zahlen könnten.
Auf dem Gelände des Zwangsarbeitslagers selbst war bisher niemand aus dem Team der Gedenkstätte. Aber sie haben ein Dossier erstellt, das zeigt, was in dem Partyraum der Rocker zu Zeiten des Lagers war: Hallen, die mit halbhohen Trennwänden in 23 sogenannte Blöcke unterteilt und mit Gefangenen überbelegt waren. Eine Etage darunter: Krankenrevier, Schreibstube, Küche und Speiseraum. „Wir haben über viele Erinnerungsberichte, die es von den Frauen und Überlebenden gibt, sehr detaillierte Schilderungen, wie es in dem Gebäude aussah“, erzählt Panek.
Empfohlener externer Inhalt
Viele der Gefangenen hatten bereits mehrere Jahre im System der Konzentrations- und Zwangsarbeitslager hinter sich. Es herrschten katastrophale Zustände, willkürliche Gewalt der KZ-Aufseher*innen, schlechte Hygiene und Mangelernährung. In regelmäßigen Selektionen wurden schwache, kranke und schwangere Gefangene auf Todestransporte in die Lager Auschwitz und Ravensbrück abgeschoben und ermordet.
„Erinnerungskultur wird erkämpft“
Dass die Gewaltverbrechen des Zwangsarbeitslagers nicht nur in der Theorie, sondern in vorhandenen Spuren zu finden sind, ist erst seit letztem Jahr klar. In einem unveröffentlichten Kurzgutachten, das der taz vorliegt, ist dokumentiert, dass spezifische Räume und Einrichtungen des Zwangslagers lokalisiert werden können. Stufen und Wandfliesen seien erhalten und zeigten teilweise die Überbelegung des Lagers; und vor allem sei es das einzige erhaltene Massivgebäude der HASAG Leipzig.
Es ist nicht das erste Gutachten dieser Art. Das Landesamt für Denkmalschutz mit Sitz in Dresden lieferte vor fünf Jahren eine erste Einschätzung. Aber darin wird dem Gebäude keine Denkmalwürdigkeit zugesprochen. Laut Panek und ihren Kolleg*innen sei das vor allem der Tatsache geschuldet, dass das Landesamt das Gelände der Kamenzer Straße 12 nicht betreten hat. „Wir wussten, dass die Begehung nur von außen stattgefunden hat, und wir sind davon ausgegangen, dass, wenn man das mal richtig untersucht, man da sicherlich noch Spuren findet“, sagt das Team der Gedenkstätte.
Der taz liegen Hinweise vor, die vermuten lassen, dass die Begehung nicht stattgefunden hat, weil Mitarbeitende des Landesamts aus Dresden „Angst hatten“. Auf Anfrage dementiert das Landesamt diesen Vorwurf. Nach dem damaligen Kenntnisstand habe bei dem Gelände keine Denkmaleigenschaft vorgelegen, dadurch „bestand für die Denkmalschutzbehörden […] kein Betretungsrecht“, schreibt die Pressestelle.
Den historischen Wert des Gebäudes erkennt die Stadt Leipzig wiederum unabhängig vom Landesamt an und versucht, vom Eigentümer das Haus zu kaufen. Laut Peter Runzel seien diese Verhandlungen eine Mail und zwei Telefonate gewesen. Prinz Ludwig von Preußen fordert damals 10 Millionen Euro, die Stadt lehnt ab, Verhandlung gescheitert.
„Die letzten Jahrzehnte wurde die Erinnerungsarbeit an den NS – fernab von Gedenktagen – von der Zivilgesellschaft getragen. Aber es ist auch eine Aufgabe der Stadt“, sagt Isabel Panek frustriert. Auch wenn die Zivilgesellschaft immer den ersten Schritt machen müsse, denn „Erinnerungskultur wird erstritten und erkämpft“, fügt sie hinzu. Panek erzählt von der Erinnerungsstele in der Kamenzer Straße, die im Sommer 2022 eingeweiht wurde. Der Oberbürgermeister Burkhard Jung stand an diesem Julitag lächelnd neben Panek, während er anmerkte, „öffentliche Gelder“ dürften „nicht in die Hände von Rechtsextremen“ gelangen. Panek erinnert sich an den Tag, zuckt mit den Schultern. „Das ist natürlich auch für uns ein Dilemma. Wir wollten auch nicht, dass Gelder an solche Strukturen gehen.“
Sichtbare Spuren des Lagers
Trotzdem ist das Team der Gedenkstätte kaum verwundert darüber, dass die Stadt danach nicht weiterversucht, einen Eigentümerwechsel zu erreichen. „Natürlich ist das KZ-Außenlager kein positiver Bezug in der Geschichte.“ Es gebe zur Geschichte des Nationalsozialismus sehr wenig in der Stadt, das Interesse an Erinnerungsarbeit beziehe sich meist auf die Zeit ab 1989. Gleichzeitig seien einzelne Personen in der Stadtverwaltung da sehr hinterher und unterstützend, mit ihnen arbeiten Panek und ihre Kolleg*innen seit Jahren eng zusammen.
Dafür, dass das neue Gutachten erstellt wird, kämpfte die Gedenkstätte mit Abgeordneten der Leipziger Linken und der CDU. Im September 2024 wird im Stadtrat beschlossen, ein externes Team die Gebäude besichtigen zu lassen. Als das Kurzgutachten im Oktober 2025 dem Kulturausschuss vorgestellt wird, bestätigt es die Vermutung der Gedenkstätte – vor allem, dass sichtbare Reste und Spuren des Lagers vorhanden sind.
„Der Keller ist zum großen Teil komplett begehbar“, sagt Peter Runzel im Untergeschoss des Hauses, das wie eine Baustelle aussieht. Das grelle Licht flackert kurz auf und erhellt dann einen langen Gang, weiter hinten hören die Schalter auf zu funktionieren. Mit der Taschenlampe seines Handys leuchtet Runzel auf Papierstapel, die in der Ecke eines sonst leeren Raumes liegen, „das ist die Dokumentation von dem Betrieb, der während der DDR hier drin war“, sagt er. Mit der Historikerin aus Dresden sei Runzel auch hier gewesen. Anke Binnewerg, die das neue Gutachten angefertigt hat, war mehrere Tage mit Team und Kamera auf dem Gelände, von Preußen und Runzel hatten sie durch die Räume geführt. Fotos zeigen den Keller, in dem Runzel jetzt mit seiner Handytaschenlampe steht. Auf einem davon zeichnen sich auf dem Boden Abdrücke einer ehemaligen Desinfektionsanlage des Zwangslagers ab.
Die Stadt Leipzig teilt auf Nachfrage mit, dass sie nicht vorhat, das neue Gutachten zu veröffentlichen, es diene als Arbeitsgrundlage. Das Landesamt in Dresden sei der Einschätzung aber schon gefolgt und habe das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Und: „Das Gutachten liegt auch dem Eigentümer vor.“ Er wolle das Gebäude für erinnerungskulturelle Zwecke öffnen und befinde sich dafür im Austausch mit der Gedenkstätte für Zwangsarbeit.
Weder Peter Runzel noch die Gedenkstätte bestätigen, dass sie im Sinne einer zukünftige Nutzung in Kontakt wären. Isabel Panek schüttelt heftig den Kopf auf die Frage, ob sie mit dem Eigentümer jemals ins Gespräch gehen würden. „Nicht mit dem Hintergrundwissen, was wir haben“, sagt sie. „Das bringt uns jetzt natürlich in keine gute Situation, wenn man sagt, dass der Eigentümer mit uns in Verhandlungen steht.“ Es sei laut Panek aber die Verantwortung der Stadt, die Weichen für eine mögliche Nutzung zu stellen.
„Nicht unsere Verantwortung“
„Der Prinz ist jetzt Familienvater. Wenn’s nach dem geht, kann die Stadt das Gelände kaufen, und er verlässt die Stadt“, sagt Runzel. Er zeigt auf die Tapete, die sich löst. „Das Gebäude ist in einem schlechten Zustand, da muss man einiges machen. Wir haben schon das Gefühl, die Stadt will uns ausbluten lassen.“ Schon öfter hätten sich Interessierte an von Preußen gewandt, um die Immobilie zu kaufen oder zu mieten. Darunter auch „eine einschlägige Partei und ein Verlag“, um eine „Kaderschule“ zu gründen.
Aus Angst vor zu viel Gegenprotest habe von Preußen damals abgelehnt, ein anderes Mal habe die Stadt einen chinesischen Investor davor gewarnt, das Gebäude zu kaufen. „Aber am Ende, wenn der Druck zu groß wird und ein konstruktives Gespräch nicht mehr möglich ist, gehen wir halt zu denen, die mit uns reden“, sagt Runzel.
Dass das neue Gutachten und die Einstufung des Gebäudes als denkmalgeschützt eine neue Ära für die Kamenzer Straße einläuten könnte, scheint unwahrscheinlich zu sein Runzel sagt, er wisse, dass der neue Denkmalschutz bestimmte bauliche Vorschriften festlege. „Ich habe mal nachgeschaut“, sagt von Preußens Ratgeber, „wir müssen bei Umbauten ein bisschen mehr beachten, aber sonst ändert sich für uns nichts.“
„Wir haben mit dem Denkmalschutz eine bessere Handhabe“, sagt die Pressestelle des Landesamts, „aber der Eigentümer hat Spielräume.“ Wenn man ein Kulturdenkmal besitze, müsse man es pfleglich behandeln, denkmalgerecht erhalten und vor Gefährdung schützen. „Starre Handlungskonzepte“ gebe es jedoch keine. Vor allem bei privaten Eigentümer*innen seien diese Vorschriften eher als Empfehlungen zu verstehen.
So auch der Paragraf über die öffentliche Zugänglichkeit „im Rahmen des Zumutbaren“. Was Öffentlichkeit bedeutet und wer diese ist, das darf von Preußen selbst entscheiden, und sei es nur, dass er einmal im Jahr fünf Fachleuten Zutritt zur Kamenzer Straße gewährt.
Sophie Fichtner spricht in der ersten Folge von „Reingehen“ mit Yasemin Said über ihre Recherche zum ehemaligen KZ-Außenlager am Rand von Leipzig.
Am Ende der Begehung steht Peter Runzel vor dem Hintereingang und schnippt seine halb gerauchte Zigarette in eine Pfütze. Ob es was mit ihnen macht, dass hier mal so viel Gewalt passiert ist; ob es dazu führe, dass man das thematisieren will? „Es ist ja nicht unsere Verantwortung. Wir haben keinen pädagogischen Auftrag, wir machen Vermietung“, sagt Runzel. Bis heute habe sich niemand, weder die Stadt Leipzig noch das Landesamt für Denkmalschutz aus Dresden, mit dem neuen Gutachten oder damit, was das jetzt genau heiße, an sie gewandt.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!